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07Nov/17

The crisis of the college degree

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Lange Zeit bildete der Hochschulabschluss die Eintrittskarte in das Berufsleben. Das, so heißt es in der Studie „The Future of the Degree: How Colleges Can Survive the New Credential Economy“, beginnt sich zu ändern. Im Zeiten des lebenslangen Lernens sind Abschlüsse gefragt, die nicht die an einer Hochschule verbrachten Jahre, sondern die Kompetenzen der Lernenden widerspiegeln. Die Rezension der Studie geht auf verschiedene Entwicklungen und Veränderungen ein, aber am interessantesten sind aus meiner Sicht die folgenden Trends, die zukünftige Qualifikationen prägen sollen:

1. Instead of paper records housed by universities, credentials will be electronic assets belonging to the learner and maintained in a virtual network using the same blockchain technology that makes cryptocurrencies like bitcoin safe and decentralized. MIT has already awarded its first diplomas through this method.

2. In addition to traditional certificates, universities will grant new types of micro-credentials like badges that recognize lifelong learning.

3. Rather than exist as a single document, credentials will need to be communicated through portfolios that demonstrate the knowledge and skills of the bearer.

4. The increasing use of data analytics in hiring decisions could reduce the importance of the certificate, but increase the relevance of specific learning experiences within university.

Esteban Fredin, Observatory of Educational Innovation | Tecnológico de Monterrey, 30. Oktober 2017

Bildquelle: Jonathan Daniels (Unsplash)

07Nov/17

„Bloggen ist für mich ein guter Weg, Themen zu durchdenken“

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Herwig Kummer ist der Leiter Personalentwicklung, Training und Recruiting beim ÖAMTC Österreich. Außerdem hat er den ÖAMTC beim Corporate Learning 2.0 MOOC vertreten. In diesem Interview gibt er Auskunft, warum er bloggt („PERSONALEUM“), wie seine ersten Schritte aussahen, wie er vom Bloggen profitiert und, schließlich, warum auch andere HR-Verantwortliche bloggen sollten:

„Meine These ist, dass das HR-Management gerade neu erfunden wird. In Zeiten agiler Vorgehensweisen passen alte Konzepte nicht mehr. Wenn mehr HR-Manager bloggen würden, wäre es viel transparenter und einsehbarer, wo sie sich gerade gedanklich befinden, was sie umtreibt und welche Lösungen sie für bestimmte Probleme haben. Das wäre der Nutzen für das gesamte HR-Management.“

Bettina Geuenich, Interview mit Herwig Kummer, HRM.de, 7. November 2017

06Nov/17

Universität 4.0 – Gedanken im Vorfeld eines Streitgesprächs

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Im Umfeld der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) mit dem überraschenden Titel „Universität 4.0“ haben jetzt einige Referenten und Referentinnen ihre Beiträge publik gemacht. Dazu gehört auch Gabi Reinmann. Sie hat sich, zur Vorbereitung auf ein Streitgespräch, mit verschiedenen Fragen rund um die Digitalisierung auseinandergesetzt und stellt uns ihre Antworten im Nachhinein zur Verfügung. Im Grunde sind sie alle ein Appell, sich auf die Aufgabe der Universität zu besinnen, „einen verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalisierung zu finden“ – und nicht immerzu die gleichen Fragen nach dem Nutzen und Mehrwert digitaler Medien zu beantworten. Was sie als „digitale Grenzgängerin“ aber dennoch, den Vorgaben ihrer Mitstreiter folgend, tapfer tut.

„Es gilt, der Digitalisierung forschend und lehrend, offen und kritisch zugleich zu begegnen – mit einer Idee der Universität als Richtschnur. Es gilt, gerade in der Universität über den Tellerrand der Digitalisierung zu schauen.“

Gabi Reinmann, Hochschuldidaktik, 3. November 2017

03Nov/17

Mein Wochenausklang: Über einige Herausforderungen mit OER

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Am 27. November werden in Berlin die besten Open Educational Resources im deutschsprachigen Raum gekürt. Vergeben werden die OER-Awards 2017. Ich bin nun Mitglied der Jury und habe in den letzten Tagen viele Einreichungen gelesen und bewertet. Denn die Zahl der Einreichungen hat sich gegenüber 2016 noch einmal mehr als verdoppelt.

Das Thema OER erlebt hierzulande gerade einen Aufwind. Offene Lehr- und Lernmaterialien stehen auf der bildungspolitischen Agenda ganz oben. Das BMBF fördert, große Bildungsinstitutionen und Stiftungen engagieren sich, aber auch viele Graswurzelprojekte haben sich OER auf ihre Fahnen geschrieben. Hier möchte ich aber schon einmal kurz stoppen und festhalten: OER ist vor allem ein Thema der Bildungs-Community und Bildungspolitik. Es geht um das Urheberrecht und Lizenzmodelle. Lernende interessiert, ob sie auf einen Kurs oder Materialien im Netz frei zugreifen können oder ob sie etwas zahlen müssen. Mehr in der Regel nicht. Deshalb richten sich OER-Projekte vor allem an Bildungsexperten und Lehrende, die selbst Lernangebote entwickeln wollen.

Wenn ich jetzt die Projektbeschreibungen der letzten Tage Revue passieren lasse, fällt noch ein anderer Punkt auf. Im Mittelpunkt vieler OER-Projekte stehen nach wie vor „Resources“, also Inhalte, Medien, Texte, Lernhilfen, Programmcodes. Auch in den Einreichungsbedingungen zum OER-Award wird vor allem nach dem Lizenzmodell, nach den „5Rs“ von David Wiley und nach der Sicherstellung der didaktischen und technischen Qualität gefragt. Es gibt auch die Frage nach der Nutzung, aber hier tun sich viele Projekte schon schwerer, Auskunft zu geben. Es gibt Zahlen über die Abrufe der Seiten, Feedback auf einzelne Funktionen und Angebote sowie Ideen zur Weiterentwicklung der Projekte. Kurz: Das Herzstück von OER, nämlich das Übernehmen und Einbetten der Lernmaterialien, bleibt oft im Dunkeln. Erfahrungsberichte von Nutzern sind selten.

Warum, so frage ich mich, werden OER-Projekte heute nicht noch stärker als Community-Projekte gedacht? Drei Punkte sind mir durch den Kopf gegangen:

  1. OER-Projekte sollten nicht nur als Repositories, sondern auch als Netzwerke gedacht, konzipiert, umgesetzt und gelebt werden.
  2. Best Practices (Fallbeispiele, Use Cases, Einsatzszenarien, …), in denen OER-Nutzer schildern, wie sie mit den Lehr- und Lernmaterialien gearbeitet haben, sollten ein wichtiger Baustein jedes einzelnen OER-Projekts sein.
  3. Regelmäßige Kampagnen (Themenwochen, BarCamps, Blogparaden, …), in denen sich OER-Macher und -Nutzer austauschen, signalisieren, dass ein Projekt „lebt“, und stützen die gemeinsame Arbeit und Weiterentwicklung des jeweiligen Vorahabens.

Es gibt sicher noch weitere Punkte, um OER aus der Spezialisten- und Ressourcen-Ecke herauszuholen. Das OER-Festival und der OER-Award sind Gelegenheiten, um das zu diskutieren.

03Nov/17

MOOCs in der Erwachsenenbildung: So gelingen sie

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die Macher*innen des EBmoocs haben diesen nützlichen Leitfaden (70 Seiten) erstellt. Der EBmooc fand im Frühjahr 2017 statt, war der „erste offene Onlinekurs für Erwachsenenbildner/innen in Österreich“ und beschäftigte sich mit digitalen Tools und Fertigkeiten für die Erwachsenenbildung. Er erreichte damit die stattliche Zahl von rund 3.000 Teilnehmer*innen!

Der Leitfaden behandelt die Themen Ressourcen, Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen, Didaktik, Lernmaterialien, Lizenzierung, Durchführung, Begleitangebote und Zertifizierungsformen. Der EBmooc wird dabei als Fallbeispiel immer wieder „eingeblendet“. Da dieser Kurs als xMOOC konzipiert war, nimmt auch der Leitfaden diese Perspektive auf. Wäre es ein Leitfaden für cMOOCs, würde man wahrscheinlich das Community Management sowie die Vernetzung, den Austausch unter den Teilnehmenden sowie ihre Motivation und Aktivierung stärker gewichten. Aber die Autor*innen wissen um die Unterschiede und sprechen sie eingangs selbst an.

„Drei Gestaltungselemente, die in beiden MOOC-Typen einen guten Platz brauchen, sind
– eine gewisse Vorstrukturierung des Geschehens (z. B. ein Ablaufplan und/oder andere klare Orientierungs- und Strukturierungs-Elemente);
– Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung (z. B. Social Media, Interessensgruppen, und dergleichen);
– eine mit unterschiedlichen Medien angereicherte Lernumgebung, die abwechslungsreich ist und verschiedenen Lerntypen entgegenkommt.“

CONEDU Birgit Aschemann mit Philipp Wurm, David Röthler, Martin Ebner, Wilfried Frei, Lucia Paar und Martina Süssmayer, www.erwachsenenbildung.at, Oktober 2017

03Nov/17

Can you predict your students’ final grade at the start of the course? Yes, you can with Artificial Intelligence

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Obwohl der Titel gleich Frage und Antwort liefert, hier noch einige Details: 106 Studierende (Engineering and Business at Tecnológico de Monterrey) wurden vier Jahre begleitet und datenmäßig erfasst. Am Ende hatte man 70 Variablen, die nicht nur das Studium, sondern auch den Alltag der Teilnehmer abdeckten, und man hatte Korrelationen zwischen den Variablen und dem Abschluss der Teilnehmer und damit also ein Modell, um den Studienerfolg vorherzusagen. Das hat man dann gleich auf eine neue Gruppe von Studierenden angewandt. Mit beachtlichem Erfolg: zu 96 bis 98 Prozent stimmten die Prognosen.

Ob das Modell künftig standardmäßig eingesetzt wird, wie Institutionen,  Lehrende oder Studierende mit ihm bzw. mit den Informationen umgehen, lässt der Artikel offen.

Aber vielleicht beginnt das erste Beratungsgespräch dann so: „Wir haben leider schlechte Nachrichten für Sie: Wenn alles normal verläuft, werden Sie den Abschluss wohl nicht packen! Wollen Sie es trotzdem versuchen? Vielleicht mit einem Personal Tutor?“
Omar Olmos López und Miguel Ángel Hernández, Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, 30. Oktober 2017

02Nov/17

Weiterbildungsblog 2017-11-02 18:25:11

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ende Oktober hat die Subscribe 9, die halbjährliche Podcasting-Konferenz, beim Bayerischen Rundfunk in München stattgefunden. Simon Dückert war dort, hat seine Eindrücke zusammengefasst und gleich mit den entsprechenden Vorträgen verlinkt. Seine Stichworte reichen von der dritten Podcasting-Welle, in der wir uns offensichtlich derzeit befinden (meint übrigens auch Wired), bis zur Rolle, die das Podcasting in der Weiterbildung spielen könnte.

„Ich denke in den kommenden Jahren werden wir in Unternehmen ähnliche Tendenzen der Nutzung von Podcasts zur Verbreitung von Wissen sehen. Zwei wichtige Handlungsfelder sind in meinen Augen die Unternehmenskommunikation (z.B. Kampagnen, Podcasts zu erklärungsbedürftigen Strategie-Themen wie Digitalisierung) und die Weiterbildung (Flipped-Classroom-Ansätze, Mitarbeiter-schulen-Mitarbeiter, Lessons-Learned-Podcasts).“

Simon Dückert, Cogneon, 30. Oktober 2017

Bildquelle: Matt Botsford (Unsplash)

02Nov/17

German OER Practices and Policy — from Bottom-up to Top-down Initiatives

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

“But where is Germany?“ hieß es noch auf dem ersten World Open Educational Resources (OER)-Kongress 2012 in Paris. Seitdem ist einiges passiert. Was genau, das beschreiben die Autoren in diesem Länderreport, der im Auftrag des UNESCO Institute for Information Technologies in Education erstellt wurde. Nach einer kurzen, einleitenden Chronik gehen sie zuerst auf die Merkmale und Besonderheiten des deutschen Bildungssystems ein. Statistisches ziehen sie aus den 491 Einträgen mit Deutschland-Bezug, die die OER World Map verzeichnet. Schließlich folgt die Darstellung einzelner OER-Projekte, sowohl der Leuchttürme wie die Hamburg Open Online University (HOOU) und OERinfo als auch einer Auswahl von bottom up-Aktivitäten wie OERcamps und -MOOCs. Auch Leerstellen werden ausgewiesen („Apart from the several projects in the course of the OERinfo funding programme (see Section 6.6) the authors are not aware of any governmental activity related to vocational training.“)

Der Report schließt mit drei Szenarien, in denen spekuliert wird, wie sich das Thema nach den September-Wahlen entwickeln wird. Die Autoren sind dabei verhalten optimistisch:

„Despite of all the activity mentioned in this report, OER has not reached the educational mainstream in Germany yet. But it seems to be moving in the right direction.“ (S. 76)

Dominic Orr, Jan Neumann und Joeran Muuss-Merholz, UNESCO Institute for Information Technologies in Education, Moskau 2017 (pdf)

01Nov/17

Reviving the MOOC

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Stephen Downes, einer der Gründerväter der MOOC-Bewegung, nimmt den Ball auf, den Dhawal Shah kürzlich gespielt hatte („A Proposal to Put the ‚M‘ Back in MOOC“). Dafür stellt er noch einmal das ursprüngliche Modell der cMOOCs den folgenden xMOOCs gegenüber. Im zweiten Teil beschreibt er zwei Geschäftsmodelle: das der heutigen Elite-Universitäten und das von Hochschulen, die den MOOC-Idealen folgen. Das Letztere gerät jedoch etwas schemenhaft.

Doch die Eckpfeiler des ursprünglichen Modells – Studierende, die selbstorganisiert ihre Lernprozesse steuern; keine Vorlesungen, sondern Lernimpulse; der wechselseitige Austausch in Communities – können nach wie vor auch für Corporate Learning als Blaupause dienen.
Stephen Downes, Half an Hour, 25. Oktober 2017

30Okt/17

My part in the battle for Open (universities)

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Wenn ich die Zeilen von Martin Weller über Open Education und seine Arbeit an der Open University lese, kommen mir zwei Gedanken: zum einen frage ich mich, warum ich das deutsche Pendant, die FernUni Hagen, in dieser Diskussion so viel weniger und leiser wahrnehme; und dann überlege ich, ob es nicht vielleicht Zeit für ein Rebranding ist, ob nicht die Vorsilbe „Fern“ etwas aus der Zeit fällt und ob nicht „open“ ein zeitgemäßeres, bildungspolitisches Statement wäre.

Wie auch immer: Martin Weller sieht jedenfalls auch in Zeiten von Massive Open Online Courses noch genügend Gründe für die Existenz einer Open University. Stichworte seines Beitrages sind unter anderem „reclaiming the open history“ und „open educational practice“.
Martin Weller, The Ed Techie, 25. Oktober 2017

Bildquelle: The Open University (Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)