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14Nov/16

„Spannend ist vor allem das Lösen von Problemen“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers stellt sich vor.

Dr. Christian Richter

Dr. Christian Richter

 

Christian Richter ist Diplomlehrer für Mathematik und Physik und promovierter Pädagoge. Er ist verantwortlich für die IT aller Portale des Informationszentrums Bildung im DIPF.

 

 

Seit wann arbeitest Du beim Deutschen Bildungsserver?

Seit Februar 1996. Ich erinnere mich noch gut: Ich war gerade dabei, die Koffer ins Auto zu laden, um mit der Familie in den Urlaub zu fahren, als mich Prof.  Peter Diepold, Leiter der Abteilung „Pädagogik und Informatik“ der Humboldt-Universität zu Berlin, anrief und mich fragte, ob ich an der Entwicklung des Deutschen Bildungsservers mitarbeiten möchte. Eine glückliche Fügung, denn eine halbe Stunde später wäre ich für zwei Wochen nicht erreichbar gewesen. Ein Mobiltelefon hatte ich damals noch nicht.

Nach dem Urlaub ging es dann intensiv an die technische und inhaltliche Umsetzung des von  Peter Diepold entwickelten Konzepts eines Metaservers für das deutsche Bildungswesen. Dieses Konzept war sehr innovativ und hat sich rückblickend als sehr tragfähig erwiesen. Der Deutsche Bildungsserver hat sich seitdem –  auch dank der starken Informations- und Dokumentationskompetenzen des Redaktionsteams  – inhaltlich und funktional enorm weiterentwickelt. Die grundlegenden Strukturen  wurden aber schon an der HU angelegt.

Anfang April 1996 stand dann die erste Version des Bildungsservers im Netz, damals noch unter der Adresse http://dbs.schule.de/. Am 18.4.1996, anlässlich des Starts der Initiative „Schulen ans Netz“ des BMBF und der Telekom ging der DBS dann offiziell online.

Du bist Leiter des IT-Teams vom Deutschen Bildungsserver. Wie groß ist das Team, und worin genau bestehen Eure Aufgaben?

Ich habe eine Kollegin und fünf Kollegen, wir sind also zu siebt. Gemeinsam  betreuen wir ein gutes Dutzend Portale, von denen der Bildungsserver das älteste und bedeutendste ist; dazu kommen noch eine Reihe von Blogs, Wikis und Clouddiensten. Die technische Basis dieser Angebote sind zwei Hochverfügbarkeitssysteme, die insgesamt aus knapp 20 Linux-Rechnern bestehen. Wir sind sehr stolz darauf, dass es nur sehr wenige Unterbrechungen unserer Dienste in all den Jahren gab und diese Unterbrechungen durchweg externe Ursachen hatten. Einmal gab es einen Stromausfall und einige wenige Male wurde unsere Internetverbindung unterbrochen.

Unsere Aufgaben sind recht vielfältig. Wie überall gibt es natürlich Routineaufgaben, nicht alles lässt sich automatisieren. Die kreativen und spannenden Aufgaben liegen in der Entwicklung technischer Konzepte und Problemlösungen oder in der Softwareentwicklung.

Systemadministration, Systemüberwachung und Programmieren erfordern viel Know how und hohe Konzentration. Und manchmal auch einen kühlen Kopf, wenn es zum Beispiel darum geht eine Störung schnell zu beheben oder einen Netzangriff abzuwehren. Wir sind ein sehr gutes Team, in dem sich jeder unbedingt auf den anderen verlassen kann. Das ist viel wert!

Was ist das Spannende und Interessante an Deiner Arbeit? Was interessiert Dich persönlich daran?

Spannend ist vor allem das Lösen von Problemen. Dieser Bogen von „Wie soll das denn gehen?“ bis zum „Ja! So geht’s!“, das motiviert schon sehr und beschert uns viele schöne Momente. Interessant ist dabei vor allem das sich ständig verändernde Umfeld, das immer wieder neue Möglichkeiten,  aber auch neue Aufgaben und neue Probleme hervorbringt.

Für mich persönlich war die Verbindung von Pädagogik und Informatik schon 1985 interessant. Als Lehrer hatte ich meinem ZX-Spectrum-Heimcomputer  im Unterricht eingesetzt,  z.B. für Simulationsexperimente. Heute beschäftige ich mich nicht mehr mit Fragen der Fachdidaktik, sondern damit, wie wir die immer weiter wachsenden Informationsmengen den Nutzern effektiv zugänglich machen können.

Im Gegensatz zu meinen Kollegen, die Informatik studiert haben, bin ich, was die IT betrifft, Autodidakt. Von ihnen habe ich im Laufe der Jahre sehr viel gelernt. Insbesondere am Anfang, an der HU, von Frerk Meyer, einem Informatiker, der damals Doktorand an der Abteilung „Pädagogik und Informatik“ war. Der von ihm aufgesetzte Webserver der Abteilung war der erste öffentlich zugängliche WWW-Server an der HU überhaupt.

Was hat sich in der Arbeit beim Deutschen Bildungsserver verändert seit Du dabei bist? Gibt es eine Art Entwicklungslinie?

Am Anfang war ich Webprogrammierer und Redakteur in Personalunion. Dann kamen in Berlin Kolleginnen dazu, die rein redaktionell arbeiteten, später auch in Frankfurt. Wir benötigten also bald ein CMS (wir sagen „Redaktionssystem“). Da es  nichts Passendes für uns gab, haben wir damals alles selbst entwickelt. Heute machen wir auch noch viel selbst, aber wir nutzen – wo möglich und sinnvoll –  auch öffentlich zugängliche externe Komponenten, Programmbibliotheken oder Softwarepakete, z.B. jQuery, Lucene, Mediawiki oder Drupal.

Was die Systemsoftware betrifft, haben wir von Anfang an auf Linux und den Apache-Webserver sowie sehr frühzeitig auf die Scriptsprache PHP und das Datenbankmanagementsystem MySQL gesetzt. Das war eine sehr gute Entscheidung, die uns eine Entwicklung ohne große Brüche ermöglicht hat. Sogenannte LAMP-Systeme sind nach wie vor „state of the art“ und werden  es noch lange bleiben. Hin und wieder sind die regelmäßig nötigen Aktualisierungen dieser Software für uns mit einigem Aufwand verbunden, insbesondere dann, wenn die neuen Versionen an einigen Stellen nicht abwärtskompatibel  sind. Aber das ist glücklicherweise nicht allzu oft der Fall.

Welche Rolle spielen Kooperationen in Eurem Bereich?

Auf eine intensive Kooperation mit den Landesbildungsservern haben wir von Anfang an großen Wert gelegt. Schon im November 1996 lud Prof. Peter Diepold die Administratoren der Landesbildungsserver zum ersten Workshop der Bildungsserver an die HU ein. Seitdem treffen sich der Deutsche Bildungsserver und die Landesbildungsserver regelmäßig. Im November werden wir  zum 37. Mal zusammenkommen. Diese „Bonsai-Tagungen“, benannt nach dem Hostnamen des ersten Webservers der Abteilung „Pädagogik und Informatik“ der HU, boten immer einen interessanten Erfahrungsaustausch und sind nach wie vor ein Ort, um gemeinsam gute Ideen zu entwickeln. Aus einigen dieser Ideen wurden gemeinsame Projekte, zum Beispiel ELIXIER, die gemeinsame Datenbank der Landesbildungsserver und des Deutschen Bildungsservers für Online-Lernressourcen.

Was wünschst Du dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Alles Gute natürlich! Aber wir müssen uns nichts wünschen – wir haben es selbst in der Hand, wie sich der Bildungsserver entwickeln wird. Die Frankfurter Kollegen und wir Berliner werden weiter daran arbeiten, dass der Bildungsserver ein nützliches und attraktives Instrument der Bildungsinformation bleibt. Das kommende Redesign wird die Zugänglichkeit unserer Angebote für Menschen mit Behinderung sowie für Benutzer von Tablets und Smartphones weiter verbessern. Das ist der nächste Meilenstein.

11Nov/16

„Ich freue mich über die rege Beteiligung der Nutzer an der Institutionendatenbank“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers stellt sich vor.

Yvonne Schmidt

Yvonne Schmidt

 

Yvonne Schmidt studierte in Marburg neuere deutschen Literatur und Medienwissenschaften. Beim Deutschen Bildungsserver ist sie  für Pflege und Ausbau der Institutionendatenbank verantwortlich.

 

 

Wann bist Du zum Team des Deutschen Bildungsservers gestoßen?

2006 habe ich ein Praktikum beim Deutschen Bildungsserver absolviert. Das hat mir so gut gefallen, dass ich 2007 dann mit einem Volontariat am Informationszentrum Bildung (IZB) des DIPF in Frankfurt begonnen habe. Nachdem ich zwei Jahre verschiedene Arbeitsbereiche kennenglernt habe, bin ich nun für den Deutschen Bildungsserver tätig. Weil das Internet sehr dynamisch ist und sich ständig etwas verändert , wird die Arbeit auch nie langweilig.

Wie bist Du zur Pflege der Institutionendatenbank gekommen? Und was zeichnet die Arbeit daran aus?

Seit 2009 ist mein Aufgabengebiet die Betreuung und Pflege der Institutionendatenbank des Deutschen Bildungsservers. Die Datenbank wächst stetig, mittlerweile umfasst sie fast 9.000 Datensätze verschiedenster Einrichtungen aus dem Bildungsbereich, dem sozialen und dem pädagogischen Bereich. In der Datenbank findet man unter anderem Hochschuleinrichtungen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Behörden, nicht-staatliche-Bildungsanbieter, Verbände, Vereine, Stiftungen und vieles mehr. Sie aktuell zu halten ist eine Herausforderung, da sich bei den Einrichtungen ständig etwas verändert: Sie schließen, ändern ihren Namen, fusionieren, spalten sich auf, verändern ihr Themengebiet/Arbeitsbereich oder ziehen um – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Haben sich deine Aufgaben – oder die Aufgabe des Deutschen Bildungsservers – in den letzten Jahren verändert?

In meinem Bereich sieht man sehr schön, wie die Globalisierung fortschreitet:  Die Websites der Einrichtungen werden immer internationaler und englisch- bzw. mehrsprachige Websites werden neben rein deutschsprachigen immer populärer. Zudem gibt es eine stetige Vernetzung verschiedener Einrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene. Wenn man, wie wir beim Deutschen Bildungsserver, den Anspruch hat ständig aktuell zu sein, fordern einem diese Veränderungen gehörige Aufmerksamkeit ab.

Melden die Nutzer/-innen manchmal etwas zurück?

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Nutzerinnen und Nutzern für ihr Engagement bedanken, denn gerade die Institutionendatenbank ist auf ihre Mitarbeit angewiesen. Sie haben ja die Möglichkeit selbst Einrichtungen in die Datenbank einzutragen und schon bestehende Datensätze selbst zu aktualisieren. Bei der Menge an Datensätzen, die aktuell gehalten werden will, ist diese Partizipation der Nutzerinnen und Nutzer einfach ideal, und ich freue mich sehr, dass diese Möglichkeit auch von so vielen genutzt wird.

Was wünschst Du dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Ich wünsche dem Deutschen Bildungsserver, dass er weitere viele Jahre dazu beiträgt Klarheit, Struktur und Ordnung in den Internet-Dschungel zu bringen. Das Internet ist eine sehr wichtige Quelle für qualitativ hochwertige Informationen. Man muss sie nur finden. Dazu trägt der Deutsche Bildungsserver bei, indem er solche Quellen sammelt, für alle Nutzer erschließt und dadurch gebündelt zur Verfügung stellt.

10Nov/16

Das Portal Lesen in Deutschland – ein unentbehrliches Angebot in der Leseförderung

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Neben Informationen zu Bildung in verschiedenen Lebensphasen, werden beim Deutschen Bildungsserver auch übergreifende Themen aufbereitet wie zum Beispiel die Leseförderung. Für sie wurde eigens das Portal Lesen in Deutschland aufgesetzt. Mit seinen Informationen zu Materialien, zu Programmen, Initiativen und Veranstaltungen und zu Forschungsergebnissen trägt es viel zur Vernetzung der Akteure in der Leseförderung bei. Auch Lesen in Deutschland konnte übrigens einen runden Geburtstag feiern: Das Portal wurde 2015 zehn Jahre alt!

Regina Pantos

Regina Pantos

 

DAS WORT HAT  Regina Pantos

Das Ehrenmitglied des Arbeitskreises für Jugendliteratur und Vorsitzende der Sonderpreisjury 2016 des Deutschen Jugendliteraturpreises über Entwicklungslinien in der Leseförderung, über die zahlreichen Akteure und Projekte und wie „Lesen in Deutschland“ bei ihrer Vernetzung helfen kann.

 

 

 

Leseförderung – ein altes Thema im Bereich Schule und Bibliothek

Bereits 1893 setzten sich deutsche Volksschullehrer mit ihrer Zeitschrift „Jugendschriftenwarte“ für dieses Thema ein. Diese Tradition setzt sich bis heute fort in der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der Bildungsgewerkschaft GEW. Auch die Gründung des Arbeitskreises für Jugendliteratur und des Deutschen Jugendliteraturpreises, der in diesem Jahr sein 60 jähriges Jubiläum feiert, diente diesem Zweck. Hierbei ging es allerdings zumeist um die Frage, welche Art von Lektüre für Kinder und Jugendliche angemessen und empfehlenswert sei.

Erst nach dem PISA-Schock richtig im Fokus

In den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit geriet das Thema Leseförderung jedoch erst richtig nach den ersten PISA Ergebnissen im Jahr 2000, als offenbar wurde, dass es in Deutschland bei vielen Kindern und Jugendlichen ganz einfach an Lesefähigkeit und Textverständnis haperte. Es wurde intensiv nach den Ursachen geforscht und es wurde nach Strategien gesucht, diesem Mangel zu begegnen. Es war klar, dass eine Gesellschaft, für die die Bildung der nachfolgenden Generation der Schlüssel für Wohlstand und Erfolg ist, auf kompetente Leserinnen und Leser nicht verzichten kann.

In der Leseförderung spielen viele Faktoren eine Rolle

Viele Initiativen im Bereich der Leseförderung entstanden seit dieser Zeit. Entsprechend der Devise „Lesen lernt man nur durch Lesen“ stellte sich die Frage, wie man es so attraktiv für Kinder machen könnte, dass sie mutig und motiviert sich an die Bücher heranmachen. Viele Projekte und Initiativen, die nach Methoden der Leseförderung suchten, wurden ins Leben gerufen. Deutlich wurde, dass es sich um ein recht komplexes Problem handelt. Viele Faktoren spielen eine Rolle: Zum Beispiel die Herkunft der Kinder und die Bedeutung des Lesens in der Familie, die Rolle der Mehrsprachigkeit vieler Kinder, der Zugang zu Büchern über Familie, Schule und Bibliothek, der Aufbau von Lesemotivation ohne Leistungsdruck aber auch die Anforderung, Leseförderung als Querschnittsaufgabe für alle Schulfächer zu sehen.

Zur Perspektive der Schule kam der Blick auf die frühkindliche Bildung hinzu

Hier fängt die haptische Beschäftigung mit dem Objekt Buch an und das Lesen von Bildern. In der Interaktion zwischen Kind – Buch – Bezugsperson entstehen Kommunikationsstrukturen, die weiter wirken und eine wichtige Bedeutung für das spätere Lesen haben. Viele Akteure bewegen sich also in diesem Feld: Eltern, Erzieher, Lehrer, Bibliothekare und Forscher in den Universitäten. Ihnen zur Seite stehen Tausende von ehrenamtlichen Lesepaten. Staatlich geförderte Programme wie „Lesestart“ oder „Buchstart“ sollen flächendeckend die Weichen stellen für einen positiven Start in die Grundschule. Hier stehen das Vorlesen und damit das Hören von Geschichten im Vordergrund.

Viele Projekte, Initiativen und Akteure aktiv

Will man dem Thema Leseförderung in all seinen Facetten gerecht werden, sind Kenntnisse aus verschiedenen Fachgebieten gefragt: Entwicklungspsychologie, Soziologie, Pädagogik und Didaktik sowie intensive Kenntnis der Kinder- und Jugendliteratur. Diese Erkenntnis führte dazu, dass sich der Bundesverband Leseförderung (BVL) 2009 gründete mit dem Ziel, ein entsprechendes Berufsbild zu entwickeln. Durch ein modular aufgebautes Weiterbildungssystem kann die Qualifikation Lese- oder Literaturpädagoge seit einiger Zeit erworben werden. Einher mit der Professionalisierung in diesem Bereich ging der Ausbau eines Netzwerkes Leseförderung, das als Rückgrat und Motor dieser Entwicklung betrachtet werden kann.

„Lesen in Deutschland“ bietet einen unentbehrlichen Blick über den Tellerrand

Eine sehr wichtige Rolle in diesem Prozess spielt das 2005 gegründete Portal Lesen in Deutschland. Es versorgt alle am Thema „Leseförderung“ Interessierten ständig mit neuen und interessanten Informationen. Angesichts der Vielschichtigkeit des Themas und der Heterogenität der Akteure, die oft in kleinen Gruppen relativ isoliert nach neuen Wegen suchen, ist der monatliche Newsletter eine wahre Fundgrube für neue Anregungen und sicher auch für neue Kontakte. Da man im Bereich Leseförderung sicher nie auslernt und viele Einzelkämpfer aktiv sind, bietet das Portal einen unentbehrlichen Blick über den Tellerrand. Ein herzliches Dankeschön an die Redaktion!

09Nov/16

„Die Themenbereiche Hochschulbildung und Berufsbildung ergänzen sich gut“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers stellt sich vor.

Renate Tilgner

Renate Tilgner


Renate Tilgner 
ist Wissenschaftliche Dokumentarin und studierte Europäische Ethnologie, Amerikanistik und Germanistik an den Universitäten Frankfurt am Main und Marburg. Sie ist redaktionell für zwei Themengebiete verantwortlich: Hochschulbildung, Berufsbildung.

 

 

Wann bist Du zum Team des Deutschen Bildungsservers gestoßen?

In Etappen. 2001 absolvierte ich ein Praktikum, später war ich in freier Mitarbeit tätig bis ich Ende 2003 den Redaktionsbereich Hochschulbildung respektive 2005 den Bereich Berufsbildung übernahm.

Wie bist Du zu diesen beiden Themengebieten gekommen? Was interessiert Dich persönlich daran?

Anfangs arbeitete ich in verschiedenen Redaktionsbereichen mit. Die Inhalte konnte ich teils selbst mit auswählen und gewann so Einblick in verschiedene Themen. Die Übernahme der beiden Redaktionsbereiche ergab sich auch aus Interessensschwerpunkten. Aufgrund bildungspolitischer Entwicklungen, die zu einer Annäherung zwischen Hochschulbildung und Berufsbildung geführt haben, hat sich die Kombination  – Stichwort „Durchlässigkeit“ – letztlich als günstig erwiesen.

Haben sich die Themen in der Hochschulbildung in den letzten Jahren verändert? Gibt es eine Art Entwicklungslinie?

Die bekanntermaßen gravierendsten Veränderungen für die deutsche Hochschullandschaft brachte die Einführung einer gestuften Studienstruktur mit Bachelor- und Master-Studiengängen mit sich – als Folge eines Beschlusses der europäischen Bildungsminister von 1999 in Bologna zur Vereinheitlichung der europäischen Hochschulstrukturen. Ein Ziel im sogenannten Bologna-Prozess ist die verstärkte Ausrichtung von Studiengängen auf nachfolgende Beschäftigung und Berufstätigkeit. Damit korrespondieren auf nationaler Ebene Neuerungen wie das berufsbegleitende Studieren oder das Studieren ohne Abitur. Ein Streben nach Wirtschaftlichkeit und Effizienz im Hochschulwesen allgemein zeigt sich auch bei anderen Reformen jüngerer Zeit; zum Beispiel die Einführung wettbewerbsorientierter Hochschulsteuerungsmodelle oder die Exzellenzförderung. Die Einführung allgemeiner Studiengebühren war hingegen nicht von Bestand.

Und wie verhält es sich bei der Berufsbildung?

In der Berufsbildung gab es noch vor einigen Jahren einen gravierenden Mangel an Ausbildungsplätzen. Die vorherrschende Themen waren etwa die Schaffung von Ausbildungsplätzen oder die Reformbedürftigkeit des dualen Systems. Mittlerweile wird über Strategien zur Bewältigung des demografischen Wandels nachgedacht, um einem Mangel an Auszubildenden entgegenzuwirken. Und es werden verstärkt Ausbildungsangebote für  spezielle Zielgruppen konzipiert. Die vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit in Ländern mit dualer Berufsausbildung hat ihr zu höherem Ansehen verholfen und zu Initiativen von deutscher Seite geführt, mit Partnern im Ausland Ausbildungsprojekte durchzuführen.
Das aktuelle Thema heute ist die Digitalisierung im Bildungswesen. Dieser Prozess wird in beiden Bereichen umfangreiche Veränderungen bewirken.,

Haben sich deine Aufgaben – oder die Aufgabe des Deutschen Bildungsservers  – in den letzten Jahren verändert?

Anfangs ging es um den Auf- und Ausbau eines umfassenden Informationssystems, mittlerweile sind passgenaue Selektion und stete Aktualisierung erforderlich um ein übersichtliches Angebot zu liefern. Neue Kommunikationswege und-formen müssen wir auch erproben um festzustellen, ob sie sich für unsere Aufgaben eignen. Das reicht von Blogs und Wikis über einen eigenen Kanal bei Youtube bis zu Twitter und Facebook.

Melden die Nutzer/-innen manchmal etwas zurück?

Viele bedanken sich für Hinweise, die für Ihre Arbeit nützlich sind. Häufig werden wir auch darum gebeten Informationen zu veröffentlichen, sei es eine Ausschreibung oder ein eigenes Projekt, da gibt es eine große Bandbreite

Was wünschst Du dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Alles Gute für die Zukunft und den Weg dorthin!

 

08Nov/16

„Qualitativ sehr viel bessere Ergebnisse als Google“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Der Deutsche Bildungsserver hat den Anspruch, lebensbegleitend über Bildung zu informieren. Eine solche Bandbreite von Themen erfordert die Zusammenarbeit mit fachkompetenten Partnern. Das umfangreiche Angebot zum Thema Schule beispielsweise wäre nicht denkbar ohne die Kooperation mit dem FWU, dem Medieninstitut der Länder.

Dr. Friedhelm Schumacher

Dr. Friedhelm Schumacher

 

FRAGEN AN

Friedhelm Schumacher, Leiter der Abteilung Mediendienste beim FWU, über die langjährige Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver und ihre Früchte.

 

 

 

Herr Schumacher, wie kam es eigentlich zu der Kooperation zwischen dem Deutschen Bildungsserver und dem FWU?

1995 wurde „Schulen ans Netz“ eröffnet, ein Programm, das den Schulen ursprünglich eine technische Infrastruktur für die Arbeit mit dem Internet bereitstellen sollte. Parallel dazu entwickelten die Länder ein inhaltliches Angebot für Schulen. Ich arbeitete damals für das FWU im Berliner Comenius-Projekt, einem allerersten Mediendistributionsprojekt von fünf Schulen und der damaligen Landesbildstelle, und wurde darauf verwiesen, dass „es da Leute gäbe“ an der Humboldt-Universität, die mit dem Internet arbeiten und ein Angebot für Schulen bereitstellen wollen. So begann die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver. Bald darauf nahm ich für das FWU an den Sitzungen der „Bonsai-Gruppe“, den Technikern der Bildungsserver, teil und so ist das FWU langsam in die Projektarbeiten hineingewachsen.

Es wurden also verschiedene bereits laufende Aktivitäten zusammengefasst?

Nach der ersten Projektphase war man sich einig, dass der Deutsche Bildungsserver in eine dauerhafte Struktur überführt werden sollte. Wie häufig im Bildungsbereich gab es dazu sowohl Vorstellungen beim BMBF als auch auf Länderseite.. Letztlich sind die Konzepte – unter Beibehaltung des Namens „Deutscher Bildungsserver“ zusammengewachsen und wanderten gemeinsam unter das Dach des DIPF. Das FWU ist als Wahrer der Interessen der Länder für den Bereich Schule gesehen und in die Rolle des Konsortialpartners beim Bildungsserver eingesetzt worden. Seither gibt es auch eine Sonderfinanzierung für den Schulbereich; sie erfolgt direkt durch die Länder an das FWU und nicht über die Geschäftsstelle des DIPF.

Was zeichnet die Kooperation aus Ihrer Sicht aus?

Mit einem Wort: Vertrauensvoll. Anfangs musste sich natürlich noch einiges zurechtruckeln. Vom FWU aus hatten wir die redaktionelle Betreuung zunächst in Berlin angesiedelt, in räumlicher Nähe zum Technik-Team des Bildungsservers. Wir sind dann aber sehr schnell in die redaktionelle Arbeit des DIPF in Frankfurt hineingewachsen, nehmen an den jährlichen Redaktionssitzungen teil und sind an allen wichtigen Prozessen wie zum Beispiel den Redesigns beteiligt.

Gab es neben der Betreuung des Themenbereichs Schule noch andere gemeinsame Projekte?

Wir haben in der Vergangenheit einige Vorhaben umgesetzt: Die Unterbereiche des DBS „Medien und Bildung“ und „Interkulturelle Bildung“ sind im Rahmen sogenannter „Innovativer Projekte“ entstanden. Besonders hervorheben möchte ich aber das Portal „Lehrer werden“. Ziel war hier, allen am Lehrer-Beruf Interessierten eine zentrale Adresse anzubieten über die sie Informationen zu den unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen finden können – und zwar länderübergreifend.

Ein Beispiel?

Ein Referendar aus Bremen möchte nach Baden-Württemberg umziehen, weiß aber nicht, ob seine Fächerkombination oder bisherigen Ausbildungsabschlüsse auch dort anerkannt werden. Im Portal „Lehrer werden“ kann er recherchieren, ob und gegebenenfalls welche Hürden es zu beachten gibt oder welche konkreten Bedingungen Baden-Württemberg stellt. Wir haben außerdem eine E-Mail-Hotline, über die uns sicherlich 1000 Fragen im Jahr erreichen. Wenn ich die Nutzung des Portals anschaue, sehe ich hier eine Erfolgsgeschichte: Gut ein Drittel der Seitenaufrufe im Bereich Schule entfallen auf diese Seiten!

Welche Themen beschäftigen Sie zurzeit?

Mehr eine Daueraufgabe als ein Projekt ist die Frage nach dem Informationsaustausch und der Qualität der Metadaten im Rahmen unseres gemeinsam mit den Landesbildungsservern betriebenen Austauschdienstes ELIXIER. In den letzten sechs Jahren waren wir dabei immer wieder aufs Neue herausgefordert – zum Beispiel bei der Frage, wie Creative Commons-Lizenzen in die Metadaten eingebunden werden können. Heute denken wir sehr viel über Open Educational Resources (OER) nach; es geht vor allem darum, wie sie gesammelt und recherchierbar gemacht werden können. Das wird auch in der jetzt im November startenden OER-Infostelle am DIPF – bei der wir vom FWU wieder in unserer klassischen Rolle als Vertreter des Schulbereichs als Kooperationspartner dabei sind – gemeinsam vorangetrieben werden.

Open Educational Resources – Wo liegen da aus Ihrer Sicht die Herausforderungen?

Über das grundsätzliche Potenzial von OER für Lehr-Lern-Prozesse ist man sich inzwischen im Allgemeinen einig. Jetzt gilt es, die Nutzung und Erstellung bzw. Bearbeitung von OER konkret voranzubringen. Ein Aspekt ist sicherlich die Arbeit, die in der Sichtung der bisher noch nicht einmal sicher eingrenzbaren Inhalte im OER-Bereich steckt. Auswahl und Qualitätsüberprüfung erfordern einen großen personellen Aufwand, die Arbeit lässt sich nur zu einem geringen Teil automatisieren. Eine Qualitätskontrolle kommt einfach nicht ohne einen Blick auf die Quelle aus – und zwar von einem Menschen. Klar gibt es viele kleine Werkzeuge, die helfen können. Das IT-Team des Deutschen Bildungsservers hat zum Beispiel ein Tool entwickelt, das Vorschläge zur Verschlagwortung liefert. Aber auch diese Vorschläge müssen noch einmal kontrolliert werden. Kein Werkzeug kann einen Prozess zu 100% ersetzen, aber Tools helfen ihn zu vereinfachen. Diesen Qualitätsanspruch müssen wir hochhalten. Denn gerade, wenn die „Landschaft“ so unübersichtlich ist, wie aktuell noch bei den OER, wird der DBS als „Wegweiser“ gebraucht.

Was wünschen sie dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Dass die Nutzer aus Schulen und anderen Lehr-Lernbereichen auch weiterhin auf ein Instrument zurückgreifen, das qualitativ sehr viel bessere Ergebnisse liefert als Google. Und wenn die Entwicklung so gesteuert wird wie bisher, wird das auch in Zukunft so sein. Und mit Blick auf die Zukunft hat der Deutsche Bildungsserver ein weiteres Plus, das nicht zu überschätzen ist: Er ist verlässlich und werbefrei; es gibt keine versteckten Interessen und die Platzierung in Trefferlisten ist nicht der Werbung oder undurchschaubaren Algorithmen geschuldet.

07Nov/16

„Ich möchte Lehrkräfte dabei unterstützen, ihre vielfältigen Aufgaben zu meistern“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers stellt sich vor.

Christina König

Christina König


Christina König, 
FWU-Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, studierte in München und Rom Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Bayerische Landesgeschichte und Italienischen Philologie. Sie betreut das Portal Lehrer werden verantwortet das  Themengebiet Schule beim Deutschen Bildungsserver.

 

Wann bist Du zum Team des Deutschen Bildungsservers gestoßen?

Ich hatte im September 2007 meinen Start als Redakteurin beim Deutschen Bildungsserver. Zuvor hatte ich schon mehrere Jahre beim FWU als Redakteurin für die Produktion von Bildungsmedien in den Bereichen Geschichte, Kunst und Musik für den Schulunterricht gearbeitet.

Wie bist Du zu diesen beiden Themengebieten gekommen? Was interessiert Dich persönlich daran?

Das FWU ist als das Medieninstitut der Länder ja sozusagen die „erste Adresse“ wenn es um Medien für die Schule geht, also alles, was die Lehrkraft im Unterricht einsetzen kann, um bestimmte Themen zu vertiefen, zu ergänzen oder anschaulich zu machen. So gesehen ist man als Mitarbeiterin des FWU schon von Haus aus mit Themen wie Schullandschaft, Lehrbetrieb, Bedürfnisse von Lehrkräften im Schulalltag und natürlich den unterschiedlichen Lehr- und Bildungsplänen vertraut. Das macht einen fit für die Aufgaben, die beim Deutschen Bildungsserver in den Bereichen „Schule“ und „Lehrer werden“ auf einen warten.

Für mich persönlich ist es außerdem immer sehr spannend zu sehen, wie sich der Schulalltag verändert, welche neuen Strömungen und Inhalte in der Schule gerade auftreten und wie die Lehrkräfte das alles stemmen. Da möchte ich unterstützen und wichtige Informationen bereithalten, damit sie diese Aufgaben meistern können.

Haben sich die Themen in der Schule in den letzten Jahren verändert? Gibt es eine Art Entwicklungslinie?

Da gibt es natürlich eine ganze Menge an Veränderungen. Ich will mal versuchen ein paar zentrale zu benennen:  Ganz wichtig sind die Themen Ganztagsschule und Inklusion, da tut sich unheimlich viel und es gibt auf allen Ebenen einen regen Diskurs.

Außerdem beobachte ich in vergangenen Jahren eine immer stärkere Mobilität: Die Themen Auslandsaufenthalte und Schüleraustausch werden immer wichtiger. Gleichzeitig steigen die Ansprüche sowohl an Schülerinnen und Schüler als auch an die Lehrkräfte was die Bewältigung des Schulalltags angeht. Zusätzlich zu den Anforderungen, die der reguläre Unterricht mit seinen sich stetig wandelnden Lehrplänen und zum Teil auch der Schuldauer – Stichwort G8 und G9 – mit sich bringt, werden immer mehr „weiche“ Kompetenzen erwartet. Sowohl Schüler als auch Lehrer sollen weitere Fähigkeiten entwickeln und ausbauen, sich künstlerisch und sozial engagieren, der Sport soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. Da scheinen viele an ihre Grenzen zu stoßen, all die Anforderungen verunsichern zunehmend. Positiv sehe ich jedoch die wachsende Beweglichkeit der jungen Leute und ihre Kreativität, wenn sie ihre Ziele mal nicht auf direktem Weg erreichen können.

Haben sich deine Aufgaben – oder die Aufgabe des Deutschen Bildungsservers – in den letzten Jahren verändert?

Die Funktion des Wegweisers durch den Dschungel an Informationen, die das Internet zu allen möglichen Themen bereithält, ist in den vergangen Jahren immer wichtiger geworden. Gerade im schulischen Bereich breitet sich ja eine große Kommerzialisierung aus, etwa was das Angebot an Bildungsmedien, Unterrichtsmaterialien und Plattformen angeht. Da fällt es nicht immer leicht, sich zu orientieren und für sich Nützliches auszuwählen. Hier sind wir als Team vom DBS immer mehr gefragt, bei der Orientierung zu helfen und einen zuverlässigen und unabhängigen Ansprechpartner darzustellen.

Was melden die Nutzer Dir zurück?

Ganz oft freuen sich Nutzer zunächst einmal darüber, wenn sie eine schnelle Reaktion und konkrete Tipps bekommen, wie sie mit ihrem Anliegen weiterkommen. Manchmal hat man fast den Eindruck als wären es die Leute nicht mehr gewohnt zu sein, überhaupt eine Antwort zu erhalten. Auch die wechselnden, aktuellen Themendossiers und natürlich unsere ständigen Angebote mit Informationen für Quereinsteiger ins Lehramt, zu Lehrplänen, Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts und vielem mehr kommen gut an.

Was wünschst Du dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Ich wünsche dem DBS, dass er auch die nächsten 20 Jahre eine feste Institution im Bildungsbereich bleibt und dass er als Leuchtturm im Internet-Meer stabil bleibt. Wir können unsere Nutzer ja schließlich nicht alleine lassen

 

04Nov/16

„Die Elementarbildung hat in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnen“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers stellt sich vor.

Andrea Völkerling

Andrea Völkerling


Andrea Völkerling,
wissenschaftliche Dokumentarin, studierte Erziehungswissenschaft in Mainz und betreut beim Deutschen Bildungsserver die Themengebiete Elementarbildung und  Sozialpädagogik.

 

 
 

Wann bist Du zum Team des Deutschen Bildungsservers gestoßen?

Gute Frage, eigentlich mehrmals – also, das allererste Mal 2004 bei einem Praktikum, später habe ich dann ein Volontariat im DIPF absolviert und habe dabei auch beim Deutschen Bildungsserver mitgearbeitet. Schließlich habe ich Ende 2009 den Redaktionsbereich zur Elementarbildung übernommen.

Wie bist Du zu diesen beiden Themengebieten gekommen? Was interessiert Dich persönlich daran?

Ich hatte mich schon während meines Studiums mit frühpädagogischen Themen beschäftigt und konnte darauf sehr gut aufbauen. Der Redaktionsbereich Sozialpädagogik kam dann später noch dazu, was mich besonders gefreut hat – das hatte ich auch schwerpunktmäßig studiert. Die beiden Themengebiete haben mit dem sozialpädagogischen Themenfeld Jugendhilfe, zu dem die Kindertagesbetreuung rechtlich zugeordnet ist, ja eine große Schnittmenge. Es bietet sich also an, diese zusammen zu bearbeiten.

Haben sich die Themen in der Elementarbildung in den letzten Jahren verändert? Gibt es eine Art Entwicklungslinie?

Ja, es ist spannend, die Veränderungsprozesse in den beiden Themengebieten zu begleiten. Die Elementarbildung hat in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnen, im öffentlichen und politischen Diskurs, und von Forschungsergebnissen erhofft man sich neue Erkenntnisse, beispielsweise im Bereich der frühkindlichen Sprachförderung. Wenn man bedenkt, dass der Kindergarten bis vor gar nicht so langer Zeit hauptsächlich als Betreuungs- und Erziehungsstätte wahrgenommen wurde – erst nach dem so genannten PISA-Schock rückte sein Bildungsauftrag in den Fokus des Interesses, Bildungspläne folgten. Nach der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr im Jahr 2013 und dem damit einhergehenden massiven quantitativen Ausbau im U3-Bereich steht nun die Qualitätsdebatte im Mittelpunkt. Nicht zuletzt der Professionalisierung frühpädagogischer Fachkräfte wird dabei zentrale Bedeutung beigemessen.

Und wie verhält es sich bei der Sozialpädagogik?

In vielen Feldern der Sozialpädagogik lässt sich beobachten, wie sich ihre Rolle als Bildungsinstanz verändert. Großen Einfluss haben z.B. Entwicklungen im Schulbereich wie Ganztagsbetreuung und Inklusion – hier ist u.a. die Schulsozialarbeit gefragt. Und von gesamtgesellschaftlichen Wandlungsprozessen ist die Entwicklung der Sozialpädagogik per se nicht trennbar – Stichworte sind das Auseinanderdriften der Gesellschaft, Radikalisierungstendenzen, wie auch die Integration von Flüchtlingen. Da steht auch die Sozialpädagogik vor riesigen Herausforderungen.

Haben sich deine Aufgaben – oder die Aufgabe des Deutschen Bildungsservers – in den letzten Jahren verändert?

Wir versuchen mit unserem Angebot ja die Informationsflut im Internet zum Thema Bildung für die Nutzerinnen und Nutzer zu reduzieren, indem wir Relevantes dokumentieren, müssen aber natürlich als Redakteurinnen genauso mit der wachsenden Informationsdichte umgehen. Viele neue Informationskanäle wie Twitter etc. sind hinzugekommen. Eine fachlich fundierte Selektion wird da immer wichtiger.

Melden die Nutzer manchmal etwas zurück?

Letztens hat mir eine Fachschullehrerin für angehende Erzieher/-innen berichtet, dass sie die Informationsrecherche im DBS gezielt in ihren Unterricht einbaut. Klar, das freut einen dann. Aber auch die Rückmeldung zu etwaigen Desideraten hilft. Der direkte Austausch mit den Nutzer/-innen ist oftmals aufschlussreicher als bloße Nutzungsstatistiken.

Was wünschst Du dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Wir arbeiten derzeit intensiv an einem umfassenden Relaunch – ich bin selbst gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird. Und mit einem moderneren und zeitgemäßen Erscheinungsbild wünsche ich ihm dann natürlich nochmal mindestens 20 Jahre 🙂

03Nov/16

Der Deutsche Bildungsserver: Im Zentrum der informationellen Bildungsinfrastruktur

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Prof. Dr. Michael Kerres

Prof. Dr. Michael Kerres

DAS WORT HAT Michael Kerres

Der Professor für Mediendidaktik und Wissensmanagement an der Universität Duisburg-Essen über Digitalisierung der Bildung, Lehr-Lernmittel der Zukunft und welche Rolle der Deutsche Bildungsservers dabei spielen kann.

 

 

 

 

Der Wandel hin zum Lernen mit digitalen Medien ist vielschichtig und erfordert ein koordiniertes Zusammenwirken verschiedener Akteure. Ein aktuelles Thema ist die Frage, wie wir die digitalen Lehr-Lernmittel für die Bildungsarbeit entwickeln und bereitstellen wollen. Bereits heute nutzen Lehrkräfte in Schulen diverse Materialien und Medien aus Quellen im Internet. Auf der einen Seite haben wir eine lange Tradition der Schulbuchverlage, die nach staatlicher Prüfung Medien für den Unterricht bereitstellen. Mit der Digitalisierung wird deutlich, dass diese Mechanismen auf diese Weise nicht mehr funktionieren, wenn es um die Frage der informationellen Bildungsinfrastruktur geht.

Wie wollen wir künftig Lehr-Lernmittel für die Bildungsarbeit bereit stellen?

Mit den „open educational resources“ zeichnen sich Varianten der Lizenzierung ab, die für die pädagogische Arbeit wichtige Vorteile mit sich bringen. Die digitalen Geräte mit den jeweiligen Software- und Hardwaremerkmalen und die Medieninhalte bilden – vernetzt durch das Internet – zunehmend eigenständige Ökosysteme, die von Unternehmen kontrolliert werden. Es sind Wege zu finden, wie die Lehr-Lernmittel der Zukunft –gemeinsam mit Software- und Hardwareanbietern, Verlagen oder anderen Akteuren – qualitätsgesichert und nachhaltig entwickelt und bereitgestellt werden können, um die pädagogische Arbeit sinnvoll zu unterstützen.

Die Digitalisierung zwingt dazu, neue Wege zu gehen.

Das föderale System der Bundesrepublik hat eine vielfältige Bildungslandschaft in den Bundesländern hervorgebracht, die sich auf diese neuen Rahmenbedingungen neu einstellen muss. Dazu gehören auch Landesbildungsserver, Landesmedienanstalten und andere Einrichtungen in den Ländern, die für die informationelle Bildungsinfrastruktur maßgeblich Verantwortung tragen. Die Digitalisierung zwingt dazu, neue Wege der Entwicklung und Bereitstellung zu gehen und gemeinsam kooperative Strukturen zu entwickeln, da bekanntlich das Internet nicht an Landesgrenzen halt macht. Im Dialog ist weiter zu klären, was die öffentliche Aufgabe bei der Gestaltung der digitalen Bildungsinfrastruktur letztlich ist.

Anforderungen müssen formuliert, Rahmenbedingungen geschaffen werden

Geht es darum, den Anbietern bei der Einführung effizienter Abrechnungssysteme in den Schulen zu helfen, geht es um eine vollständige Kontrolle aller Inhalte und Medien, die über das Internet für Unterricht bereit gestellt werden? Vermutlich nicht – es geht wohl eher darum, Anforderungen an eine pädagogische sinnvolle, informationelle Bildungsinfrastruktur zu beschreiben und die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass diese gemeinsam mit privaten Anbietern und anderen Akteuren in der ganzen Vielfalt entsteht. Ein komplexes Unterfangen, das viel Koordination, einiges an Erprobung und Erforschung erfordert und den Mut gemeinsam, etwas Neues anzugehen.

Der Deutsche Bildungsserver“ ist ein wichtiges Bindeglied zu den Akteuren in den Bundesländern

Was hat das mit dem Deutschen Bildungsserver zu tun, werden Sie vielleicht fragen? Für mich ist die Antwort ganz naheliegend: Der „Deutsche Bildungsserver“ hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Punkt entwickelt, der zum einen Informationen zu Bildungsthemen auswählt, bewertet, systematisiert und mit Metadaten anreichert. Zum anderen ist er ein Bindeglied zu den Akteuren in den Bundesländern. Betrachtet man die beschriebenen Entwicklungen für eine informationelle Bildungsinfrastruktur, dann würde ich mir für den „Deutschen Bildungsserver“ eine wichtige Rolle wünschen. Austauschformate, wie Elixier, oder andere Metadaten-Services haben für die Entwicklung eines „offenen informationellen Ökosystems“ eine zentrale Funktion. Hinzu kommen von Nutzenden generierte Metadaten auf der Plattform edutags.de, die das Learning Lab gemeinsam mit dem Deutschen Bildungsserver entwickelt hat, die einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. Solche Mechanismen zu entwickeln und zu betreiben, erscheint mir eine Herausforderung, die nur national und koordiniert zu lösen ist. Der Deutsche Bildungsserver tritt damit nicht in Konkurrenz zu anderen privaten oder öffentlichen Inhalteanbietern, sondern managt Metadaten und den Austausch von Informationen der Anbieter.

Ich sage: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und alles Gute für die Zukunft!

02Nov/16

„Wichtig ist ein einfacher Zugang zu Bildungsinformationen und Materialien“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Mathieu Papdo

Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers stellt sich vor.

Ingo Blees

Ingo Blees

Ingo Blees hat an der RWTH Aachen Philosophie und Germanistik studiert und im Anschluss daran die Weiterbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar an der FH Potsdam absolviert. Beim Deutschen Bildungsserver ist er für die Projektkoordination und den Transfer zu den Themen Digitale Bildung und Open Educational Resources verantwortlich.

 
 

Wann bist Du zum Team des Deutschen Bildungsservers gestoßen?

In einem zweijährigen Volontariat am DIPF habe ich die Fortbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar durchlaufen. Das war in den Jahren 2005/2006. Da gab es viele Stationen, und neben solchen Etappen wie der Bibliothek oder der Literaturdokumentation auch das Kennenlernen der Redaktionsarbeit beim Deutschen Bildungsserver. Dann hatte ich das Glück, das Thema der Abschlussarbeit zum Wissenschaftlichen Dokumentar als reales Projekt beim Deutschen Bildungsserver durchführen zu können. Seinerzeit liefen neue Formen von Nutzerbeteiligung unter dem Label Web 2.0. So war ich dann einige Jahre für die Web 2.0-Angebote des DBS zuständig, wie etwa Wikis und Blogs, später auch Twitter und Facebook.

Welche Aufgabengebiete oder Themen betreust Du beim Deutschen Bildungsserver? Was interessiert Dich persönlich daran?

Momentan bin ich zuständig für die nachhaltige Fortführung von so genannten innovativen Projekten des Bildungsservers, wie etwa des Wiki Klimawandel oder auch Edutags, einem Online-Tool für Lehrkräfte zur kooperativen Recherche und Organisation von Webinhalten für den Unterricht. Ein größer werdendes Aufgabengebiet entstand in den letzten Jahren rund um das Thema Open Educational Resources (OER): beim Aufbau von Materialsammlungen, die den Akzent auf den Ausbau des OER-Materialpools setzen wie etwa das erwähnte Edutags oder das gemeinsame Projekt mit den Landesbildungsservern Elixier, aber auch im Rahmen von Studien und Publikationen oder Vorträgen und Workshops.

Wie bist Du zu den Aufgaben/Themen gekommen?

Am Beginn stand wie gesagt das Projekt Bildungsserver 2.0, also der Aufbau von Web 2.0-Angeboten, um dadurch den Nutzern mehr Möglichkeiten zu geben, aktiv Ihre Interessen, Ansichten und Wünsche an den DBS heranzutragen. Vieles war Experiment, manches hatte anfänglich große Resonanz, wie die Bildungsserver-Wikis, die aber über einen so langen Zeitraum nicht komplett nachhaltig aufrechterhalten werden konnten. Einzelne Angebote wie das Wiki zum Klimawandel – ein Kooperationsprojekt mit dem Hamburger Bildungsserver, Grüße an den Kollegen Dieter Kasang – erfreuen sich weiter großen Zuspruchs, manche Angebote liegen inzwischen in anderen Händen wie der Blog oder die Social Media-Kanäle. In den letzten Jahren ist, wie schon erwähnt, für meine Arbeit das Thema OER bzw. Digitale Bildung sehr stark in den Vordergrund gerückt.

Was hat sich in der Arbeit beim Deutschen Bildungsserver verändert, seit Du hier bist? Gibt es eine Art Entwicklungslinie?

In der Ausbildungszeit stand die klassische Dokumentationsarbeit natürlich ganz klar im Vordergrund. Hierbei setzt man sich mit einer großen Themenvielfalt auseinander, was mir beim Einstieg in den für mich damals neuen Bereich Bildung und Erziehung sehr geholfen hat. Nach und nach hat sich dann eine stärkere Fokussierung auf bestimmte Themen ergeben. Im Rückblick gibt es seit dem Web 2.0-Projekt aber schon eine Konstante: der einfachere Zugang zu Bildungsinformationen und Materialien und der Beteiligung an solchen Inhalten. Schon in meiner Abschlussarbeit zum Wissenschaftlichen Dokumentar gibt es ein Kapitel zu freien Lizenzen, damals 2006 waren Creative Commons noch nicht so stark verbreitet, Wikipedia z.B. hatte noch eine anderes inkompatibles Lizenzformat. Später habe ich mich intensiver damit beschäftigt, wie die partizipativen Online-Tools wie Wikis oder Blogs auch didaktisch gewinnbringend eingesetzt werden können – und dies auch in der Lehrpraxis an der Hochschule Darmstadt erprobt. Der nächste Schritt zur Konzentration auf das Thema OER war dann nicht mehr wirklich weit.

Was melden Dir Kooperationspartner oder Nutzer zurück?

Sehr erfrischend sind Rückmeldungen außerhalb des direkten Arbeitskontextes. Nachdem ich einem Bekannten auf die Frage, was ich denn so mache, geantwortet hatte, meinte er: „Der Bildungsserver, ja, den kenn ich, der ist nicht schlecht. Wenn ich für meine Kinder Material für die Schule zum Üben brauche, schaue ich da auch oft vorbei. Da ist eigentlich immer was Brauchbares mit dabei.“ Auch wenn wir natürlich wissen, dass wir mit der Darstellung unserer Inhalte auf der Höhe der Zeit bleiben müssen, und daher immer auch in regelmäßigen Abständen Untersuchungen zur Usability in Auftrag geben, ist die kontinuierlich gesicherte redaktionelle Kompetenz des Bildungsservers weithin anerkannt. Und auch bei Präsentationen vor einem kleineren Fachpublikum erweckt unsere Arbeit Interesse. Zum Beispiel wenn in anschließenden Gesprächen Anfragen kommen, wie man denn mit den eigenen Materialien an einer Sammlung wie dem oben erwähnten Elixier mitwirken könne.

Was wünschst Du dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Dass er das Bildungsgeschehen weiterhin so vielfältig und mit einem starken, fachkompetenten Redaktionsteam begleitet wie in den letzten 20 Jahren, und sich dabei die Kreativität und den Mut bewahrt, immer wieder innovative Impulse für die Bildungsinformation zu geben.