Category Archives: Jochen Robes

01Sep/17

Mein Wochenausklang: Lernen wie man lernt

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Der erfolgreichste Online-Kurs heißt „Learning How to Learn“. Erfolgreich, weil sich bis heute 1,8 Millionen Studierende für ihn eingeschrieben haben. So viele, wie für keinen anderen Kurs. Also im wahrsten Sinne des Wortes ein Massive Open Online Course. Er wurde von der University of California in San Diego entwickelt, und wird von Barbara Oakley, Oakland University in Rochester, Michigan, und Terrence Sejnowski, Salk Institute for Biological Studies, San Diego, durchgeführt. Und anmelden kann man sich für ihn auf der MOOC-Plattform von Coursera (eine neue Runde des vierwöchigen Kurses startet übrigens am 4. September!).

Nun ist ja allgemein bekannt, dass wir Lernen eigentlich nicht lernen müssen. Wir können gar nicht anders als zu lernen. Nicht zu lernen, geht so wenig, wie nicht zu kommunizieren. Auf was zielen dann Kurse wie „Learning How to Learn“ ab? Auf der einen Seite arbeiten sie gegen die Vorstellung vieler Menschen, dass sie eigentlich mit dem Lernen abgeschlossen haben, wenn sie Schule, Hochschule und einige Trainings am Arbeitsplatz hinter sich gebracht haben. Jetzt erzählt alle Welt vom lebenslangen Lernen. Von daher muss man sie daran erinnern, dass sie ja Lernen können. Auf der anderen Seite geht es um Lernwiderstände und Lerntechniken, also die Optimierung der eigenen Lernaktivitäten. In einem Artikel der NYT über „Learning How To Learn“ hieß es kürzlich: „The course provides practical advice on tackling daunting subjects and on beating procrastination, and the lessons engagingly blend neuroscience and common sense.“

Mich würde ja interessieren, ob und, wenn ja, wie Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen heute dieses Thema adressieren, wenn sie ihre Mitarbeiter zum selbstorganisierten und kontinuierlichen Lernen ermuntern? Empfehlen sie schon den Kurs auf Coursera?

Bildquelle: Joseph Rosales (Unsplash)

01Sep/17

Offen, vernetzt, innovativ: Von Industrie 4.0 zu Bildung 4.0

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Auf den Titel hatte ich mich bereits letztes Jahr mit dem Veranstalter der Fachtagung Wissensmanagement, der Region Hannover, verständigt, wie immer in der Hoffnung, dass er die Monate bis zum Termin auch trägt. Im Vortrag habe ich dann versucht drei Dinge unter einen Hut zu bringen: einmal eine vorsichtige Ableitung von Bildung 4.0 aus Industrie 4.0 und Arbeiten 4.0; dann einen kurzen Überblick zur Digitalisierung & Bildung mit der Botschaft, dass wir heute „digitale Bildung“ nicht mehr erfinden oder einführen müssen, weil sie längst da ist; und abschließend eine kurze Erwähnung der einzelnen Gestaltungsfelder, wenn man sich systematischer mit dem Bildungsportfolio der eigenen Organisation auseinandersetzen will.

Unmittelbar im Anschluss überraschte uns Tanja Föhr (tanjafoehr.com) gleich mit tollen Sketchnotes zum Vortrag. Es war überhaupt eine sehr kurzweilige Veranstaltung in Hannover. Es gab drei Workshops von Tanja Föhr, Christian Keller (ck2 Wissensmanagement) und Maik H. Wagner (MW Wissenskommunikation) und über 100 interessierte Teilnehmer, einige aus der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), die immer wieder mit weiteren Ideen das Themenspektrum erweiterten.

Was nicht unerwähnt bleiben darf: Mein Zug von Frankfurt nach Hannover kam 20 Minuten zu früh (!) in Hannover an. Die Szenen, die sich nach Ankündigung der frohen Botschaft im Abteil abspielten, sind nicht in Worte zu fassen.
Jochen Robes, SlideShare, 1. September 2017

01Sep/17

Hochschulen brauchen Strategien für das digitale Zeitalter

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

„Digitalisierung verändert unsere Hochschulen. Diese Veränderung muss gestaltet werden“, heißt es einleitend. Und zwar auf strategischer Ebene. Dabei sehen die Autor*innen zwei Strategien, die sie vorstellen und mit verschiedenen Beispielen unterlegen: a) eine Modernisierungsstrategie, „beispielsweise um existierende Herausforderungen wie die einer zunehmend heterogenen Studierendenschaftzu bewältigen“; b) eine Profilierungsstrategie, wenn Hochschulen die Möglichkeiten der Digitalisierung „mit einer spezifischen institutionellen Identität verknüpfen“. Modernisierung ist die Pflicht, Profilierung die Kür, heißt es. Und: Digitalisierung ist nicht das Problem, sondern das Werkzeug, um mit neuen gesellschaftlichen Herausforderungen umzugehen.

Der Artikel beschreibt wesentliche Themen, die auch im Mittelpunkt der Arbeit des Hochschulforums Digitalisierung stehen. Ich hätte es begrüsst, wenn die Autoren auch die zwei unterschiedlichen, zum Teil widerstreitenden Ziele der Modernisierung, nämlich Effizienz und Innovation, etwas herausgearbeitet hätten. Aber das findet sich vielleicht an anderer Stelle des Sammelbandes.
Jörg Dräger, Julius-David Friedrich, Lisa Mordhorst, Ulrich Müller und Ronny Röwert, in: Rat für Forschung und Technologieentwicklung (austrian council) (Hrsg.): Zukunft und Aufgaben der Hochschulen. Digitalisierung – Internationalisierung – Differenzierung, Wien 2017, S. 263-278

31Aug/17

4 charts on how people around the world see education

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Eine interessante kleine Frage des amerikanischen Pew Research Center: „… which is more important to emphasize in school: creative thinking or basic academic skills and discipline“? Auf Kreativität und unabhängiges Denken setzen mehr Menschen in den entwickelten Staaten und dort mehr Linke als Rechte, wobei die Unterschiede in den USA und Großbritannien am größten, in Deutschland und Spanien am kleinsten sind. Und schließlich: „Younger people in most advanced economies are the most supportive of education that emphasizes creative and independent thinking.“ Fürs Protokoll.
Laura Silver, Pew Research Center, 28. August 2017

Bildquelle: Ricardo Viana (Unsplash)

30Aug/17

Learning By Virtual Reality: It’s Here And It Works

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Josh Bersin hat eine VR-Company besucht und ruft Corporate Training zur nächsten „killer app“ aus. Er hat sehen dürfen, dass Unternehmen wie Walmart und KFC bereits heftig in Hardware und Software investieren. Und nicht zu vergessen Google Glass und Augmented Reality, die still und leise Corporate Training erobern. Sagt der technikbegeisterte Berater mit Blick auf den amerikanischen Markt.

„Applications for this technology are vast: safety training in hazardous conditions (you can go to an oil well or a construction site virtually), simulations of job interviews to identify bias and discrimination, and applications in retail, hospitality, and other customer-facing situations where employees need to see and feel the “real world” to really know what to do. (UPS uses VR to simulate and train drivers, for example.)“

Josh Bersin, LinkedIn/ Pulse, 23. August 2017

29Aug/17

George Siemens and David Wiley Join Forces for a MOOC About Open Education

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

George Siemens hat 2008 den ersten MOOC durchgeführt, zusammen mit Stephen Downes. Parallel experimentierte David Wiley mit verschiedenen Open Content-Projekten. Jetzt bieten beide gemeinsam einen sechs-wöchigen Kurs an, der “Introduction to Open Education” heißt und am 1. Oktober 2017 auf edX, einer der drei großen MOOC-Plattformen, startet. Man darf sicher gespannt sein zu sehen, wie die Pioniere ihre cMOOC-Ideen auf einer Lernplattform wie edX umsetzen. Immerhin haben sie sichergestellt, dass alle Inhalte unter einer offenen Lizenz zur Verfügung stehen. Und auch sonst wissen sie um den Spagat, den sie mit ihrem Thema und dem Format eingehen. Im Interview gehen sie auch auf die Entwicklung des Themas „Open Education“, ihre Ziele und Zielgruppen und ihre Erwartungen ein. Mein Lieblingssatz:

„We don’t need millions of dollars of research on why people don’t complete MOOCs. It’s because they’re MOOCs.“ (David Wiley)

Manuela Ekowo, Interview mit George Siemens und David Wiley, EdSurge, 23. August 2017

29Aug/17

An analysis of the future of Artificial Intelligence in Education

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die Bedeutung von Entwicklungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence/ AI) werden derzeit an vielen Stellen vermessen. Auch McKinsey hat jetzt eine Studie zum Thema vorgelegt und den Einfluss von KI für verschiedene gesellschaftliche Bereiche untersucht. Eine der fünf Case Studies der Studie betrifft Education. Auf der Seite des Observatory of Educational Innovation finden sich einige „Merksätze“ aus diesem Kapitel der Studie:

„- AI will play a key role in better connecting education systems and labor markets.
– AI may help detect promising candidates with less conventional credentials and free recruiters from using school reputation as a proxy to assess candidates’ potential.
– A huge risk is that AI could be used to optimize labor markets without regard to nuanced social preferences, make education decisions on citizens’ behalf, and sell valuable data on people’s skills to private companies or political parties. Protecting individuals’ data privacy is therefore critical.
– Alongside governments, educators themselves will be able to use personal, academic, and professional data to ensure that students benefit from the courses they choose.
– AI could improve adaptive learning and personalized teaching by identifying factors or indicators of successful learning for each student that were previously not possible to capture.
– AI could empower students by providing them with control over how fast they learn, awareness of how they learn best, and the lifelong feedback of one’s own cognitive and behavioral preference
– The role of teachers could be stripped of time-consuming administrative tasks, such as supervising and answering routine questions. Teachers would have more time to mentor and coach students.
– Advances in natural language could expand AI’s usefulness in automatically grading more creative work, such as essays and presentations.
– The use of AI in education raises legitimate concerns about how educational data, like other intimate personal data, are gathered and used.“

Observatory of Educational Innovation, 28. August 2017

28Aug/17

Warum gibt es in Deutschland kaum EdTech?

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ja, es geht Andreas Wittke, Chief Digital Officer beim Institut für Lerndienstleistungen an der FH Lübeck/ oncampus, auch um die EdTech-Szene hierzulande. Aber vor allem um die Technikignoranz der Erziehungswissenschaftler. Ihr Mantra lautet „Die Technik muss der Didaktik folgen“ offenbart. Auf diesem Boden, so der Autor, kann kein EdTech entstehen.

Aber dann zählt er doch einige zarte Anfänge und Hoffnungsträger auf. Eine Fachgruppe EdTech im Bundesverband Deutscher Startups. Natürlich Bertelsmann, auch wenn deren Herz eher für die amerikanische Szene schlägt. Und Bemühungen um den Bildungsinformatiker als neuen Ausbildungsschwerpunkt. Nachvollziehbar, unterhaltsam und lesenswert!

„Das Problem ist jedoch, dass die Gesellschaft zunehmend technologisiert wird, aber die Bildung weiterhin das Analoge als Leitmedium sieht. Hier spaltet sich Bildung und Alltag. Jeder von uns kennt inzwischen die Alltagsprobleme, wie WLAN-Router anschliessen, Apps installieren, Online-Banking, Netflix bedienen, Navi einstellen oder Bluetooth Boxen anschliessen. Das sind alles Themen, die uns täglich Zeit und Nerven kosten, aber nicht vermittelt werden. Dabei kann es gar nicht fachlich vermittelt werden, denn ob es Netflix, Amazon und Co noch in fünf Jahren gibt, weiss kein Mensch. Wir müssen alle lernen, wie man diese Probleme adhoc lösen kann. Wer keine IT Kentnisse hat, wird von den Digitalisten früher oder später entweder nicht ernst genommen oder schlimmer, er wird übern Tisch gezogen. Wir steuern hier auf eine Zweiklassengesellschaft hin und unsere Ausbilder, Lehrer und Profs sitzen fast ausnahmslos in der zweiten analogen Klasse.“

Andreas Wittke, Online by Nature, 28. August 2017

28Aug/17

Forschendes Lernen – Vorbereitung für die zukünftigen Herausforderungen im Arbeitsprozess

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Wenn Kompetenzen vor allem in der Praxis und im Handeln erworben werden, was bedeutet das für das Studium? Nimmt man die Frage ernst, so Werner Sauter, „rückt die didaktische Verknüpfung von Forschen, Lehren und Lernen in Form des forschenden bzw. forschungsnahen Lernens in den Fokus“. Denn im Prozess des forschendes Lernens durchlaufen Studierende alle Phasen einer Forschung, von der Formulierung der Fragestellung bis zur Präsentation, Diskussion und Reflexion ihrer Erkenntnisse. Die Konsequenzen selbstorganisierter Lernarrangements liegen auf der Hand:

„Die Studierenden
– bauen nachhaltig Kompetenzen zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt auf,
– entwickeln ihre Medienkompetenz, um digitale Systeme zum selbstorganisierten Aufbau von Wissen, Qualifikation und Kompetenzen zu nutzen,
– sichern nachhaltig Wissen und Qaulifikation über die Interirorisierung ihrer Erfahrungen,
– bauen ihr persönliches Netzwerk und ihre Netzwerk-Kompetenz weiter aus,
– erarbeiten kollaborativ unter professioneller Begleitung Problemlösungen in Forschungsprojekten.“

Werner Sauter, Blended Solutions Blog, 27. August 2017

25Aug/17

Mein Wochenausklang: Von der Tagesschau zum Morning Brief

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Vorneweg: Ich sehe, lese, höre gerne Nachrichten. Lange Zeit war das eine feste Routine, eine Kombination aus Tageszeitung, SPIEGEL Online und Tagesschau. Doch hinter meinem Rücken haben sich die Anteile unmerklich verschoben. Immer mehr Informationen über Aktuelles und Hintergründiges hole ich mir inzwischen aus dem Netz. Also habe ich mich Anfang des Jahres einmal hingesetzt, um diesen Prozess etwas aktiver zu steuern. Herauskam: Ein Verlierer in meinem Portfolio ist die abendliche Tagesschau. Sie kommt einfach zu spät und punktet nur noch bei Katastrophen. Aus der morgendlichen Tageszeitung wurde, nach einigen familiären Debatten („… und der Lokalteil?“), ein Digital-Abo einer Überregionalen. Hinzu kommt ein bunter Mix aus Newslettern und -diensten. Meine aktuellen Favoriten: SPIEGEL Online mit ihrem morgendlichen Briefing („Die Lage“, 6:00 Uhr), in dem sie in drei oder vier thematischen Blöcken halb zurück, halb nach vorn blicken; die Süddeutsche Zeitung mit „SZ Espresso am Morgen“ (7:45 Uhr), etwas kleinteiliger und zweimal täglich („… am Abend“); dann mein Favorit, das tägliche „Morning Briefing“ der New York Times mit der Europa-Ausgabe (7:20 Uhr), ein wunderbarer „ausgeschriebener“ Überblick, gegliedert in Rubriken und verlinkt mit den entsprechenden Online-Artikeln, aber die brauche ich für den schnellen Überblick eigentlich selten. Aus dem riesigen Angebot an (kostenlosen) Diensten der NYT gönne ich mir auch noch „What we are reading“ (mit Leseempfehlungen der Times-Redakteure), „Bits“ (über Nachrichten aus der IT) und den täglichen Podcast „The Daily“, in dem der wunderbare Michael Barbaro in Interviews über den amerikanischen Wahnsinn informiert.

Ich vermute ja, dass ich mit diesen Veränderungen nicht allein bin. Und wenn wir genau überlegen, werden wir solche Verschiebungen auch in anderen Lebensbereichen entdecken. Auch über Weiterbildung halten wir uns ja nicht mehr mit zwei Konferenzbesuchen, zwei Fachmagazinen und einem Sachbuch auf dem Laufenden. Online-Magazine, Newsletter, Blogs, RSS, Twitter bestimmen längst das Bild. Oder?

Bildquelle: Danielle MacInnes (Unsplash)