19Jun/17

„Fachdatenbanken sind unerlässlich für die kritische Beobachtung der eigenen Disziplin.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

 25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (1)

Alexander Botte, langjähriger Leiter der FIS Bildung Literaturdatenbank


INTERVIEW
Alexander Botte kann man getrost als „Vater“ des Fachinformationssystems Bildung, kurz FIS Bildung bezeichnen. Er leitete schon den Modellversuch FIS Bildung ab Januar 1992, bevor die Koordinierungsstelle FIS Bildung 1997 zur Daueraufgabe des DIPF wurde. Seit 2005 ist die Datenbank zentraler Bestandteil des Fachportals Pädagogik. Das Fachportal Pädagogik ist der kostenfreie und zentrale Einstieg in die wissenschaftliche Fachinformation – Literaturdatenbanken, Forschungsdatenquellen und umfassende Informationssammlungen – für Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und pädagogische Praxis.

 

 

 

Herr Botte, die FIS Bildung Literaturdatenbank kann man als Herz des Fachportals Pädagogik bezeichnen, oder?

Ja, das kann man wirklich so sagen. Und das aus verschiedenen Gründen: Die FIS Bildung ist schon bedeutend älter als das Fachportal Pädagogik und bildete den Kern, um den herum dann die ergänzenden Angebote des Fachportals Pädagogik entwickelt wurden. Wenn es um die Beschaffung von Literatur oder um vertiefende Begleitinformationen zu einem relevanten Titel geht, übernimmt heute die FIS Bildung eine zentrale Verteilungsfunktion für die anderen Angebote. Normalerweise beginnt der Nutzer mit einer Recherche in FIS, um dann über die Trefferliste immer wieder mal auf pedocs, den Fachinformationsdienst (FID) – und künftig auch auf Forschungsdaten – verwiesen zu werden. Das zeigen auch die Nutzungszahlen: Lange Zeit entfielen 90% der Fachportal-Nutzerinnen und Nutzer auf die FIS Bildung. Als 2008 dann der Dokumentenserver „pedocs“ hinzukam, hatte er zwar die größeren Steigerungsraten in der Nutzung – weil er proportional gesehen auch größere Steigerungszahlen bei der Anzahl der nachgewiesenen Volltexte aufweist – aber mit zurzeit fast eine Mio. Literaturnachweisen und ca. 20.000 Neuzugängen pro Jahr liegt die FIS Bildung Literaturdatenbank schon rein quantitativ uneinholbar voraus. Sie gehört zu den größten sozialwissenschaftlichen Publikationsdatenbanken im deutschen Sprachraum.

 Was ist das Charakteristische an der FIS Bildung?

Ohne Zweifel die große Anzahl der fachspezifischen Partner, die der Datenbank Literaturnachweise zu liefern. Die Größe unseres Verbunds mit seinen 25 bis 30 Partnern dürfte einmalig sein. Und wir sind stolz darauf, dass dieser Partnerverbund auch nach über 25 Jahren so lebendig und effizient ist. Natürlich gab es Fluktuation, zum Beispiel wenn unsere Partnereinrichtungen – übrigens durchweg öffentlich-rechtliche Institutionen – aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ihre dokumentarische oder auch ihre gesamte Tätigkeit einstellen mussten. Aber es ist uns immer wieder gelungen, neue Partner hinzu zu gewinnen oder die Aufgaben neu zu verteilen. In jüngster Zeit haben wir auch öfter mal „outgesourct“, also Aufträge an kommerzielle Dienstleister vergeben, um Lücken wieder zu schließen. Eine Möglichkeit übrigens, die uns erst durch die Förderung im Rahmen des Fachportals Pädagogik eröffnet wurde.

Es sind also die Partnereinrichtungen, die die Literatur erschließen und sie an die FIS Bildung liefern?

Zentrale Themen des FIS Bildung Literaturdatenbank

Ja, die verteilte Erschließung hat den großen Vorteil, dass die Fachliteratur eng am Bedarf der Community ausgewählt wird, also aus der Sicht der Klientel der Partnereinrichtungen in Schulbildung, Weiterbildung, Beruflicher Bildung oder auch pädagogischer Psychologie. Eine zentrale Stelle könnte das für all die verzweigten Teilbereiche der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung gar nicht mit der gleichen Kompetenz bewerkstelligen. Die Datenbank hat ja den Anspruch, alle Bildungsbereiche zu bedienen und dabei auch praxisnahe Publikationen von akademischer Relevanz einzubeziehen. Es ist bestimmt auch diese subdisziplinäre Expertise, die die überwiegend aus dem akademischen Bereich stammenden Nutzer so sehr an der FIS Bildung Literaturdatenbank schätzen.

Ist eine Publikationsdatenbank heute noch zeitgemäß?

Im Gegensatz zu Google-Scholar, das sehr schnell ganz aktuelle Literatur nachweisen kann, basieren unsere Prozesse auf der verteilten intellektuellen Erschließung und sind dadurch naturgemäß langsamer. Dennoch wählen viele Nutzer für die thematische Suche unsere Fachdatenbank, einfach weil sie die fachlich relevante Literatur präziser in den Vordergrund stellt. Allerdings nutzen die meisten ohnehin kein Google-Scholar, sondern „googeln“ einfach, und da fällt bei einer thematischen Suche jedem sehr schnell auf, wo er oder sie fachlich einschlägige Literatur in zeitlich sortierter Reihenfolge schneller finden kann. Man darf auch nicht übersehen, dass Google als Wirtschaftsunternehmen die Reihenfolge der Trefferanzeigen und die Auswahl von Literaturnachweisen auf Basis von kommerziellen Entscheidungen gestaltet.

Die FIS Bildung steht also außerhalb der Konkurrenz und wird gut genutzt?

Literaturdatenbanken werden für die Nutzung erstellt und solange die nicht nachlässt, rechtfertigt der Bedarf ihre Existenz. Hinzu kommt aber noch die zentrale Bedeutung von Publikationen für die akademische Welt. Forschung und Lehre fokussieren weiterhin ihre Ergebnisse in Publikationen, ob gedruckt oder digital. Sie sind Dreh- und Angelpunkt für die Verbreitung und für die Rezeption von Forschungsergebnissen und –daten; sie bieten jedem Fach einen Spiegel seiner Produktivität und sind die besten Datenquellen für eine Beobachtung der Entwicklung einer Disziplin. Zum Beispiel wäre der von uns (DIPF) maßgeblich mitverantwortete Review Bildungsforschung in Deutschland ohne die FIS Bildung Literaturdatenbank so nicht möglich gewesen. Das gilt auch für zentrale Kapitel der alle vier Jahre erscheinenden Reihe Datenreport Erziehungswissenschaft. Insofern haben Fachdatenbanken auch eine wichtige Funktion für die Selbstdarstellung und natürlich auch für die kritische Beobachtung der einzelnen Disziplinen.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Botte!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

16Jun/17

Wetten über die Zukunft von Lernmaterialien

Quelle: weiterbildungsblog Autor: jrobes

Es gibt verschiedene Wege, um sich zukünftigen Bildungs- und Lernwelten zu nähern: Szenario-Techniken, Delphi-Methoden, Road-Mapping – und Wetten. Der Beitrag beschreibt, wie im Rahmen von L3T-Bet diese Methode umgesetzt wurde. Ich zitiere aus der Einleitung:

“Aus dem Wettverhalten, so die Erfahrung bei Sportwetten und Präsidentschaftswahlen, lassen sich relative gute Vorhersagen für den Ausgang von Sportereignissen und Wahlen ableiten. In diesem Beitrag wird das Konzept und Erfahrungen mit einer Live-Wette beschrieben, bei der Expertinnen und Experten auf kurzfristige Entwicklungen im Bereich der Lern- und Lehrmaterialien wetten. Der Beitrag schließt mit Empfehlungen für Nachahmer/innen.”
Sandra Schön und Martin Ebner, in: „Trendy, hip und cool”: Auf dem Weg zu einer innovativen Hochschule?. Hrsg. von Bücker, D., u.a., Bielefeld 2017, S. 33-44 (via E-Learning Blog)

14Jun/17

Online-Event zur Nutzung digitaler Bildungsressourcen: Was ist in frei zugänglichen virtuellen Räumen zu beachten?

Quelle: e-teaching.org-Blog Autor: e-teaching.org-Blog

Im Online-Event am 19. Juni um 14 Uhr wird diskutiert, welche Besonderheiten sich in frei zugänglichen virtuellen Räumen des Internets bezüglich digitaler Bildungsressourcen ergeben, mit welchen Konzepten sich Lehrende in diesem Raum sicher bewegen können und welche Rolle Open Educational Resources (OER) dabei spielen können.

14Jun/17

Erschienen: OER-Booklet zum Selbstfalten #oeaustria #oer #cc0

Quelle: Sandra Schön Autor: sansch

Bildschirmfoto 2017-06-12 um 09.02.20.pngIm Rahmen des Open Education Austria Projektes habe ich mit Martin Ebner ein OER-Booklet erstellt mit der Idee, dass man schnell etwas Übersichtliches in der Hand hat. Das Prinzip ist simpel – man druckt sich einfach das A4-Blatt aus und dann muss man es richtig falten 🙂 Damit das mit dem Falten klappt (Lehrer/innen im Primarschulbereich ist das Prinzip meist vertraut) haben wir auch noch ein Video davon gemacht, damit es auch sicher klappt. Viel Spaß damit und wir freuen uns, wenn es weiterverbreitet wird 🙂 – Das Booklet haben wir unter CC 0 veröffentlicht!

[OER-Booklet als .pdf] [OER-Booklet als .odg]

13Jun/17

“Auf der Blockchain können wir das Lernen neu erfinden”

Quelle: weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ganz ehrlich, der Beitrag wirft mehr Fragen auf, als dass er Antworten gibt. Es scheint offensichtlich sehr schwer, das Prinzip Blockchain zu beschreiben (oder es zu verstehen …). Okay, es ist eine “neue Technologie, die uns zum ersten Mal wirkliche Peer-to-Peer-Transaktionen ohne Plattform oder Mittelsmann dazwischen ermöglicht”. Hier ahnt man, ich formuliere es mal vorsichtig, Potenzial. Will man nun wissen, wie es wirklich funktioniert, im Alltag und im Kleingedruckten, stolpert man über Sätze wie “Über das Protokoll auf dem Peer-to-Peer-Netzwerk wird per demokratischem Beschluss aller Rechner aus dem Netzwerk über die Transaktion entschieden”. Aha!?

Doch im Interview geht es natürlich auch um Hochschulen und ihre Zukunft. Auch hier kommt das Peer-to-Peer-Prinzip zur Anwendung, denn Hochschulen stellen sich ja heute als Mittler zwischen zwei und mehr Menschen, die voneinander und miteinander lernen wollen. Als zentrale Instanz, die Abschlüsse vergibt, werden sie im Web 3.0 mit Hilfe der Blockchain überflüssig. So die Theorie. Aber vieles, so die Expertin, steckt noch in den Kinderschuhen. Aus meiner Sicht auch die Sprache der Beschreibungen.
Helena Häußler, Interview mit Shermin Voshmgir, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 7. Juni 2017

13Jun/17

Vortrag: Trends und Perspektiven der Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer digitalisierten Welt (Slides)

Quelle: Sandra Schön Autor: sansch

Die Folien zu meinem Impulsvortrag zu (ausgewählten) Trends und Perspektiven der Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer digitalisierten Welt heute in St. Pölten:

  • Sandra Schön (2017). Trends und Perspektiven der Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einer digitalisierten Welt. Impulsvortrag auf dem Überregionales Vernetzungstreffen Bildungsberatung Österreich, Total Digital. Bildungsberatung in einer digitalisierten Welt,  13. Juni 2017 Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten

12Jun/17

BMBF Fachtagung: „Hochschule im digitalen Zeitalter“

Quelle: e-teaching.org-Blog Autor: e-teaching.org-Blog

Am 03. und 04. Juli lädt das BMBF zur Fachtagung nach Berlin ein. Teilnehmende haben hier die Möglichkeit, gemeinsam mit nationalen und internationalen Expertinnen und Experten der wissenschaftlichen und anwendungsnahen Fachgebiete sowie weiteren Hochschulakteuren wichtige Themen für die Gestaltung von Hochschulen im digitalen Zeitalter zu diskutieren.