Category Archives: Jochen Robes

17Dez/21

Ich kann nicht mehr!

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ich nehme diesen interessanten Erfahrungsbericht von Nele Hirsch gerne mit in die Weihnachtstage! Er ist weniger ein Eingeständnis der eigenen Erschöpfung als ein lautes Nachdenken darüber, wie wir nach fast zwei Jahren Pandemie mit solchen Momenten umgehen. Nele Hirsch schildert ihre Gedanken aus der Perspektive „einer freiberuflich arbeitenden Pädagogin, die nicht institutionell eingebunden ist“. Aber ihre Stichpunkte – von „Offen kommunizieren“ bis „Krise als kollektiver Lernprozess“ passen sicher für viele, die im Bildungs- oder Weiterbildungsbereich arbeiten. Zum letzten Punkt merkt sie an:

„Was mir ein bisschen fehlt, ist Kommunikation darüber, wie man vom einen zum anderen kommt, d.h. Erfahrungsberichte, was man tun kann, gegen lähmende Erschöpfung und Ausgebranntsein. Besonders großartig fände ich es, wenn wir alle die derzeitigen Schwierigkeiten nicht nur als Anstoß zu mehr individueller Achtsamkeit verstehen, sondern vielmehr als kollektive Lernherausforderung, die dringenden Änderungsbedarf sichtbar macht. Die grundlegende Frage wäre dann nicht: ‘Wie kann ich besser funktionieren?’, sondern: ‘Was ist das für ein Bildungssystem, in dem wir alle immer funktionieren müssen – und wie könnte es anders sein?’“
Nele Hirsch, eBildungslabor, 16. Dezember 2021

Bildquelle: Matthäus-Heinrich (Wunderstock, CC0)

16Dez/21

Predictions for 2022: Everything Is About To Change

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ich bin kein großer Fan von „predictions“, aber Josh Bersins Ausblicke sind Pflichtlektüre. Zwar schaut er immer auf HR als Ganzes, aber seine Schwerpunktthemen bilden schon seit Jahren „Learning & Development“ und „HR Technologies“. Natürlich könnte man auch argumentieren, dass das die Schwerpunkte in HR sind und Josh Bersin sie nur abbildet. Wie auch immer. Es gibt diesen Beitrag als Teaser, der „four big trends“ hochhält, und einen Report (23 Seiten), der, etwas ausführlicher, mit vielen Beispielen und einigen Schaubildern, 15 Themen setzt.

Hier die vier „großen“ Trends:
„First, It’s clear to me that we’re going to be in a very tight labor market. …
Second, we are about to witness the unleashing of the most incredible technology I’ve ever seen. …
The third big change is a new conversation about culture. …
The fourth thing that I want to highlight is the changed role of HR. …“

Nichts davon ist neu oder überraschend, abgesehen vielleicht von der Dringlichkeit, mit der Josh Bersin einleitend auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes hinweist: vom Arbeitskräftemangel über die Pandemie bis zur digitalen Transformation. Weitere Stichworte des Reports sind „hybrid work“, „the emergence of the metaverse“, „KI“, „sustainability“ (!), „employee experience“, „people analytics“  und immer wieder „skills“: von „PowerSkills“ (Empathie, Vergebung, Demut) bis zur „skill taxonomy“.

Natürlich hat sich Josh Bersin auch wieder an einem interessanten Schaubild versucht, das die zukünftige „learning infrastructure“ aus seiner Sicht abbildet, ein Lern-Ökosystem aus technischer Perspektive:

Quelle: The Josh Bersin Company, 2021

Josh Bersin, Blog, 15. Dezember 2021

15Dez/21

Learning Experience Design – zur Gestaltung von technologiegestützten Lernerfahrungen mit Methoden der Design-Entwicklung

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Über Learning Experience Platforms wird viel geschrieben, über Learning Experience Design weniger. Der Beitrag versucht, diese Lücke zu schließen, in dem er die neue Fachdisziplin vorstellt und darlegt, „warum sie für erfolgreiche digital gestützte Lehr- und Lernumgebungen und/ oder Lehr- und Lernkonzepte zwingend erforderlich ist“ (S. 25)

Natürlich gibt es auch eine Definition: „Als Learning Experience Design, kurz LXD, wird die Gestaltung von Lernerfahrungen, bei denen (auch) Technologien eingesetzt werden, mit Hilfe von Design-Wissen und -Methoden verstanden.“ (S. 2) Vorgestellt werden verschiedene disziplinäre Bezüge und Zugangswege, elementare Grundlagen des Designs, der Learning-Experience-Design-Prozess sowie ausgewählte Methoden und Werkzeuge (u.a. Persona-Methode, Prototyping, Usability-Tests). Zwei Praxisbeispiele des Bereichs Lehr- und Lerntechnologien an der TU Graz (die Sammelmappe TELucation sowie die interessante Umsetzung eines „Studierenden-Dashboards“!) runden die Übersicht ab. „LXD auf dem Weg zur Professionalisierung“ heißt es abschließend.


Jacqueline Kircher, Eva-Maria Burger, Martin Ebner und Sandra Schön, in: Karl Wilbers & Andreas Hohenstein (Hrsg.): Handbuch E-Learning. Köln: Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland). 93. Erg.-Lfg., Oktober 2021 (via Academia)

14Dez/21

KOMPETENZ FÜR MORGEN – WORAUF ES JETZT ANKOMMT!

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ich bin gerade über die kurzen Thesen gestolpert, die Anja C. Wagner im November auf einem Online-Event, den KLETT Professional FUTURE SKILLS, hochhalten durfte, und verlinke sie an dieser Stelle – auch weil es sich lohnt, auf den Seiten von FROLLEINFLOW einmal links und rechts zu stöbern. Die Thesen selbst sind kurze Appelle, passend zum Jahreswechsel, mit Stichworten wie: „mehr Offenheit für Digitales“, „mehr Flexibilität und Offenheit für zeitgemäße Lernformen“, „eine begleitende Rahmung“. Sie schließen mit dem Satz: „Wir brauchen jetzt jede Initiative von Einzelnen, um die kollektive Intelligenz unserer Gesellschaft zur Lösung unserer Probleme zu schärfen und immer weiterzuqualifizieren.“
Anja C. Wagner, FROLLEINFLOW, 2. Dezember 2021

Bildquelle: Fab Lentz (Unsplash)

13Dez/21

KI in der Hochschule

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Auf dem University:Future Festival (2. – 4.11.2021) war ein Track ganz dem Thema „Künstliche Intelligenz“ gewidmet und wurde in Zusammenarbeit mit dem KI-Campus organisiert. Ich habe mir auf YouTube die Keynote von Ada Pellert, Rektorin der FernUni Hagen, angehört. Eingangs erinnert sie noch einmal an das Whitepaper „Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung“, das vor einem Jahr erschienen ist, und an die dort formulierten „10 guten Gründe für Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung“. Die Chancen von KI liegen aus ihrer Sicht auf drei Feldern:

– Personalisiertes Lernen und adaptive Lernumgebungen
– Empfehlung, Beratung, Mentoring
– Learning Analytics

Weitere Stichworte zu diesen Chancen finden sich im Vortrag. Insgesamt fällt wieder einmal auf, dass auch heute noch fast alle Chancen mit einem „kann“ formuliert sind. Sie werden in kleinen, ausgewählten Projekten getestet und sind hierzulande noch weit von einem flächendeckenden Einsatz entfernt. Offensichtlich auch an der FernUni Hagen. 
Schließlich: Wer am Thema KI interessiert ist, kann auf YouTube mit dem Hashtag #kicampus nicht nur auf die Beiträge vom University:Future Festival, sondern auch auf weitere Videos zugreifen.
Ada Pellert, U:FF 2021, 30. November 2021 (via YouTube)

Nachtrag (19.12.2021): Joachim Metzner, Martin Rademacher, Uwe Reckzeh-Stein: KI, Big Data und Algorithmen. Hochschulforum Digitalisierung, Diskussionspapier Nr. 14, Oktober 2021

10Dez/21

CLP121: lernOS on Air meets Corporate Learning Podcast 03

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Noch einmal die Corporate Learning Community: In dieser Podcast-Episode geben Karlheinz Pape und Simon Dückert einen Überblick über laufende und kommende Projekte: vom CLC-Jahresprojekt „#MeinZiel22“ bis zu den BarCamps im Frühjahr. Die zentralen Stichworte lauten „Kompetenzentwicklung“ und „selbstgesteuertes Lernen“. Und das sind, nicht zufällig, auch die Themenfelder, auf denen die lernOS-Community mit der Entwicklung von Leitfäden und dem Angebot an Learning Circles aktiv ist. Viele Informationen, Links und Möglichkeiten, sich zu beteiligen …
Karlheinz Pape, Gespräch mit Simon Dückert, Corporate Learning Community/ Podcast, 10. Dezember 2021

10Dez/21

sensemaking’s secret weapon

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Wie bewegen wir uns erfolgreich zwischen Projektteams, Communities of Practice und offenen Netzwerken? Harold Jarche erinnert uns an die Unterschiede zwischen beiden Erfahrungsräumen („Networks help us see opportunities and new ideas. Communities give us a place to discuss and learn about these. We need to engage in both.“) und daran, wie wir diese Unterschiede für uns nutzen („A core part of our ongoing sensemaking is translating between groups. This becomes our secret weapon — the ability to perceive situations from a variety of perspectives.“).
Harold Jarche, Blog, 2. Dezember 2021

Bildquelle: Harold Jarche

08Dez/21

Good things happen slowly, bad things happen fast

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Doug Belshaw ist seit Jahren aktiv an der Entwicklung von Open Badges beteiligt. In diesem Rückblick („Reflecting on a decade of the Open Badges ecosystem“) nutzt er Gartners Hype Cycle, um zehn Jahre Badge-Entwicklung einzuordnen. Seine Stationen: Technology Trigger (2011–13), Peak of inflated expectations (2014), Trough of disillusionment (2015–16), Slope of enlightenment (2017–19) und Plateau of productivity (2020+). Für den deutschsprachigen Raum wäre ich jetzt mit dem Ausruf „mainstream“ noch vorsichtig. Aber das wachsende Interesse an Badges ist auch hierzulande nicht zu übersehen.

Wie auch immer: Doug Belshaw verlinkt im Artikel noch eine Reihe aktueller Projekte und Initiativen. Stichworte sind Open Badges 3.0, Comprehensive Learner Record (CLR) und eine Liste mit „badge issuing platforms“.

„One of the reasons I got involved in Open Badges a decade ago was because I wanted a world where young people, including my own children, could choose whether to go to university. With development such as CAYG and providers such as Multiverse enabling professional apprenticeships, I feel that we’re getting there.

But more than that, I feel like Open Badges and the work around it is enabling a world where a much wider and more diverse set of skills are valued. And that’s got to be something worth celebrating!“
Doug Belshaw, We Are Open Co-op/ Blog, 30. November 2021

07Dez/21

Putting the Meh in MOOCs

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Wie steht es eigentlich um die MOOC-Entwicklung? Martin Weller (Open University) hat drei Forschungspapiere gelesen und zusammengefasst (seine Reviews sind Teile eines Global OER/ Graduate Network-Dokuments). Die Lektüre hat ihn etwas ratlos gemacht. Was ist von den großen Versprechungen übriggeblieben? Oder ist es die Forschung, die über kleinteilige Studien nicht hinauskommt?

„We have online courses that don’t revolutionise employment, don’t democratise education and whose pedagogy is flawed. Of course, you could find examples to counter these, they weren’t selected to represent all MOOC findings. But they do feel typical of the sort of results we get now. And that should be a lesson for the next ed tech revolution – when it all washes out you’ll have some quite interesting findings, but hardly any of the initial claims will still be left standing. Vive la revolution.“
Martin Weller, The Ed Techie, 6. Dezember 2021

06Dez/21

„New Normal“ – ein gemeinsamer Weg!

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Der Untertitel hat mich neugierig gemacht: „Erkenntnisse und Einsichten nach der Corona Krise aus Sicht des Knowledge Management der Otto Group“. Juliane Dieckmann, Head of Otto Group Digital & Consulting Knowledge Management, schildert hier, wie der Konzern bzw. ihr Bereich sich in den letzten Monaten den neuen Rahmenbedingungen gestellt haben. Meine Zusammenfassung ihrer Erfahrungen: Man hat viele neue digitale Instrumente ausprobiert und sowohl ihre Vorteile (Schnelligkeit, Reichweite) wie auch die Herausforderungen (zunehmende Passivität, Unverbindlichkeit, fehlende Diskurse) kennengelernt. Deshalb wird man weder zum „old normal“ zurückkehren noch alle traditionellen Präsenz-Formate einfach über Bord werfen. Schließlich:

„Welche konkreten Ausprägungen und Standards das „New Normal“ in der post-Corona Arbeitswelt letztendlich mit sich bringen wird, und welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen, wird sich daher in den nächsten Monaten zeigen.“

Der Beitrag findet sich übrigens im Dossier „Wissensmanagement – NEW NORMAL“ der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), das zum KnowledgeCamp 2021 (#gkc21) herausgegeben wurde und offen im Netz zugänglich ist.
Juliane Dieckmann, Dossier „Wissensmanagement – NEW NORMAL“, Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), November 2021