Category Archives: Jochen Robes

18Jul/22

Hochschullehre unter dem Einfluss des KI-gestützten Schreibens

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Das Thema KI & Kreativprozesse nimmt gerade etwas Fahrt auf. Von daher bilden das KI-gestützte Schreiben und die Hochschullehre hier nur eine kleine, aber sehr interessante Facette ab. Denn mit Blick auf die klassischen Prüfungsleistungen bzw. Leistungsnachweise an deutschen Hochschulen spielen Textdokumente immer noch eine zentrale Rolle. Ist es hier in Zukunft mit der eidesstattlichen Versicherung, selbstständig gearbeitet zu haben, noch getan? Andererseits wird der Einsatz von KI-gestützten Tools auf Seiten der Autor:innen an vielen Stellen kaum noch nachzuweisen sein.

Im Artikel werden verschiedene Herausforderungen skizziert. Das reicht von der Frage, wo ein Plagiat anfängt, bis zur Unterscheidung verschiedener Formen des KI-gestützten Schreibens. Dabei werden auch die Ergebnisse einer Umfrage unter Hochschullehrenden herangezogen. Vieles ist noch ein lautes Nachdenken über Entwicklungen, über Handlungsbedarf und neue Regeln. So ist ein Absatz zum Beispiel mit „Neue Formen der Autor:innenschaft und Kennzeichnungspflichten für KI-gestützte Textproduktion“ überschrieben.

Ich persönlich sehe die Entwicklung neugierig bis entspannt. Die Anforderungen an individuelle Prüfungsleistungen werden sich zwangsläufig anpassen müssen. Aufgaben werden kontextbezogener und transferorientierter gestellt werden müssen. Und Digital- bzw. Schreib-Kompetenzen müssen zukünftig auch den Umgang mit KI einschließen. Wie auch immer gilt: „Mit Blick auf die Dynamik des technologischen Fortschritts der KI-Technologien wird eine Beschäftigung mit der Thematik rund um das KI-gestützte Schreiben im Hochschulkontext immer dringlicher.“
Doris Weßels und Ole Gottschalk, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 14. Juli 2022    

 

15Jul/22

LX024 Informelles Lernen @ Scale: LEX – Lernen von Experten

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

In der 24. Folge des LernXplorer Podcast darf Shakil Awan die informelle Lernplattform der Deutschen Telekom, „LEX – Lernen von Experten“, vorstellen. Der Begriff „informelle Lernplattform“, das nur am Rande, stammt übrigens aus dem Beitrag und seiner Zusammenfassung, und ich habe etwas gezögert, ihn hier weiter zu transportieren. Eine „Plattform fürs informelle Lernen“ trifft das Angebot und die Aktivitäten vielleicht etwas besser.

Wie auch immer: Im Gespräch mit Gastgeber Matthias Wiencke fasst Shakil Awan das Angebot, seine Entstehung und seine Erfolgsgeschichte noch einmal zusammen. Über 5.000 Sessions, die von den Mitarbeitenden für Mitarbeitende angeboten wurden, waren es im letzten Jahr, über 3.000 sind es in diesem Jahr schon wieder. Hier die Stichpunkte, die Matthias Wiencke aus dem Gespräch mitgenommen hat:

„- Habe eine Idee, glaube an deine Idee und zieht es schnell durch. Einfach machen!
– Sessiongeber aus dem oberen Management und Prominente ziehen die Leute an und sorgen für eine größere Sichtbarkeit
– Bestehende Technologien nutzen – es braucht keine zusätzlichen Lösungen oder Tools
– Es braucht viel Fleiß, eine kleine Gruppe von gleichgesinnten oder zumindest einen Antreiber
– Jeder ist ein Experte – jeder kann was, jeder kann sein Wissen teilen
– So eine Graswurzelinitiative ist wie ein Garten. Es braucht kontinuierliche pflege
– Informelles Lernen sollte nicht mit anderen Formaten konkurrieren“
Matthias Wiencke, LernXP: LernExplorer Podcast und Blog, 1. Juli 2022

14Jul/22

VR-Einsatz in Trainings – lohnt sich das?

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die Autor:innen sind als VR-Expert:innen und – Trainer:innen sicher etwas vorbelastet, wenn es um den Einsatz von Virtual Reality in Learning & Development geht. Ihr stärkstes Argument für das Thema: die Tatsache, „dass die erweiterte und virtuelle Realität ohnehin zum festen Bestandteil der Welt unserer internen und externen Kund:innen wird – von der Automobilkonstruktion über die Anlagenwartung bis hin zum Operationssaal“ (S. 7)

Was die Einsatzmöglichkeiten von VR in Learning & Development betrifft, konzentrieren sich die Autor:innen in diesem Whitepaper ganz auf professionelle VR-Meeting- und Kollaborationsplattformen. Hier zählen sie Anbieter und Tools auf und diskutieren ihre Vor- und Nachteile. Ein paar konkrete L&D-Einsatzbeispiele aus der Berufspraxis hätten diesem Schwerpunkt allerdings gutgetan.

Weitere Kapitel sind den Vorteilen der Arbeit in VR sowie den Risiken und Nebenwirkungen der neuen Technologie gewidmet. Was jedoch bleibt, sind die Hürden, mit denen sich Anwender heute noch auseinandersetzen müssen: die Organisation (Anschaffung/ Ausleihe) der Hardware, der Betreuungsaufwand, die Einführung. Da war der Einstieg in Zoom, auf den mehrmals verwiesen wird, doch etwas einfacher.

Das Whitepaper (14 S.) gibt es im Tausch gegen Kontaktdaten.
Franz Korbinian Hütter, Sandra Mareike Lang und Petra Isabel Schlerit, IFBB – Institut für Betriebliche Bildung, Juli 2022

14Jul/22

AI Empowers Scalable Personalized Learning and Knowledge Sharing

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ist das wirklich die „Revolution“ im Lernen oder gar ein „Game-Changer“, wie Markus Bernhardt schreibt?

„Just like a personal tutor, the AI engine can test a learner’s existing knowledge with practice exercises and test questions, gaining an understanding of competence and confidence, and start to adapt the learning journey, in real-time, to the needs of the learner. The engine will also be able to continuously change the pace of the lesson in line with the learner, moving swiftly to more difficult exercises and complexities if the student is already performing well and confidently, or exploring concepts deeper which the student finds difficult. And just like a good teacher, the engine will guide the learner while employing proven techniques such as spaced out practice and revision, variation, and interleaving to improve retention.“

Das ist „adaptive, fully personalized learning“, wie der Autor schreibt. Doch ich als Lerner kann die AI nicht steuern, ich kann sie nicht trainieren, ich kann ihr keine neuen Ressourcen zuspielen.
Markus Bernhardt, Learning Solutions Magazine, 11. Juli 2022

Bildquelle: Hitesh Choudhary (Unsplash)

13Jul/22

Call for Model Examples of Zettelkasten Output Processes

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Luhmanns „Zettelkasten“ ist ja bereits an vielen Stellen beschrieben worden – als Denkwerkzeug und als Vorläufer eines modernen, computergestützten Datenbanksystems (siehe hier). Viele Artikel beschäftigen sich deshalb heute mit den netzgestützten Werkzeugen, die beim Aufbau eines eigenen, persönlichen Zettelkastens unterstützen können. Chris Aldrich geht im Workflow einen Schritt weiter und fragt nicht, wie und womit Menschen ihren Zettelkasten gestalten, sondern, wie sie ihn konkret nutzen, um damit zu arbeiten, zum Beispiel, um einen Artikel oder ein Buch zu schreiben.

Eine interessante Frage! Vielleicht setze ich mich in einer ruhigen Minute einmal hin und beschreibe meinen aktuellen Prozess. Mit dem Weiterbildungsblog habe ich ja meinen persönlichen Zettelkasten. Es ist wie gesagt ein Aufruf. 23 Kommentare sind bereits da.

„Perhaps too much of the resurgence of the zettelkasten idea and the online space about it is focused on what a zettelkasten is or how it should be done. After this, descriptions of the process of collecting material for one’s zettelkasten is followed by using it to generate new ideas and thought, though this last part is relatively sparce in comparison. Very little of the discussion or examples I’ve seen in online fora, social media, websites, and the blogosphere is focused on actively using them for creating actual long form output.“
Chris Aldrich, Musings of a Modern Day Cyberneticist, 12. Juli 2022

Bildquelle: Marcus Gossler (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

12Jul/22

The Broken Dream – LXP

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Man braucht einen längeren Atem, wenn man es bis zum Ende des Beitrags schaffen will. Die Botschaft, die ich mitgenommen habe: Das Konzept der LXPs oder Learning Experience Platforms funktioniert nicht. Aus verschiedenen Gründen, die Analyst und Berater Craig Weiss ausführlich darlegt:

– Niemand weiß bis heute, was eigentlich ein LXP genau ist.
– Die Funktionen, mit denen LXP-Anbieter werben, sind schon seit Jahren auf dem Markt. 
– Der Markt und die Käufer wurden falsch eingeschätzt und adressiert.
– Letztlich bestimmen die Anwender, wie sie ein System nutzen.
– Alle Lernsysteme sind heute irgendwie LXPs (siehe erster Punkt).

Schließlich: „And it is what I saw early on, that told me, that the LXP was flawed was the moment the LXP industry as a whole added “assigned learning”. It was at that exact moment (okay, shortly thereafter) that the “learner-centric” premise started to disappear at least privately, and in short order for some LXPs publicly – in their marketing.“
Craig Weiss, elearninfo247.com, 11. Juli 2022

Bildquelle: Casey Horner (Unsplash)

11Jul/22

Reviewing the ed tech angst

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Derzeit findet eine kleine, aber intensive Diskussion über EdTech statt. Einige Veteranen der ersten Stunde fragen, ob sich die ganze Mühe noch lohnt, wo die vielen schönen Ideen geblieben sind und ob man das Feld nicht lieber ganz dem „Markt“ oder den „Jungen“ überlassen sollte. Der Rückzug von Audrey Watters vor einigen Wochen hat sicher die Debatte mit entfacht.

Hier setzt auch Martin Weller mit seinem Einwurf an. Er zitiert vorangegangene Beiträge und hält unter anderem fest: „The ed tech industry is different to the ed tech community of practitioners.“ Eine kurze persönliche Anmerkung an dieser Stelle: Da ich vom ersten Tag an in der E-Learning-Industrie gearbeitet und gleichzeitig darüber geschrieben bzw. gebloggt habe, habe ich mich mit vielen Widersprüchen und unterschiedlichen Perspektiven mit der Zeit arrangiert.

Aber einen guten Punkt von Martin Weller muss ich hier noch festhalten: „I think there is a danger in his later post I linked to above of being a bit like grumpy old music fans who preferred a band before they sold out. I agree about the new generation of ed tech practitioners coming through – and I think those of us who’ve been around shouldn’t bemoan the state of current ed tech too much, when these people are shaping it to their own ends.“
Martin Weller, The Ed Techie, 6. Juli 2022

08Jul/22

lernOS Content Curation Leitfaden

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Wenn ich die Bilder und Zeichen richtig deute, dann wurde diese Woche im Rahmen der lernOS Convention 2022 auch ein weiterer Leitfaden veröffentlicht: „Ein Leitfaden, wie Ihr relevante Inhalte finden, sinnhaft aufbereiten und teilen könnt“, kurz: Content Curation. Wie alle bisher vorliegenden Leitfäden umfasst auch dieser Leitfaden ein Grundlagen-Kapitel, das in das Thema „Content Curation“ einführt. Die Autor:innen spannen hier einen Bogen von der Informationsflut im Netz, den digitalen Kompetenzen der Nutzer:innen bis zu den Routinen erfolgreicher Wissensarbeit. Dabei wird selbst fleißig kuratiert und verschiedene Podcasts wie Videos verlinkt.

„Content Curation hilft Dir, wertvolle Informationen über Themen mit Hilfe von Inhalten und Experten zusammenzustellen, ohne das Rad dabei neu erfinden zu müssen. Du lernst Methoden, Formen und Ansätze kennen, wie Du über den Tellerrand Deines Themas schauen und Dein entstehendes Wissen mit anderen teilen kannst.“

Der eigentliche Lernpfad umfasst wie immer 13 Wochen und führt die Learning Circles systematisch durch die Themen und Übungen – vom „Gegenseitiges Kennenlernen“ (Woche 0) bis „Inhalte auf den Prüfstand stellen“ (12. Woche). Der Leitfaden, auch das sei hier noch angemerkt, steht unter einer offenen Lizenz (CC BY 4.0) und kann bearbeitet und kommentiert werden.
Stefan Diepolder, Herta Schuster und Marcel Kirchner, lernOS, Juli 2022

Bildquelle: Katrin Mäntele, @kleinerw4hnsinn (CC BY)

07Jul/22

„…hätte man deutlicher darstellen können, was Fiktion und was Fakten sind“

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Das Instagram-Projekt von SWR und BR, „@ichbinsophiescholl“, ist im April 2022 zu Ende gegangen. Aus meiner Sicht war es eine spannende, innovative Idee, auch wenn Instagram nicht der Kanal meiner Wahl ist und ich so nur zu Beginn und tageweise der Story gefolgt bin. Die Aufarbeitung des Projekts läuft jedenfalls noch. Für die Macher sind über 900.000 Follower in Spitzenzeiten natürlich ein Erfolg. Eine Studie der RWTH Aachen, auf die in diesem Artikel verwiesen wird, hat dagegen festgestellt, dass die Zielgruppe wohl doch nicht erreicht worden ist. Aber viele haben sich vom ersten Tag an an der Frage abgearbeitet, ob man so mit Geschichte umgehen darf, ob man Fiktion und Fakten nicht noch deutlicher und klarer kennzeichnen müsste. Ein bisschen mehr Vertrauen in die Medienkompetenz der Nutzer:innen hätte ich da schon. Oder würde hier mit weiteren Angeboten ansetzen.
Johannes Korsche, Süddeutsche Zeitung, 5. Juli 2022
Matthias Dell, Deutschlandfunk, „Was ist auf Instagram echt?“ (Podcast), 6. Juli 2022

Bildquelle: Instagram

06Jul/22

Digitale Tools in Präsenzkurse integrieren

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die Redaktion von wb-web hat die Fülle von Tools, die in den letzten Jahren entstanden bzw. populär geworden sind, etwas sortiert und in einem Beitrag zusammengebracht. Es geht dabei um die vielen kleinen Werkzeuge, die man vor oder in Live-Veranstaltungen nutzt. Die Spannbreite reicht von der Angebotserstellung, über kollaboratives Projektmanagement bis zum gemeinsamen Arbeiten im Netz. Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Zusammenstellung auf die DSGVO-Konformität der Tools gelegt. Nützlich.

„Unter dem Motto „Bring your own device“ bieten Präsenzkurse das Potenzial einer digitalen Weiterentwicklung. Dem oder der Lehrenden obliegt es, für den eigenen Kurs ein auf die Teilnehmenden abgestimmtes Maß der eingesetzten digitalen Medien zu finden. Ziel des Einsatzes digitaler Medien in einem Präsenzangebot ist es, einen Mehrwert für die Teilnehmenden zu erzeugen.“
Susanne Witt, wb-web, 4. Juli 2022

Bildquelle: dbreen (pixabay)