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23Okt/17

Mobbing bei Whats App und eine medienpädagogische Antwort

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Gemobbt wird überall, natürlich auch bei Whats App. Aus eigener Beobachtung sei vorweg gesagt, dass es sich hierbei natürlich nicht um ein originär digitales Phänomen handelt. Mobbing hat seinen Ausgangspunkt meist in der Kohlenstoffwelt und bezieht dann alle Kommunikationsumgebungen mit ein, also auch Whats App. In der digitalen Welt schlägt Mobbing aber mit aller Härte zu, weil die Naturgesetze des Digitalen nie ausser Kraft zu setzen sind. Vor allem public by default und copy by default fördern die Eskalationsspirale. Den Tätern geht es dabei selten um Anonymität.

Es git schon genügend Abhandlungen zu Mobbing in digitalen Kommunikationsumgebungen. Ich möchte zwei Ideen vorstellen, dem Mobbing aktiv zu begegnen. Ein erster medienpädagogischer Vorschlag ermöglicht, Mobbing-Erfahrungen besprechbar zu machen, die andere Idee ist eher als Feuerlöscher bei eskalierten Situationen zu verwenden.

Medienpädagogischer Vorschlag

Die App Tap ist ein Messenger, der Geschichten erzählt. Autoren können ihre Geschichten dort veröffentlichen. Der Nutzende wird zum Mitleser einer Messenger Kommunikation a la Whats App. Die Geschichten lassen sich meist in 10-20 Minuten konsumieren. Es ist allerdings auch möglich eigene Geschichte zu schreiben. Mit allen Mißverständnissen, Abkürzungen und Bildern, die wir so nur bei Whats App und seinen Verwandten benutzen. Eine Kommunikation auf Whats App nachzuerzählen ist schwer, weil vieles an Wirkung und non-verbalem eine größere Interpretationsbandbreite hat, als bei einem f2f Gespräch. In den Chatverlauf können Bilder hinzugefügt werden. Um Mißverständnisse zu vermeiden, können handelnde Personen eingeführt werden und man kann eine Animation nutzen, die vorgaukelt, das Gegenüber würde gerade schreiben, bevor die nächste Antwort ausgegeben wird. Man kann als Leser nicht auf die Kommunikation einwirken. Es bleibt eine lineare Geschichte, das ist es aber bei Whats App auch. Tap bietet die Möglichkeit mehrere Szenen zu schreiben. Es ist ein interessantes Werkzeug, um Mobbing-Szenen nachzuerzählen. Dinge, in die man nicht involviert war, sondern nur als Mitlesender in einer Gruppe erlebt hat. Von den eigenen Mobbing-Geschichten sowohl als Opfer, wie auch als Täter wird man eher selten berichten wollen. Meistens ist man froh, dass die Begebenheit hinter einem liegt.

Bei eskalierten Situationen

Es sind häufig nicht die Eltern, die als erstes erfahren, wenn die eigenen Kinder Opfer einer Mobbing-Attacke werden. Ich hatte allerdings das Glück und konnte von da an meine Tochter mit allen mir zur Verfügung stehenden Werkzeugen helfen. Nachdem die Gespräche mit allen beteiligten Personen nicht helfen konnten die Situation zu entschärfen, habe ich alle bis dahin auf Whats App in den einzelnen Gruppen geführte Kommunikation heruntergeladen. Dazu habe ich im Chat selber die Einstellungen aufgerufen und dort ganz unten Chat exportieren ausgewählt. Man erhält ein csv, das man sich per Mail zuschicken kann. Danach habe ich die Datei in Excel geöffnet und bearbeitet. Alle Namen anonymisiert und alle Chats in eine Tablelle kopiert. Danach zeitlich geordnet und die Datei an die Lehrerin geschickt. Die hat sie dann in der Klasse gezeigt. Damit konnte das Schweigen der anderen Klassenkamerad_innen gebrochen werden. Es konnte sichtbar gemacht werden, was hinter den Kulissen von Whats App geschah. In unserem Fall hat der Spuck von einem auf den anderen Tag aufgehört.

Das klingt sicher nach einer schönen Geschichte, und es passiert sicherlich nicht immer so, aber die Whats App Chats den unterschiedlichen Gruppen von verschiedenen Akteuren sichtbar zu machen, hat in unserem Fall geholfen.

Das Bildmaterial wird im csv als Dateipfad exportiert. Sollten also einmal unangenehme Bilder dabei sein, kann man trotzdem den Chatverlauf zeigen.

17Jul/17

Edubarcamp-Kalender

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Ich habe einen abonnierbaren Edubarcamp-Kalender gebaut. Falls ihr ein Barcamp im Bildungsbereich kennt, das ich noch eintragen soll, sagt mir Bescheid. Die Idee geht auf eine Initiative von Jöran zurück, der im vergangenen Jahr im Rahmen vom Podcast JRA alle Edubarcamp Orgas angerufen hat. Die Podcasts geben einen Überblick über die breite Szene von Bildungsbarcamps in Deutschland. 

Im losen Zusammenschluss aller Barcamp-Aktiven wurde der Ruf nach mehr Vernetzung laut. Ich habe deshalb mal diesen Kalender gebaut.

06Apr/17

Metadaten sichtbar machen

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

An dieser Stelle ein kleiner Tip für alle Medienpädagog_innen unter euch: Metadaten sind ja immer wieder in der Diskussion. Was ist das überhaupt und was sollte daran schon problematisch sein, reines Nerdgequatsche. Stimmt aber nicht. Metadaten sind eine wirklich interessante Informationsquelle. Sie beantworten im Prinzip viele der klassischen W-Fragen. Dafür ist der Inhalt vollkommen unerheblich, der lenkt meist nur von den eigentlichen Fakten ab:

  • Wer?
  • Wann?
  • Wo?
  • Warum?
  • Was?
  • Wie?
  • Wozu?

Welche davon können allein mit den Metadaten beantwortet werden?

  • Wer?
  • Wann?
  • Wo?
  • Wozu?

Das Wozu wird zwar nicht direkt in die Metadaten geschrieben, ist aber auf der anderen Seite meist einfach herzuleiten, sobald die ersten 3 Fragen geklärt sind.

Aber wo kann man Metadaten sehen?

Alle Kommunikationsdaten müssen Metadaten enthalten, die auch nicht verschlüsselbar sind, weil sonst der Server nicht weiß, wohin er die Daten schicken soll oder was er sonst damit machen soll. In Bildern stecken sie auch drin und nicht zu knapp. Um das zu zeigen haben ich im Seminar die Webseite Jeffrey’s Image Metadata Viewer gezeigt. Dort kann man entweder eine Bilder-URL angeben, oder auch ein Bild zur Analyse hochladen.

Unwissend, was mich erwartet, habe ich zur Demonstration ein Bild von der Webseite des Tagungszentrums, an dem ich arbeite, verwendet. Hier die Webseite: https://www.dgb-tagungszentren.de/hattingen Es ging um das Bild in der Mitte, hier die Bildadresse: https://www.dgb-tagungszentren.de/sites/dgb-tagungszentren.de/dateien/hattingen/material/homberg_0091.jpg Die habe ich dann in Jeffrey’s Metadaten Viewer eingegeben und habe einen ganzen Zoo an Metadaten erhalten. Müsst ihr auch mal machen.

Anschließend habe ich ein Bild von meinem Smartphone bei Jeffrey hochgeladen und habe mir die Exif-Daten angeschaut. Exif ist ein Format zum Speichern von Metadaten in Bildern. Auch darin waren interessante Informationen enthalten. Da steht sogar mit welcher der beiden Linsen in meinem Smartphone ich das Bild aufgenommen habe.

Weitere Tools

Um das im Seminar praktikabler zu machen habe ich mir auch mal diverse Plugins angeschaut. Am besten hat mir EXIF-Viewer gefallen. Ich habe allerdings nur für den Chrome recherchiert, weitere Browserempfehlungen gerne in die Kommentare. Und was man sonst noch so mit Metadaten machen kann kann man bei Immersions bestaunen. Das ist eine Visualisierung deines Mail-Netzwerkes. Wenn du der uni Zugriff auf dein Mailverzeichnis ermöglichst, können sie dir eine beeindruckende Grafik deiner Netzwerke erstellen. Aus der Zeit, in der ich Googlemail genutzt habe, stammt diese Grafik:

Bildschirmfoto 2017-04-05 um 21.33.45.png

Wer das Selbstexperiment von Malte spitz noch nicht kennt oder wieder vergssen hat, dem sei auch noch die Bewegungsdatenanalyse, die die Zeit angefertigt hat, ans Herz gelegt. Und da soll noch mal jemand sagen Metadaten seien nicht interessant.

23Mrz/17

Digitale Medien und Ablenkung

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Ich sprach schon bei BZT drüber. Ich merke an mir, bei dem Schreiben von Texten, wie sehr sich mein Hirn den digitalen Möglichkeiten hingegeben hat. Kopieren, Ausschneiden und Einfügen sind bei allem, was ich tue, überlege, erfinde und konzipiere, also wenn ich als Wissensarbeiter funktioniere, zentrale Konzepte. Wenn ich etwas neues zum Beispiel auf einer Tagung höre, beginne ich es nachzurecherchieren, zu strukturieren, in Zusammenhänge (meine Diigo Outliner) einzubetten und schließlich aufzuschreiben. 

Meine Tochter musste letztens einen längeren Text schreiben. Während ich ihr erklärte, wie ich mich an solche komplexen Aufgabenstellungen mache, wurde mir klar, wie schwer es für mich geworden ist, längere Texte linear von oben nach unten zu schreiben. Ich arbeite häufig steinbruchartig an verschiedenen Absätzen/Kapiteln und häufig wird Geschriebenes mit cut + paste an andere Orte verschoben. 

Ich kann mich nicht mehr an die Zeit erinnern, wo ich Texte linear von oben nach unten schreiben konnte, aber bei meiner Deutsch Abiklausur musste ich es noch gekonnt haben, denn die habe ich komplett auf Papier geschrieben, seitenlang. Heute fällt es mir schwer, Gedanken auf Papier zusammenzuschreiben, weil die Struktur beim Schreiben entsteht und sich verändert. Dafür ist Papier nur bedingt gut geeignet. Outliner bilden exakt die Arbeitsweise ab, die mir beim Strukturieren von Informationen hilft. Hier kann ich ganze hierarchische Bäume verschieben, anderen Strukturen unterordnen oder einfach auch nur in andere Zusammenhänge kopieren. Ich kann beliebig komplex werden und Komplexität sichtbar machen oder verbergen.

Die Außensicht auf das meinen Weg Zusammenhänge hervorzubringen muss sehr chaotisch wirken. Es ist geradezu die Ablenkung, also das Springen zwischen den Kontexten, das mir hilft, Zusammenhänge herzustellen. Was wenn wir in Lernprozessen Menschen zwingen, linear zu lernen, und das tun wir, solange Papier unser Datenträger von Wissen bleibt. Erst die Nutzung digitaler Werkzeuge ermöglicht, alinear zu rezipieren, das wissen wir spätestens seit unseren Untersuchungen zu Hypertexten.

Ich glaube, in der heutigen Schule würde ich mit meiner digitalen Sozialisation untergehen. Vielleicht geht es einigen Kindern genauso?

08Feb/17

Wie ich verstand, das digitale Netze die Bildung revolutionieren werden

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Mir geht es um das Gefühl, das man hat, wenn irgendetwas so fundamental anders ist, als man es bisher gewohnt war. Vor vielen Jahren war Michael Wesch (Kansas State University) der erste mir bekannte Professor, der mit seinen Studierenden zusammen Youtube Videos machte, die in der Lage waren das Missverhältnis von analog und digital in Bilder zu kleiden. Seine Videos haben mir geholfen, den kulturellen Eigenheiten des Digitalen auf die Spur zu kommen. Natürlich habe ich das nicht für mich behalten, sondern es in meinen Seminaren gezeigt (Twitter und Facebook gab es noch nicht). Blöd war nur, dass die englische Sprache für meine Teilnehmenden teilweise schwer zu verstehen war:

Also habe ich mir beigebracht, wie man Untertitel schreibt und welcher Standard in Videos benötigt wird, damit der Text erstens passend zu den Bewegtbildern und zweitens unabhängig von der Videoplattform Youtube abspielbar ist. Anschließend habe ich das Video von Youtube heruntergeladen, meine Textdatei erstellt und später im Seminar in vlc abgespielt, mit synchronen Untertiteln (heute macht Youtube das entweder durch seine KI  automatisch oder gibt dem Nutzenden einen Video-Editor an die Hand).

Später dann, in einem Moment des Übermuts, habe ich die E-Mail Adresse von Michael Wesch gesucht, und ihm eine Mail geschrieben und den Untertitel angehangen. 2 Tage später schrieb er zurück, dass er die Untertitelung seinem Video auf Youtube hinzugefügt hätte und bis heute klebt dort meine deutsche Übersetzung unter dem Video.

Es wurde mir klar…

  • wie einfach es ist, vor allem mit den großartigen Menschen auf diesem Planeten in Kontakt zu kommen.
  • wie einfach es ist, sich Fähigkeiten anzueignen und
  • wie schnell man das selbst angeeignete auch wieder vergisst und wie unproblematisch das ist.
  • wie motivierend es ist, nicht nur mein Seminarproblem gelöst zu haben, sondern wahrscheinlich auch vielen Anderen geholfen zu haben.
  • dass das Netzwerk schon da war, aber ich bis dahin nie auf die Idee gekommen wäre es auf diese Art zu nutzen
  • das ich am besten lernen kann, wenn es mit aktivem Tun verbunden ist und wie häufig ich das auch schon vorher getan hatte, ohne es explizit als Lernen bezeichnet zu haben.
  • das Lernprozesse bei mir dann gut funktionieren, wenn sie ein Problem für mich lösen und wie selten Lernprozesse das in der Vergangenheit taten.
  • wie unerlässlich die digitalen Netze sind, um das “Gelernte” (das Objekt am Ende des Lernprozesses) mit anderen zu teilen.
  • wie universell die Maschine (Computer/digitale Netze) ist, um durch sie zu lernen

Aber das wohl bekannteste Video von Michael Wesch ist dieses hier über Hypertexte:

Aber dazu vielleicht mehr in einem anderen Blogpost.

21Dez/16

Seminarplanungstools

Quelle: Dotcom-Blog Autor: gibro

Für die pädagogischen Planungen meiner Seminare arbeite ich schon seit Jahren mit Tabellen, in denen ich die Zeiten, Themen, Materialien und Bemerkungen/ToDos festhalte. Seitdem ich fast ausschließlich auf digital vorliegendes Material zurückgreifen kann, ist das besonders effizient. Die lokal erstellten Tabellen sind im Laufe der Jahre ins Netz gewandert. Dort ist es vor allem Google Docs, dass mich bei der kollaborativen Planung von Seminaren unterstützt.

Natürlich ist das Google Doc auch prima dazu geeignet, Teile eines Seminars in ein anderes zu integrieren, also digitalen Errungenschaften wie cut, copy, paste zu nutzen. Das Problem ist nur die fremde Plattform. Durch Google Drive habe ich aber zumindest das Gefühl, dass die Daten auch auf meiner eigenen Infrastruktur abgespeichert werden. Es bleibt aber ein latentes Unwohlsein. Ich bekomme immer wieder die volle Wucht der Plattform zu spüren und in sofern muss vor allen dingen die kritische Infrastruktur und dazu gehört ohne Zweifel die Seminarplanung, wenn man eigentlich nichts anderes macht, als Seminare zu planen und auf dieser Basis auch durchzuführen, die dauerhafte Suche nach einer alternativen selbstgehosteten Infrastruktur. 

Vor ein paar Wochen kam dann Ralf Appelt mit Trainedon (Ein Einladungslink, der auch meier Freischaltung für Premiumfunktionen zugute kommt) um die Ecke. Für einen gemeinsamen Workshop haben wir es ausprobiert und im Gegensatz zu einer einfachen Tabelle kommt das Tool als mehrdimensionale Datenbank daher. Die einzelnen Elemente können während des Seminars hin und her geschoben werden. Die veranschlagten Zeiten werden mit berücksichtigt und zeigen dir immer an, ob eine Umplanung im Seminarverlauf zeitlich passen würde. Man kann sich Materiallisten ausgeben lassen, man kann natürlich kollaborativ arbeiten. Ihr könnt eine Seminarteilebibliothek anlegen, die ihr mit anderen austauschen könnt, um eure Seminare umzustricken:

Hier noch ein Video, damit ihr euch genauer vollstellen könnt, was Trainedon tut:

Das ist allerdings so schlimmer als Google Doc, weil es ausser pdf keine Exportschnittstelle gibt. Wer sich also auf Trainedon einläßt und nicht mit der Plattformpolitik zurecht kommt muss sämtliche Arbeit dort hinterlassen und kann nichts mitnehmen. Das kann keine Lösung sein! Es muss doch kaufbare Lösungen geben, die analog zu Trainedon funktionieren, sich aber auf meinem Computer/einem Server installieren lassen um dort die Seminarplanung kollaborativ zu bearbeiten. Ich bin für jeden Tip dankbar!