Category Archives: Guido Brombach

16Apr/19

Was Überwachung mit unseren Kindern macht

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Kennt ihr Elfcams? Das sind Pseudo-Kameras, die sich als “Augen der Elfen” in Kinderzimmern tarnen. Den Kindern wird erzählt, die Elfe passt auf, dass sich das Kind auch brav verhält, wenn nicht wird dem Weihnachtsmann Bericht erstattet. Natürlich ist es keine echte Kamera , sondern nur eine Attrappe, aber die Kinder glauben daran und halten es für eine gute Sache, solange die Weihnachtsgeschenke entsprechend ausfallen.

Eine Kamera, die nur so tut, als sei sie eine Kamera, aber eigentlich genau den gleichen Effekt hat, wie eine richtige Kamera. Die Suche nach Kamera-Attrappen bei Amazon führte zu 2000 Ergebnissen. Das scheint also auch bei Erwachsenen Menschen prima zu funktionieren.

Wie Überwachungskameras wirken können wir an diesem Beispiel sehr schön nachvollziehen: Es ist weniger ein technische Lösung, als vielmehr ein verhaltenspsychologisches Phänomen. Menschen verhalten sich anders, wenn sie das Gefühl haben, überwacht zu werden. Sie verhalten sich so, wie sie glauben, dass es von Ihnen erwartet wird, sich zu verhalten.

Damit wird alles impulsive, alles kreative, alles disruptive, aber natürlich auch alles delinquente unterdrückt. In dem ein oder anderen Fall sicherlich bewusst, in den allermeisten Fällen aber vollkommen unbewusst. Überwachung lässt uns bestimmte Verhaltensweisen vergessen. Je früher wir damit anfangen Menschen Überwachungssystemen auszusetzen, um so unbewusster adaptieren wir scheinbar gewünschte Verhaltensweisen.

Mit der Elfcam verhält es sich wie mit dem Panoptikum. Es handelt sich um ein Konzept für den modernen Gefängnisbau. Auch in Fabriken, so ist in der Wikipedia zu lesen, lassen sich architektonische Konstruktionen finden, bei denen ein Einzelner Viele überwachen kann. Es beruht auf der Ungewissheit, ob man gerade überwacht wird oder nicht. Diese Ungewissheit lässt uns so verhalten, als würden wir dauerhaft beobachtet werden.

Kinder werden umgeben mit Überwachung. Selbst “Helikopter-Eltern” legen viel Wert darauf, dass die Kinder niemals ohne ihr Handy aus dem Haus gehen. Nicht nur damit man sie erreichen kann, sondern auch, damit man zu jedem Zeitpunkt weiß, wo sie gerade sind. Sie werden schon früh für Überwachung desensibilisiert und kennen natürlich die Möglichkeiten, mit denen Überwachung ausgeübt wird. Sie verhalten sich deshalb so, wie es ihre Eltern von ihnen erwarten.

Überwachung nehmen Sie selten als unangenehm wahr, denn schließlich wollen wir Eltern nur das beste: Sicher zu sein, dass es ihnen gut geht. Wir sind schließlich verantwortlich. Wo wir auch schon bei der anderen Seite der Medaille sind. Überwachung passiert nicht nur durch Google und Amazon oder den Staat, sondern vor allem in der Familie. Ja, wir nennen es Sicherheit, aber die Grenzen sind fließend. Also sollten wir auch ein wenig vor der eigenen Haustüre kehren. Je mehr überwachungsfreie Räume wir für unsere Kinder schaffen, in dem wir deutlich machen, wann wir sie überwachen und wann nicht, um so eher werden sie sich nicht damit abfinden überwacht zu werden und um so unangepasster werden sie.

Sprecht mit euren Kindern und ihr werdet überrascht sein, wie gut sie das Konzept Überwachung internalisiert haben, weil es ihr Standardzustand ist und wie wichtig ihnen ihre Privatsphäre ist. Die verschlossenen Türen, die ab einem bestimmten Alter für den “elternfreien” Raum sorgen, die WhatsApp Chats, die sie nicht mehr vorlegen wollen. Es ist ein furchtbarer Widerspruch, der Teil dieser Welt geworden ist, in der wir mit Überwachung leben müssen und gleichzeitig die physische Privatsphäre zu schützen versuchen.

10Apr/19

Hypertexte und zufälliges Lernen

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Natürlich, eigentlich besteht das ganze Internet aus Hypertexten, aber die Technologie ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Lost in Hyperspace haben wir jetzt im Griff, dank RSS, kuratierten Timelines und Apps. Zu Zeiten der kaum beherrschbaren Informationsfluten und des Surfens durch das Infochaos war der Hypertext die fleischgewordene Vollendung des Konstruktivismus. Anfang der 2000er haben Kontruktivist_innen den Hypertext als Möglichkeit verstanden das Internet als Lernplattform zu nutzen. Damals haben wir es als pädagogische Herausforderung verstanden, die vielen unterschiedlichen Kontexte und Zugänge bei Lernen in Gruppen zu bearbeiten. Damals waren es weniger die Algorithmen, die meine Konstrukte determinierten, sondern vielmehr die Sozialisation und die Biografie. Beides ist auf eine Art extrinisch, allerdings erscheinen die Algorithmen deutlich absichtsvoller, über den Grad des Zufalls lässt sich streiten.

Der Großartige Michael Wesch hatte damals mit Studierenden solche Videos gemacht:

… und mit fast 12 Mio Views viele Menschen inspiriert.

Wie weit ist es gekommen, dass man sich den nicht algorithmisierten, chaotischen Hypertext zurück wünscht um Lernen wieder etwas Zufälliges zu verleihen? Wobei Zufall letztendlich im Blickwinkel des Betrachters liegt, denn natürlich wurden auch die guten alten Hypertxte algorithmisiert. Ob ein Link uni- oder bidirektional ist, also nur von sich wegverweist oder auf der anderen Seite auch wieder zurückverweist, erhöht die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Lernwege. Rein statistisch ergeben sich so Textteile, die seltener erreicht werden können, als andere. In meiner Dipl. Arbeit habe ich mich lange mit Hypertexten befasst. (erste eigene Hypertext-Lernumgebung zu Lerntheorien).

Nach wie vor ist die Wikipedia das Vorbild eines mehr oder weniger radikalen Hypertextes ohne die Absicht, den Nutzenden durch Pseudo-Textstückchen zu leiten. Hier sollen lediglich inhaltliche Zusammenhänge hergestellt werden, die eine Vertiefung oder sogar abschweifung ermöglichen.

Inzidentielles Lernen nennen es die Pädagog_innen, wenn lernen ohne Lernabsicht einfach passiert, weil man abschweift oder zufällig auf einen Zusammenhang stößt, der die eigenen Konstrukte in Frage stellt, denn genau dann lernen wir. Hypertexte sind genau dazu sehr gut geeignet. Die wesentlich wirkmächtigeren Tools zum inzidentiellen Lernen sind aber wohl Suchmaschinen, auch wenn ein Algorithmus versucht zu berechnen, was auf eine bestimmte Suchanfrage als Ergebnis erwartet wird.

Zurück zum Anfang: Der Hypertext als fleischgewordene Vollendung des Konstruktivimus, das heißt letztendlich nichts anderes, als das Digitale als geeignet zu erklären, die eigenen Konstrukte zu hinterfragen, zu stören, zu verändern. Zufall statt datengetriebene Analyse des Lernverhaltens und Adaption externer Lernziele. Chaos statt Kuration. Das geht wohl nicht mit dem Lernverständnis in Schule einher, wohl aber mit dem der Erwachsenenbildung. Also mehr Mut zum Hypertext!

04Apr/19

Gutes Creative Commons Plugin für wordpress

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Ich habe mich mal wieder mit den WordPress Plugins befasst und dabei ist mir eine hilfreiche kleine Erweiterung in die Suchergebnisse geraten: Der Creative Commons Post Republisher. Damit ist es möglich, ein kleines CC-Logo unter den eigenen Blogpost zu implementieren, mit dem man den Lesenden eine niederschwellige Möglichkeit gibt, den eigenen Blogpost zu kopieren und dabei die genaue Attribution anzugeben, die genutzt werden soll. Für eines meiner letzten Blogposts sieht das dann so aus:

Neben dem Blogpost im html-Format ist oben leicht verständlich die Bedingung zu finden unter der der Artikel auch auf anderen Webseiten erscheinen darf.

Sein blog unter eine CC Lizenz zu stellen ist eine Sache, die Anderen einzuladen die Artikel reposten zu können eine ganz andere. Vielleicht bringt man so erst den ein oder anderen auf die Idee, den Text/die Idee zu kopieren und ganz woanders erneut zu veröffentlichen.

02Apr/19

Google Drive Lernumgebung

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Vor ein paar Jahren habe ich mit Hilfe von zwei Praktikantinnen eine Google Drive Lernumgebung erstellt. Ihr lernt dabei nicht nur Google Drive zu benutzen, sondern auch kollaborativ zu arbeiten. Die Lernumgebung funktioniert sehr gut , wenn man sie nicht alleine durcharbeitet, sondern mit mehreren, zum Beispiel in der Schule. Die Dateien liegen als Zip Ordner vor, den ihr in Google Drive importieren könnt. Ich hoffe, dass die Links dann auch entsprechend funktionieren, ansonsten solltet ihr sie anpassen, so dass ihr eure eigene Sandbox habt und nicht die befüllt, die ich angelegt habe. Ihr lernt Inhaltsverzeichnisse anzulegen, Links in Docs unterzubringen, Ordnerfreigaben zu steuern, Bilder einzubinden und natürlich den grundlegenden Unterschied zwischen google Drive und Docs oder Spreadsheets.

Macht wie immer, was ihr wollte damit. Ich freue mich natürlich über Rückmeldungen, wenn ihr neue Versionen erstellt habt.

Google_Drive_Lernumgebung

Ihr findet es auch in meinem Github Profil:

25Jun/18

Die Zauberwürfel-Lösemaschine und die Bildung

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Tobias Hübner hat mich auf die Idee gebracht. Und dann habe ich die Maschine mit Lego nachgebaut. Sie löst den Zauberwürfel in ca. 60 Sekunde. Das ist verglichen mit anderen Hochgeschwindigkeits-Rubix-Würfellösenden Maschinen sehr langsam. Verglichen mit denen, die ihn nie gelöst haben und statt dessen die Klebepunkte umgeklebt haben sehr schnell.

Zu Beginn dachte ich, es ist ein schönes Maker-Projekt, dass im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt. Aber immer, wenn ich die Maschine Bekannten und Freunden zeigte, wurde mir klar, dass die Maschine eine Metapher für die mit der Digitalisierung einhergehenden Verdatung ist. Auf dem letzten DGB Bundeskongress war sie einer der bekannteren “Hingucker”, wie hier in der Tagesschau vom 13.05.2018, 20:00 Uhr:

Für die DGB Facebook Seite habe ich in einem Interview dann erklärt, warum sich die Maschine zu gut als Metapher für die Digitalisierung eignet:

15Mai/18

Die 6 Naturgesetze des Digitalen #rp18

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Ich hatte das auf der diesjährigen Republica ein Paper zum genannten Thema eingereicht und durfte statt der vorgesehenen 30 Minuten zumindest 6 Minuten sprechen. Der Vollständige Titel lautete “Die 6 Naturgesetze des Digitalen: Wie die Digitalisierung der Bildung gelingen kann”. Aufgrund der Zeit bin ich leider nur zum ersten Teil gekommen. Aber das ist vielleicht auch ein angenehmeres 6 Minuten Format:

15Mrz/18

Scotland Yard Privacy Edition

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Vor einigen Wochen haben wir Scotland Yard, Spiel des Jahres 1983 aus den Untiefen des Kellers befreit. Nach den ersten 2 Runden war klar, dass das Spiel ein Update in das Heute braucht. Wie würde man heute Mister X fangen? In einer Welt mit lückenloser Überwachung? Wäre Scotland Yard 2017 entwickelt worden, wären die Taxis von Uber und die U-Bahnen wären videoüberwacht. Wie könnten die Regeln geändert werden, wenn der Standort einer Person zu jeder Zeit bekannt ist?

Während des Aktivkongress ist die Idee entstanden das Spiel zu remixen (Etherpad-Doku der Session), auf dem EducampX hat eine erste Gruppe den Prototypen gespielt und einige Regeln verändert.

Unten findet ihr die zur Zeit aktuellen Regeln. So sollte es auf dem traditionellen Brett spielbar sein. Falls nicht, schreibt mir in die Kommentare eure Regeländerungs-Empfehlungen.


Übergreifend

Die Detektive dürfen nicht mehr miteinander reden, sondern nur noch über einen Messenger. Innerhalb einer festgelegten Zeit (3 min) müssen alle Detektive gezogen haben.

3 Phasen

  • Sondierungsphase: Es ist nicht mehr klar, wer Mister X ist. Dank Vorratsdatenspeicherung könnte es jeder sein, weil jeder verdächtig ist. Alle geben sich nach den Regeln zu erkennen und spielen ansonsten verdeckt. Strategie Mister X darf sich nicht zu weit von der Gruppe entfernen, um sich nicht verdächtig zu machen, aber dennoch so weit, dass wenn er auffliegt, schnell fliehen kann.
  • Anschuldigungsphase: Wenn sich die Gruppe einig ist, wird Mr. X enttarnt, dazu darf gesprochen werden, danach verstummt die Gruppe wieder und darf nur über den Messenger kommunizieren
  • Anschließend beginnt die traditionelle Jagd auf MisterX.

Regeln zur Sichtbarmachung von Mister X und Beförderung

  • U-Bahn mit und ohne Überwachungskameras – Die Bilder müssen erst ausgewertet werden, deshalb weiss man bei einigen Stationen erst später, womit Mister X gefahren ist
  • Statt Taxi gibt es Ubertickets, damit kann man zweimal fahren, aber der Einstiegsort durch Mister X muss bekannt gegeben werden
  • Black-Tickets sind in den Händen der Detektive. Sie sind jetzt elektronisch und verschlüsselt, wenn sie eingesetzt werden, können die Detektive einen Staatstrojaner aktivieren um die Verschlüsselung und damit die Tarnung von MisterX zu brechen, allerdings nur einmal. Das Black-Ticket wird anschließend an Mister X übergeben, damit er in der darauffolgenden Runde unsichtbar entkommen kann.

Weitere Ideen

  • Funkloch in einen Stadtteil einbauen, dort gelten dann die alten Regeln
02Feb/18

Radiosendung der AES Realschule in Essen

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Es war ein großartiges Projekt zwischen der Uni Duisburg-Essen und den Schüler_innen der Klasse 7f der AES (Albert-Einstein-Realschule) in Essen. 25 Studierende und 30 Schüler_innen haben eine kleine aber feine Radiosendung auf die Beine gestellt, deren Höhepunkt am 01.02. die Veröffentlichung im Rahmen einer Livesendung war.

In 2 Workshops haben alle Beteiligten sich auf Themen geeinigt, dazu recherchiert, Interviews geführt, Beiträge geschnitten und am Ende eigene Texte eingesprochen. Arrangiert wurde alles in einer Livesendung, die ab jetzt auch unabhängig von Zeit und Ort angehört werden kann.

21Jan/18

Storytelling im Messenger

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Passend zum letzten Post habe ich die App Tap genauer unter die Lupe genommen. Mit ihr können Geschichten im Messengerstyle erzählt werden, das heißt man blickt als Beobachtender auf eine Chat-Kommunikation, die man durch weiter klicken verfolgen kann. Es lassen sich so sehr private Einblicke konstruieren, die zum Beispiel eine Mobbing Erfahrung nacherzählen lassen. Im Verzeichnis von Tap lassen sich allerdings eher Horrorgeschichten finden. Die erzählweise eignet sich sehr gut solche subtilen Formate. Man bleibt Beobachtender einer sehr privaten Kommunikation.

Viele Begebenheiten, die uns heute zustoßen haben ihren Ausgangspunkt im Messenger gehabt, zumindest hat diese Form der Kommunikation das Telefongespräch zum Teil ersetzt. Mit der App Tap können diese Situationen sehr realitätsnah nachgestellt werden. Eigenheiten wie Smilies oder kurze oft missverständliche Antworten können hier gut nachvollzogen werden.

Diese Form des Geschichten erzählens stellt eine vollkommen neue Textgattung dar, die jedoch den Zeitgeist trifft und dabei helfen könnte Missverständnisse der digitalen Welt verstehen zu lernen.

Ich habe ein Video mit meinem Smartphone gemacht, dass die Funktion der App zeigt und erklärt: