All posts by jrobes

15Nov/17

Revisiting 70:20:10

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die 70:20:10-Formel, so mein Eindruck, ist „angekommen“. Weiterbildung und Lernen spielen sich nicht nur im Seminarraum ab, sondern auch am Arbeitsplatz und im Austausch mit anderen. So weit, so klar. Aber ab und zu treffen sich dann doch noch Experten, Interessierte und manchmal auch Zweifelnde, um sich über die Formel und darüber, was man mit ihr in der Praxis anstellen kann, zu verständigen. So gab es kürzlich einen Twitter-Chat zum Thema, und Clark Quinn versucht hier eine Zusammenfassung.

Zwei Punkte habe ich mir notiert: a) Wenn die Zahlen stören, dann bietet zum Beispiel die Aufteilung in „education – exposure – experience“ eine Alternative; b) Warum nicht die Formel als „design tool“ nutzen, um – ausgehend von den 70 Prozent – für ein Thema Aktivitäten und Angebote auf allen Ebenen zu entwickeln bzw. zu unterstützen?
Clark Quinn, Learnlets, 7. November 2017

Bildquelle: Ryan Tracey (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

15Nov/17

Lernen Bildungsferne lieber offline?

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ein Teufelskreis: Bildungsanbieter laden in Seminare und Workshops ein und lassen sich von zufriedenen Teilnehmern bestätigen, dass sie lieber vor Ort zusammenkommen als einen Online-Kurs bearbeiten. So wird das natürlich nichts mit der Digitalisierung in der Weiterbildung, meint Ulrich Schmid (MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung), und stellt folgende Fragen:

  • Haben Bildungsanbieter wirklich systematisch geprüft, welche Programme sich fachlich und didaktisch besser offline als online durchführen lassen?  Oder hängt man oft nur an bewährten Geschäftsmodellen?
  • Können bestimmte Ziele wie die Entwicklung digitaler Kompetenzen überhaupt durch Offline-Schulungen erreicht werden?
  • Kann man in der heutigen Arbeitswelt überhaupt auf effiziente Online- und OnDemand-Dienste verzichten?

Vor diesem Hintergrund sollte jeder Bildungsanbieter, so Ulrich Schmid, sein bestehendes Portfolio auf den Prüfstand stellen. Bevor andere es tun. Didaktische wie geschäftliche Potenziale sind in jedem Fall da.
Ulrich Schmid, Digitalisierung der Bildung/ Bertelsmann Stiftung, 15. November 2017

14Nov/17

3 ways technology can help build business agility

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die Autorin leitet ihren Weckruf wie folgt ein: „In this article I explore three ways that organisations can be using learning technologies to enhance the learning experience in ways that increase staff and business agility.“ Die Punkte stimmen: Make connections; Learn on the move; Prioritise learning transfer.

Schließlich: „Your workers are often at the forefront when it comes to adopting L&D technologies – even if they don’t call it learning, they are connecting with others and accessing the learning they need on the move. It’s time to catch up! Are you already using these learning technologies in your L&D strategy?“

Priya Dharni, Towards Maturity, 13. November 2017

14Nov/17

Der Tag des Shopping-Wahnsinns

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

In Ökosystemen denken. Bildungsangebote als Experience, als Entertainment, eingebettet in bestehende, lustvolle Interaktionsformate. Nicht online oder offline, sondern dort, wo sich die Menschen aufhalten. Und unter neuem Namen, denn „Weiter-Bildung“ passt irgendwie nicht ins Bild.

Zu diesen Stichworten inspiriert hat Anja C. Wagner Online-Händler Alibaba und der „Singles‘ Day“ (11.11.), mit dem sie uns in ihrem aktuellen Newsletter bekannt macht.
FrolleinFlow / FLOWCAMPUS, The NeWoS, November 2017

Bildquelle: Olaf Kosinsky (Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de)

14Nov/17

Lern- und Lehrvideos: Gestaltung, Produktion, Einsatz

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Für das „Handbuch E-Learning“ haben Martin Ebner und Sandra Schön diesen Beitrag geschrieben und als Entwurf veröffentlicht. „Lern- und Lehrvideos sind heute unerlässliche Bestandteile eines zeitgemäßen Unterrichts“, schreiben sie, und nachdem das geklärt ist, zählen sie verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Lern- und Lehrvideos auf: von der Suche nach schnellen Antworten auf YouTube bis zu Massive Open Online Courses.

Es folgt ein Überblick über einige wichtige Formate wie Screencasts, Legetechnik-Videos, Tafel- und Whiteboardanschriften, Vorträge, Reportagen, Studioaufzeichnungen, Live-Vorträge, Animationen und Trickfilme, Interviews, Blockbuster (wenn es etwas mehr Budget gibt …) und, als ganz aktueller Trend, 360-Grad-Videos. Ein Lernvideo-Canvas gibt Interessierten schließlich noch eine praktische Starthilfe an die Hand. Für Einsteiger.
Martin Ebner und Sandra Schön, in: Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), Köln, 71. Erg. Lfg., Oktober 2017 (via ResearchGate)

10Nov/17

Mein Wochenausklang: Brauchen wir „Microlearning“?

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

In diesen Wochen erreicht mich wieder eine Fülle an Webinar-Angeboten. Ab und zu melde ich mich für eines an, und ab und zu raffe ich mich dann tatsächlich auf, auch einmal reinzuhören. Diese Woche ging es um „Micro-Learning and Gamification“. Ich bin dann doch zur Halbzeit aus dem Angebot ausgestiegen, weil es eher an Einsteiger adressiert war. Aber über den Begriff Microlearning habe ich noch eine Weile nachgedacht.

Ich weiß noch, dass es 2005 eine Microlearning-Konferenz in Innsbruck gab. Auf dieser (oder der nächsten, 2006?) bin ich gewesen. Damals führte der Begriff Microlearning noch beide Welten zusammen: die Internet-Avantgarde, die von Hypertext, RSS und „small pieces, loosely joined“ schwärmte; und die EdTech-Vertreter, die schon an neue Anwendungen für das mobile Lernen glaubten. Mit dem iPhone und YouTube haben dann die letzteren das Feld und den Begriff übernommen.

Was aber den Umgang mit Microlearning nicht leichter gemacht hat. Zwar ist man sich heute einig, dass mit Blick auf Nutzungsroutinen, Aufmerksamkeitsspannen und Vergessenskurven kein Weg an kurzen Lerneinheiten vorbeiführt. Aber hat man damit schon ein pädagogisches Konzept? Wenn ich den Begriff zum Beispiel in der „Mediendidaktik“ von Michael Kerres nachschlage, so werde ich zum Kapitel „Behaviorismus“ geführt. Dort wird Microlearning mit dem mobilen Lernen zusammengebracht, aber auch mit der Warnung, dass sich in kurzen Zeitfenstern nur begrenzte Lerninhalte, sprich: Faktenwissen, sinnvoll bearbeiten lassen. Es liest sich eher wie eine Verlegenheitslösung.

Im eingangs erwähnten Webinar gab es ein Schaubild mit einer Gegenüberstellung von Microlearning und Macrolearning (der Begriff war mir, das nur am Rande, neu). Microlearning, so heißt es da unter anderem, kommt ins Spiel, wenn ich sofort eine Antwort benötige („I need help now“), Macrolearning dagegen antwortet auf „I want to learn something new“. Das eine ist getrieben durch meine Fragen, beim anderen werde ich von Experten geführt. Aber auch diese Unterscheidung wirft Fragen auf, und ich bin nicht sicher, ob sie es in die Neuauflage der „Mediendidaktik“ schaffen wird.

Vielleicht, so mein heutiges Fazit, erweitert Microlearning vor allem den Blick: darauf, dass Lernen ein kontinuierlicher Prozess ist, in dem „große Lernblöcke“ durch kleine Impulse eingeleitet oder durch kurze Refresher fortgeführt werden können; darauf, dass Lernen formal und informell stattfindet und an vielen Stellen, oft hinter unserem Rücken, fest in unseren Alltag eingebettet ist. „Alte“ Newsletter-Dienste versuchen auch, solche Impulse zu setzen. Heute kommen sie als Messenger-Dienste via WhatsApp oder Telegram daher, wie die „tägliche Dosis Politik“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Auch eine Form von Microlearning!?

10Nov/17

Wächter des Weltwissens – wie Automaten Wikipedia beschützen

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die Bertelsmann Stiftung hat ein neues Projekt, „Ethik der Algorithmen“, gestartet, und im Projektblog findet sich dieser Artikel über den Einsatz von Bots in Wikipedia. Über 350 sind es, die heute die Funktionsfähigkeit der Online-Enzyklopädie gewährleisten. Denn während die Zahl der Artikel auf Wikipedia weiter steigt, hat die Zahl der aktiven Autoren von 50.000 auf 30.000 abgenommen. Um diese zu entlasten, werden Bots eingesetzt. Ich glaube, dass es zum Stichwort „Ethik der Algorithmen“ sicher Einsatzfelder gibt, auf denen der Einsatz von Bots strittiger oder überraschender ist. Trotzdem habe ich den folgenden Hinweis in mein persönliches Merkheft übertragen:

„Kernpunkt dabei ist, dass Wikipedia keine weitere soziale Plattform sein will. Das Projekt will  sich nicht darauf verlassen, dass die Leser selbst schon entscheiden, welchen Informationen sie trauen können. …“

Torsten Kleinz, Algorithmenethik/ Bertelsmann Stiftung, 8. November 2017

10Nov/17

The Case(s) Against Personalized Learning

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Die USA sind in der Regel einen Schritt weiter: in der Entwicklung von EdTech, in der Implementierung von EdTech in Schulen und Hochschulen und in der kritischen Auseinandersetzung mit der neuen Praxis und ihren Folgen. Das betrifft auch „personalized learning“, das ja gerne als zentrales Versprechen der Digitalisierung der Bildung gehandelt wird.

„Wissen digital zugänglich zu machen ist ein wichtiger Schritt der Bildungsrevolution. Der nächste heißt Personalisierung.“ (Jörg Dräger/ Ralph Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsevolution, 2015, S. 61)

Trotzdem stehen wir noch am Anfang der Entwicklung. Das heißt, auch um Grundsätzliches wie Begriffe und Deutungen wird noch gestritten. Der vorliegende Artikel gibt drei Einwänden Raum:
Argument#1: The Hype Outweighs the Research („The evidence base is very weak at this point“, John F. Pane)
Argument #2: Personalized Learning is Bad for Teachers and Students („It’s behaviorism on a screen“, Alfie Koon)
Argument #3: Big Tech + Big Data= Big Problems („When Facebook promises personalization, it’s really about massive data collection“, Audrey Watters).

Der Artikel wird von weiteren Beiträgen zum Thema begleitet. Und auch wenn Schulen hier im Mittelpunkt, EdTech und „personalized learning“ sind eine Entwicklung, die keinen Bildungsbereich auslassen wird.
Benjamin Herold, Education Week, 7. November 2017

08Nov/17

Online lernen mit MOOCs – ist das was für jedermann?

Quelle: Weiterbildungsblog Autor: jrobes

Ein Selbstversuch, den ich nicht so richtig einordnen kann: Ist es 2017 wirklich noch ein „Wagnis“, an einem Online-Kurs teilzunehmen und darüber auf einem Blog zu berichten? Macht es Sinn, mehrere Kurse „auszuprobieren“, um die eigene Lernmotivation und Disziplin zu beobachten? Und um dann Rückschlüsse auf die Abbrecherquoten der MOOC-Plattformen zu ziehen? Und will man als Pädagogin von einem „Erfolg“ sprechen, wenn man es irgendwie geschafft hat, einen Kurs komplett durchzuarbeiten und mit Auszeichnung abzuschließen?

Wenn man diese Fragen einmal beiseiteschiebt, bleiben nützliche Informationen über einige aktuelle Online-Kurse und -Plattformen, ihre Merkmale und mögliche Hürden für Lernende, sich aktiv einzumischen. Allerdings macht die Autorin um die Frage, welche Anbieter ihre Kurse heute noch „MOOCs“ nennen und welche Kurse das Attribut verdienen, einen Bogen. Dafür hat sie zum Abschluss noch einen wichtigen Hinweis, den auch Bildungsanbieter aktiv unterstützen können:

„Hilfreich könnte es sein, die Unverbindlichkeit und Anonymität dadurch abzuschwächen, dass man beispielsweise Freunde in den MOOC einlädt und sich mit diesen verabredet, gemeinsam zu bestimmten Zeiten zu lernen.“

Sabrina Thom, Digitalisierung der Bildung/ Bertelsmann Stiftung, 7. November 2017