Category Archives: Jochen Robes

19Feb/20

Von Kompetenzen zu Fähigkeiten – Neues ATD Capability Modell

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die amerikanische Association for Talent Development (ATD), die weltweit größte Standesorganisation für Learning & Development-Professionals, hat ein neues Kompetenzmodell entwickelt und vorgestellt. Damit will man den veränderten Anforderungen Rechnung tragen, die an die Profession heute herangetragen werden. „Data & Analytics“ wurde zum Beispiel als neue Anforderung ins Modell integriert. Die große Veränderung gegenüber dem Vorgänger-Modell besteht jedoch darin, dass man lieber von „Fähigkeiten“ (capabilities) als von Kompetenzen (competencies) sprechen will.

In der Februar-Ausgabe des td Magazins heißt es entsprechend: „Competence has become a somewhat outdated and passive term. It refers to a person’s current state and to them having the knowledge and skills necessary to perform a job. Capability is about integrating knowledge and skills and adapting and flexing to meet future needs. By shifting from a competency model to a capability model, ATD is helping TD professionals put their knowledge and skills to work to create, innovate, lead, manage change, and demonstrate impact.“ („Competency Out, Capability In“)

Christoph Meier (scil) meint dazu (und ich kann seiner Einschätzung gut folgen): „Ich bin nicht sicher, inwiefern diese Begründung auch im deutschen Sprachraum überzeugt, da hier ja bereits seit längerem handlungs- und problemlösungsorientierte Verständnisse von Kompetenz (z.B. Euler / Hahn, Erpenbeck) etabliert sind. Aber dies nur am Rande…“

Das neue „Capability Model“ umfasst drei Bereiche („domains“): „building personal capability“, „developing professional capability“ und „impacting organizational capability“. Diese Bereiche schlüsseln sich wiederum in 23 Fähigkeiten auf.

Es gibt noch weitere Ressourcen des ATD zum Thema. Dort werden die einzelnen Fähigkeiten genauer beschrieben. Einige Ressourcen stehen nur ATD-Mitgliedern zur Verfügung. Nun ist der Wechsel von „competencies“ zu „capabilities“ und die Aufnahme neuer Themen die eine Seite. Doch verändern sich auch die Wege, auf denen Learning Professionals diese Fähigkeiten entwickeln? Und, darauf aufbauend, die Lernumgebungen, in denen sich ihre Zielgruppen bewegen? Darauf habe ich (noch) keine Antwort gefunden …
Christoph Meier, scil-blog, 15. Februar 2020

Bildquelle: Association for Talent Development (ATD)

14Feb/20

The L&D Global Sentiment Survey 2020 – first thoughts

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Einmal im Jahr fragt Donald Taylor: „What will be hot in workplace learning in 2020?“ Das macht er seit 2014 und nennt es „L&D Global Sentiment Survey“. An der aktuellen Runde, deren Ergebnisse jetzt vorliegen, haben immerhin 2.278 Menschen aus 86 Ländern teilgenommen.

Ganz oben auf der Liste steht dieses Jahr „Learning Analytics“, gefolgt von „Personalization/ adaptive delivery“. Das mutet zumindest aus europäischer Perspektive und im Zusammenhang mit der Beschreibung „hot“ etwas ungewöhnlich an. Vergleicht man die Abstimmung mit dem in dieser Woche erschienenen mmb Trendmonitor, so sind die Stichworte des GSS mutiger und zukunftsorientierter. In beiden Abstimmungen stehen jedoch Formen des Erfahrungsaustauschs und informellen Lernens (GSS: „Collaborative/ social learning“, mmb: „social networks/ community“) etwas einsam da. 

Aber das sind nur Donald Taylor’s „first thoughts“. Eine ausführliche Analyse soll noch folgen.
Donald H Taylor, Blog, 30. Januar 2020

13Feb/20

Boost Your Team’s Data Literacy

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

„We’ve entered a golden era of data“, schreiben Josh Bersin und Marc Zao-Sanders. Wir müssen nur noch lernen, mit diesen Daten umzugehen. Data Literacy in einem breiteren Sinne könnte bedeuten:

„- Ask the right questions
– Understand which data is relevant and how to test the validity of the data they have
– Interpret the data well, so the results are useful and meaningful
– Test hypotheses using A/B tests to see what results pan out
– Create easy-to-understand visualizations so leaders understand the results
– Tell a story to help decision-makers see the big picture and act on the results of analysis“

Ein Anfang, so die Autoren, könnte der kompetente Umgang mit Excel (!) sein (hier geht’s zur Infografik „100 Excel Tips“).
Josh Bersin und Marc Zao-Sanders, Harvard Business Review, 12. Februar 2020

Bildquelle: Carlos Muza (Unsplash)

12Feb/20

Recap – Learntec 2020 – VR/AR-Area

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Zum zweiten Mal gab es dieses Jahr auf der LEARNTEC in Halle 2 wieder eine VR/ AR-Area, auf der sich Lösungsanbieter, Anwenderunternehmen, Hochschulen und interessierte Besucher eingefunden haben. Torsten Fell hat die Area nicht nur organisiert und moderiert, sondern auch ein (etwas atemloses) Protokoll geschrieben. Roundtables, Vorträge, Live-Demos, Guided Tours, einen Award, es ging Schlag auf Schlag. Wer Stichworte oder Namen sucht oder sich einfach nur ein Bild machen möchte, ist hier richtig.
Torsten Fell, Immersive Learning News, 2. Februar 2020

Bildquelle: Torsten Fell

11Feb/20

Personaler als Netzwerker – Realität oder Illusion?

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Peter M. Wald, Professor für Personalmanagement an der HTWK Leipzig, Blogger und eifriger Twitter-Nutzer, beklagt die fehlende Begeisterung der Personaler für das Netzwerken und die sozialen Netzwerke. Dabei liegt der Nutzen für ihn auf der Hand: sowohl für ihre Arbeit und Akzeptanz im Unternehmen wie auch für ihre eigenen Lern- und Wissensprozesse.

„Das Agieren in Netzwerken aber auch der Aufbau und die Pflege von Netzwerken und Communities wird zunehmend zum Erfolgsfaktor einer modernen Personalarbeit. Soziale Netzwerke, Blogging und HR sehe ich künftig als untrennbaren Zusammenhang!“
Peter M. Wald, Leipziger HRM-Blog, 10. Februar 2020

11Feb/20

KI@Ed noch nicht in der Fläche angekommen

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Das mmb Institut hat die Ergebnisse ihrer jährlichen Befragung, das „mmb Learning Delphi“, veröffentlicht. Schon zum vierzehnten Mal wurden ExpertInnen gebeten, die Trends und Themen einzuschätzen, die in Zukunft das digitale Lernen bestimmen werden. 61 ExpertInnen haben sich im Winter 2019/ 2020 an der Befragung beteiligt.

Nun gibt das mmb Institut ja schon mit dem Titel ihres Trendmonitors eine Richtung vor. Das ist in diesem Jahr, auch 2019 klang es schon an, „Künstliche Intelligenz“. Allerdings fehlt hier, von Learning Analytics bis Adaptive Learning, nach wir vor das konkrete Anschauungsmaterial, was mich kurz überlegen lässt, ob das Delphi hier nach einem Trend fragt oder einen Trend setzen möchte. Aber weiter im Text …

Mein Lieblings-Schaubild listet die Lernformen auf, die in den kommenden Jahren nach Ansicht der ExpertInnen in Unternehmen an Bedeutung gewinnen werden. Hier stehen „Videos/ Erklärfilme“ ganz oben (94 Prozent), gefolgt von „Micro Learning/ Learning Nuggets“ (92 Prozent) und „Blended Learning“ (90 Prozent). In der Lesehilfe des mmb Instituts erfährt man, dass sich Web-based Trainings etwas gefangen haben, dass Augmented Reality ein Gewinner der letzten Saison ist, Lernformen des kollaborativen Lernens Rückgänge verzeichnen und Serious Games auf dem letzten Platz stehen. Tendenz fallend.

Weitere Ergebnisse betreffen die Einschätzung allgemeiner Trends im Corporate Learning. Interessant:
„Slack, Teams und Co. werden noch wichtiger: 71 Prozent der befragten Expertinnen und Experten sind der Ansicht, dass diese Kommunikationstools die Austausch- und Lernkultur in Unternehmen bestimmen werden (Vorjahr 62%). Arbeiten und Lernen werden so stärker miteinander verknüpft.“

Auch nach der Bedeutung „nationaler Veranstaltungen für die E-Learning-Branche“ wurde gefragt. Hier führt die LEARNTEC natürlich unverändert die Liste an. Aber die Corporate Learning Camps konnten ihren zweiten Platz noch einmal verbessern – von 49 auf 59 Prozent! Es folgen Zukunft Personal und didacta.

Es gibt viele weitere Auswertungen, auf die ich hier nicht näher eingehe. Sie betreffen zum Beispiel den kommerziellen Erfolg von Anwendungen, die Themen und Inhalte des digitalen Lernens, Zielgruppen, Prüfungsformen und noch mehrmals Künstliche Intelligenz. Genug Stoff zum Diskutieren …
mmb Institut, mmb-Trendmonitor 2019/ 2020, Februar 2020

10Feb/20

The effect of using Kahoot! for learning – A literature review

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Wer es nicht kennt: „Kahoot! is a game-based learning platform used to review students‘ knowledge, for formative assessment or as a break from traditional classroom activities.“ Kahoot gibt es seit 2013. Heute wird es von 70 Millionen Menschen im Monat genutzt. Eine Zeit gelang gehörte ich dazu, habe damit gerne längere Workshop- oder Seminar-Sessions aufgelockert, bevor ich zuletzt vor den immer energischeren Upgrade-Aufrufen kapituliert habe.

Im Rahmen einer Literaturanalyse haben nun die AutorInnen 93 Studien untersucht, die sich mit dem Nutzen von Kahoot beschäftigt haben. Es ist eine sehr lange und detaillierte Analyse. Deshalb zitiere ich hier die beiden wichtigsten Absätze aus den zusammenfassenden Highlights:

„- Main conclusion is that Kahoot! has a positive effect on learning performance, classroom dynamics, attuites, and anxiety.
– Main challenges include technical problems, see questions and answers, time stress, afraid of losing, and hard to catch up.“

Empfehlen kann ich den Artikel auch, weil die AutorInnen in ihrer Einführung Kahoot kurz in die Geschichte der Student Response – Systeme einbetten und auch verschiedene Alternativen auf dem (englischsprachigen) Markt nennen.
Alf Inge Wang und Rabail Tahir, Computers & Education, Vol 149, Mai 2020 (via ScienceDirect)

Bildquelle: www.create.kahoot.it

10Feb/20

LEARNTEC 2020 | Das sind die Trends in der E-Learning-Branche

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Eine kurze Review der vergangenen LEARNTEC, erschienen in der Reihe „Learning Insights“. Peter Littig fragt Thea Payome, Herausgeberin von „CHECK.point eLearning“, nach ihren Eindrücken. Ihre Stichworte: KI ist präsent, aber es fehlen noch „tragfähige Anwendungen“; VR/ AR sind da schon weiter und greifbarer; und sie beobachtet ein „reges Treiben“ von Start-ups.
Peter Littig im Gespräch mit Thea Payome, Learning Insights, 7. Februar 2020   

07Feb/20

PE im Zeitalter von «Smart Machines»: Integrationskompetenzen & Augmentationsstrategien

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Es geht um Digitalisierung und Automatisierung, um Künstliche Intelligenz und Intelligente Systeme und die Frage: Wie gehen wir in der Arbeitswelt damit um? „Integrationskompetenzen“ meint Kompetenzen, die das produktive Zusammenspiel mit Smart Machines fördern. „Augmentationsstrategien“ versuchen, verschiedene Optionen für Mitarbeitende aufzuzeigen, sich in diesem Zusammenspiel zu positionieren.

Aber ich merke schon bei diesem Versuch einer Zusammenfassung: Die Systematisierung, die Christoph Meier aufzeigt, ist zuerst einmal sehr analytisch. Seine abschließenden Empfehlungen für L&D und Personalentwicklung versuchen zwar, Analyse und Praxis zusammenzubringen. Vielleicht als Strategie-Workshop für L&D-Führungskräfte oder -Experten …
Christoph Meier, scil-Blog, 7. Februar 2020

06Feb/20

Wenn Wissen zur Sucht wird: Der Hype um Blinkist

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Da mir in meinem Archiv noch eine Referenz auf Blinkist fehlt, verlinke ich einmal diesen Artikel aus dem hauseigenen Magazin. Blinkist (ich bin kein Nutzer …) gibt es seit 2012. Das Unternehmen fasst die Inhalte von Sachbüchern zusammen. 3.000 Titel gibt es heute im Portfolio. Auf dem Smartphone kann man die Zusammenfassungen dann lesen oder hören. Folgt man dem Artikel, steht die App sogar am Anfang des Trends „Microlearning“:  

„Obwohl Blinkist von Beginn an ein Berliner Unternehmen ist, haben sich die Gründer zunächst 3 Jahre lang auf den US-amerikanischen Markt konzentriert. Dort wurde das neue Konzept der Wissensaneignung besonders gut angenommen, sodass sich aus Blinkist sogar der Trend Microlearning entwickelte. Das ständige Lernen von Neuem in kleinen Schritten ist dem schnelllebigen Rhythmus unserer Zeit so gut angepasst, dass es nicht lange dauerte, bis der Trend und Blinkist auch hierzulande Fuß fassten.“

Nun kann man die Zusammenfassungen von Blinkist wahrscheinlich aus (mindestens) zwei Perspektiven betrachten: erstens in ihrem Verhältnis zum Ursprung, also zum Buch („Die App Blinkist bringt die Kernaussagen tausender Sachbücherauf das Smartphone. In nur 15 Minuten kann man sich so das Wissen eines dicken Sachbuchs aneignen.“); und zweitens als eigenständiges, zeitgemäßes Informationsangebot. Und vielleicht noch als Einstieg in eine Diskussion über Microlearning …
Lisa Baier, Blinkist Magazin, 8. Januar 2020 

Bildquelle: Daria Nepriakhina (Unsplash)