Category Archives: Bildungsserver.de Blog

28Jun/17

„Literaturinformationssysteme müssen einfacher, handhabbarer werden.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (6)

Eva Elisabeth Kopp, Fachreferentin für Psychologie, Bildungs- und Sozialwissenschaften an der SULB Saarbrücken


FRAGEN AN
Eva Elisabeth Kopp, Fachreferentin für Psychologie, Bildungs- und Sozialwissenschaften an der SULB Saarbrücken und Mitglied der Kommission für Fachreferatsarbeit im Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Wir sprachen mit ihr über Fachinformationssysteme im Allgemeinen und die Informationskompetenz der Studierenden im Besonderen.

 

 

 

 

Frau Kopp, was macht eigentlich eine Fachreferentin einer Universitätsbibliothek?

Ich betreue den zentralen Bibliotheksbestand für die Fächer Bildungswissenschaften, Psychologie und Sozialwissenschaften und schule Studierende im Umgang mit unseren Datenbanken und Informationsangeboten; darunter natürlich auch die FIS Bildung Literaturdatenbank und das Fachportal Pädagogik.

Was muss ein Fachinformationssystem aus Ihrer Sicht leisten?

Aus Sicht der Studierenden wäre sicherlich ein Informationssystem hilfreich, das zentral alle Literaturnachweise, Volltexte mittels Authentifizierung und Weblinks zu einem Fachgebiet bzw. Thema bereitstellt, und dazu noch Kontakte zu Experten vermittelt, denen man direkt Fragen stellen kann. In den jetzigen Systemen sind ab und an einige Hürden zu überwinden, die eigentlich nur für den Informationsexperten Routine sind.

Zum Beispiel?

Die vielen Ausnahmen, auf die man bei einer Recherche in ein und demselben Informationssystem stößt, sind oft schwer zu vermitteln: Bei dem einen Datensatz kommt man an der einen, beim anderen an einer anderen Stelle nicht weiter. Es sind Systeme, die sich aus verschiedenen Quellen speisen, und es ist viel Koordinationsaufwand notwendig, um ein solches Informationssystem einzurichten und zu pflegen. Und dann besteht ja auch die Notwendigkeit, sich dem aktuellsten Nutzerverhalten anzupassen. Dort zu sein, wo der Nutzer ist und nicht darauf warten, dass man gefunden wird. Ich finde, die Literaturinformationssysteme müssen einfacher, handhabbarer werden. Dann stelle ich auch immer wieder fest, dass Angebotsstrukturen entwickelt werden, die es an anderer Stelle bereits gibt. Zum Beispiel finde ich es unsinnig, dieselbe Zeitschrift in unterschiedlichen Datenbanken auszuwerten. Das ist zeit- und kostenintensiv, und der Nutzer weiß irgendwann nicht mehr, welche Datenbank welches Profil hat, und worin der Mehrwert seines Fachinformationssystems besteht. Studierende kann das sehr verwirren. Aber viele Fachinformationssysteme sind da auf einem guten Weg. Ich weiß, wie viel Arbeit sich dahinter verbirgt.

Wie ist es um die Informationskompetenz der Studierenden bestellt?

In unseren Seminaren zeige ich den Studierenden unser Wissensportal, in dem unsere Bestände und die lizenzierten elektronischen Ressourcen eingebettet sind. Über DBIS führe ich sie auch in die Welt der frei verfügbaren Quellen ein. Dazu gehört auch die FIS Bildung Literaturdatenbank. Da Studierende auch oft von zu Hause recherchieren – sie loggen sich mit ihrer Kennung ein und können so die elektronischen Ressourcen nutzen – erkennen sie den Unterschied zwischen einer freien und den von der SULB  lizenzierten Quellen oft gar nicht. Letztlich ist ihnen das auch gleichgültig. Denn in Zeiten schneller Credit Points und kurzer Studienzeiten zählt eigentlich nur der direkte Weg zum Volltext. Deshalb sind Volltextdatenbanken oder Datenbanken mit direkter Verknüpfung zu den von uns lizenzierten Inhalten oder eben zu frei zugänglichen Quellen sehr attraktiv. Die Informationskompetenz ist ein wichtiges Thema. Da kann man nicht zu viel schulen, da sich ja auch vieles rasch ändert.

Die Schulungen sind also sinnvoll?

Auf jeden Fall! Im Zusammenspiel mit Fachbereich und Studienplan sind wir gefragt. Aber es zeigt sich, dass es immer schwieriger wird, in den Bachelor- und Masterstudiengängen ergänzende Veranstaltungen zur Informationskompetenz überhaupt zu platzieren. Die Studenten kommen meist schon mit einer überschaubaren und vordefinierten Anzahl erwünschter Quellenangaben für ihre Referate und Hausarbeiten. In weitergehenden Recherchen oder weiter gefassten Schlagworten sehen sie eigentlich gar keinen Sinn. Und das, obwohl wir als Universitätsbibliothek ein großes Spektrum an Modulen zur Vermittlung von Informationskompetenz anbieten: Wie nutze ich den zentralen Bibliothekskatalog? Wie recherchiere ich in dieser oder jener Datenbank? Wenn Studierende dann mit einem ganz konkreten Thema kommen, recherchiere ich natürlich mit ihnen in der jeweiligen Fachdatenbank – zum Beispiel in der FIS Bildung Literaturdatenbank – und zeige, wie sich Themenaspekte noch weiter präzisieren lassen. Da die Forschung an der Uni Saarbrücken recht psychologielastig ist, sind eher englischsprachige Volltexte gefragt als die FIS Bildung Literaturdatenbank.

Wenn Sie sich noch was von einem Fachinformationssystem wünschen könnten – was wäre das?

Webinare, mit denen in einer halben Stunde am Bildschirm die Struktur und die wesentlichen Funktionen mitsamt Hilfen noch einmal präsentiert und erklärt werden. So etwas finde ich richtig gut, weil ich da mein Wissen immer wieder auffrischen kann – ohne große Hürden.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Frau Kopp!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


In dieser Reihe auch veröffentlicht:

27Jun/17

„Über die FIS Bildung ist unser Angebot auch in den Bibliotheken der Schweizer Hochschulen bekannt geworden.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (5)

Michel Rohrbach, Leiter des Informations- und Dokumentationszentrum (IDES), Schweiz


FRAGEN AN Michel Rohrbach, Leiter des Informations- und Dokumentationszentrum (IDES) der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), dem schweizerischen Pendant zur deutschen Kultusministerkonferenz. Aufgabe von IDES ist es, das föderale Bildungswesen in der Schweiz mit seinen 26 Kantonen zu dokumentieren. Das Akronym, das übrigens in allen vier Schweizer Landessprachen sowie in Englisch funktioniert, steht für „Information Dokumentation Erziehung Schweiz“. Mit Michel Rohrbach sprachen wir über die Bedeutung der FIS Bildung Literaturdatenbank aus Schweizer Perspektive.

 

 

 

Herr Rohrbach, seit wann besteht die Kooperation zwischen IDES und dem Fachinformationssystem Bildung?

Der Vertrag mit FIS Bildung wurde formal 1998 geschlossen, aber wir waren schon vorher am FIS-Verbund beteiligt. „Ordentliches Mitglied“ sind wir also seit genau 19 Jahren. Ähnlich wie das Dokumentationszentrum der KMK richtet sich IDES mit seiner Arbeit eher an der Bildungspolitik und Bildungsverwaltung aus als an der Bildungsforschung. Durch die Führung des Dokumentenservers edudoc.ch und die dadurch entstandene Zusammenarbeit, tragen wir aber auch dazu bei, die Fachliteratur von Einrichtungen der Schweizer Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft zu sammeln und zu dokumentieren; dazu gehören beispielsweise die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) oder die Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH). Beide sind übrigens auch Mitglied im FIS Bildung-Verbund.

Welches Segment an Fachliteratur deckt IDES an der FIS Bildung Literaturdatenbank ab?

IDES dokumentiert hauptsächlich die Strukturen und Entwicklung der Bildungssysteme in den Kantonen der Schweiz, deren Schulgesetzgebung und andere Regelungen. Aber aufgrund der Zusammenarbeit über den Dokumentenserver mit der SKBF und anderen Einrichtungen liefern wir auch Datensätze, die mit Bildungsforschung zu tun haben, etwa Artikel einschlägiger Journals und Monographien. Über diesen Weg können wir die Fachliteratur zur gesamten Bildungsforschung in der Schweiz an die FIS Bildung liefern.

Was haben sie als Schweizer Informations- und Dokumentationszentrum von der Kooperation?

Wir haben von der Zusammenarbeit immer extrem profitiert! Zum einen haben wir über die Mitarbeit an der FIS Bildung Literaturdatenbank die Möglichkeit, unser Angebot auch an den Bibliotheken der Hochschulen und den Instituten für Bildungsforschung und Erziehungswissenschaften bekannt zu machen. Zum anderen macht der regelmäßige Austausch an den Tagungen die Kooperation für uns so attraktiv – dort werden viele für uns relevante Themen behandelt. Ein paar Beispiele: Zu Beginn unserer Zusammenarbeit gab es viele Diskussionen über die Evaluation von IuD-Einrichtungen (Anm. der Red. Information und Dokumentation) in Deutschland. In der Schweiz haben wir zwar ein anderes System der Finanzierung, aber für uns war es sehr wichtig zu sehen, wie sich die deutschen Einrichtungen präsentieren und positionieren: Was machen wir eigentlich genau? Wo liegen unsere Stärken? Auch wenn wir solchen Evaluierungsprozessen nicht unterliegen, haben wir in unserer Arbeit von diesen Überlegungen sehr profitiert. Ein anderer Punkt sind die technischen Entwicklungen: Wir waren in der Schweiz zwar anfangs schneller, weil wir uns in der Lage befanden, selber einen Dokumentenserver mit vergleichsweise wenig finanziellen Mitteln aufzubauen, wurden dann aber schnell überholt von den deutschen Einrichtungen – sie bekamen mehr Mittel und konnten die technische Entwicklung deshalb besser vorantreiben. Und aktuell werden Fragen rund um Forschungsdaten erörtert: Wo und wie können sie eingebettet werden? In welchem Zusammenhang stehen sie mit den Literaturinformationen? Auch das sind für uns relevante Entwicklungen, an denen wir als IDES sonst nicht teilhaben könnten, weil wir nicht im universitären Bereich aktiv sind und uns darum die Anknüpfungspunkte fehlen.

Wie wird die FIS Bildung Literaturdatenbank in der Schweiz wahrgenommen?

Für mich als Schweizer ist es interessant zu sehen, wie die Strukturen der finanziellen Förderung in Deutschland ausgestaltet sind. Zu verfolgen, wie Projekte beantragt werden, welche bewilligt und umgesetzt werden – und welche Entwicklungen daraus erwachsen oder eben auch nicht. Und natürlich ist die FIS Bildung Literaturdatenbank aufgrund ihrer Größe einfach bekannter. Deshalb konnte sie uns auch Türen in den universitären Bereich öffnen; IDES und FIS Bildung ergänzen sich gut. Zum Studienbeginn werden den Studierenden in der Schweiz alle wichtigen nationalen und internationalen Informationssysteme vorgestellt, neben den beiden genannten auch internationale Datenbanken wie ERIC und andere. Allerdings ist es schwer zu sagen, wie stark die Angebote am Ende wirklich genutzt werden.

Was schätzen Sie am FIS Bildung-Verbund – und was wäre aus Ihrer Sicht noch wünschenswert?

Was ich schön finde ist, dass die Leute bei FIS schon lange dabei sind. Dadurch ist der Austausch sehr offen, unkompliziert und von Kontinuität geprägt. Das schätze ich wirklich sehr, und ich gehe auch weiterhin sehr gern zu den Tagungen! Was ich mir noch wünschen würde? Vielleicht einen Austausch mit Kollegen aus anderen benachbarten europäischen Ländern, Italien oder Frankreich wäre interessant. Es könnte von Nutzen sein, sich da noch weiter zu öffnen.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Rohrbach!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


In dieser Reihe auch veröffentlicht:

 

26Jun/17

„Die FIS Bildung Literaturdatenbank unterstützt die Vernetzung von Fachdidaktikern.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (4)

Dr. Friederike Korneck


FRAGEN AN
Dr. Friederike Korneck Akademische Oberrätin am Institut für Didaktik der Physik der Universität Frankfurt und Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Fachdidaktiken (GFD). Für sie ist die FIS Bildung Literaturdatenbank ein unentbehrliches Instrument für den wechselseitigen Austausch und die Zusammenarbeit innerhalb der Fachdidaktik-Community mit ihren 22 Unterrichtsfächern und mindestens ebenso viele Einzelgesellschaften für Fachdidaktik.

 

 

 

 

Frau Dr. Korneck, wie hängen die Gesellschaft für Fachdidaktiken und die FIS Bildung Literaturdatenbank zusammen?

Wir sind sehr froh, dass sich das FIS Bildung-Team für die Literatur aus den vielen verschiedenen Fachdidaktiken engagiert und dafür sorgt, dass sie in der Literaturdatenbank gut vertreten sind. Mit knapp 20.000 Nachweisen ist das Angebot an fachdidaktischer Literatur auch sehr groß. Die FIS Bildung ist für uns so wichtig, weil wir uns hier über die Forschungsideen und -methoden unserer Kollegen informieren können und damit der wissenschaftliche Austausch über die Disziplinen hinweg möglich wird. Es gibt ja neben den fachspezifischen Anteilen immer auch Gemeinsames – und das nicht nur innerhalb der Naturwissenschaften. Gerade im didaktischen Bereich kann man gut fächerübergreifend voneinander lernen! Auf unserer Mitgliederversammlung Ende Mai zeigte sich, dass die FIS Bildung Literaturdatenbank unter den Fachdidaktikern der verschiedenen Disziplinen ein sehr wichtiges Rechercheinstrument ist.

Ist nicht auch die Sichtbarkeit innerhalb der Bildungsforschung wichtig?

Ja natürlich! Die Fachdidaktiken sind an den Universitäten– mit wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel die erziehungswissenschaftliche Fakultät in Hamburg – bei den jeweiligen Fächern angesiedelt und eben nicht bei den Erziehungswissenschaften. Diese räumliche Nähe zum jeweiligen Fach ist zwar eine gute Sache, aber sie erschwert den Austausch unter den Fachdidaktikern und mit den Bildungswissenschaftlern. Deshalb ist es wichtig, dass wir Fachdidaktiker z.B. bei den Tagungen der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF) auftreten und so dafür sorgen, dass unsere Forschungsergebnisse von der Community der empirischen Bildungsforschung wahrgenommen und anerkannt werden. Diese Vernetzung, die durch die Literaturdatenbank zusätzlich unterstützt wird, ist für uns wichtig.

Was könnte an der FIS Bildung aus Ihrer Sicht noch optimiert werden?

Schade finde ich, dass Artikel aus unterrichtspraktischen Zeitschriften häufig nicht online als pdf am eigenen Computer verfügbar sind. Oft kommt man an interessante Artikel nicht gut heran, entweder weil die Wege so lang sind, oder eine Zeitschrift in der Bibliothek eben nicht vorgehalten wird. Aber das ist eigentlich kein Problem der Literaturdatenbank, sondern der Verlage, die nicht so mitmachen, wie das für Wissenschaftler wünschenswert wäre. Dafür werden aber zukünftig  wichtige Open Access-Zeitschriften aufgenommen, das ist ein großer Vorteil.
Generell würden wir Didaktiker uns noch mehr graue Literatur wünschen wie Tagungsdokumentationen, Projektberichte oder auch Veröffentlichungen aus den Ministerien – das wäre ein echter Gewinn. Der Dokumentenserver pedocs wäre dafür genau der richtige Ort.

Und was finden Sie besonders gut?

Dass die Fachdidaktiken nicht nur bei der FIS Bildung Literaturdatenbank, sondern im gesamten Angebot des Fachportals Pädagogik so gut vertreten sind. Leider ist es nicht ganz übersichtlich, man muss immer verschiedene Stellen konsultieren: Die FIS Bildung, den Guide Bildungsforschung oder ProHabil – übrigens eine Datenbank, in der man sehr viele interessante Dissertationen und Habilitationen der Fachdidaktiken findet. Aber mit dem geplanten Relaunch wird die Nutzerführung ja deutlich verbessert werden. Und dann gibt es auch noch forschungsdaten-bildung.de, ein tolles Angebot! Hier habe ich vor einigen Monaten Forschungsdaten aus einem Projekt abgegeben – und von den Kollegen dort so viel Unterstützung erfahren, dass es am Ende kaum Arbeit für mich war. Und jetzt sind die Daten gut dokumentiert und können von anderen Wissenschaftlern gefunden und sogar zitiert werden. Ein großartiger Service, den ich wirklich jedem Kollegen empfehlen kann.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Frau Dr. Korneck!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


In dieser Reihe auch veröffentlicht:

22Jun/17

„Wir haben immer sehr von der fachlichen Expertise im FIS Bildung-Verbund profitiert“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (2)

Dr. Albrecht Schöll, ehem. Leiter des Zentralen Dienstes Information – Dokumentation – Bibliothek beim Comenius-Institut


FRAGEN AN Dr. Albrecht Schöll, der von 1986 bis 2014 Leiter des
Zentralen Dienstes Information – Dokumentation – Bibliothek des Comenius-Instituts war. Die evangelische Arbeitsstätte für Erziehungswissenschaft ist eine der fast 30 Partnereinrichtungen des FIS Bildung-Verbunds, die zur FIS Bildung Literaturdatenbank beitragen. Wir sprachen mit Herrn Schöll über die Zusammenarbeit mit dem FIS-Verbund und seiner Bedeutung für die teilnehmenden Partner.

 

 

 

 

Herr Dr. Schöll, das Comenius-Institut ist Partner der ersten Stunde im FIS Bildung-Verbund. Seit wann genau?

Ich erinnere mich noch, dass ich zu Beginn meiner Tätigkeit 1986 an Tagungen des „Dokumentationsrings Pädagogik“ teilgenommen habe, dem Vorgänger von FIS Bildung. Damals waren unter anderen noch mein Vorgänger Dr. Karl-Heinz Hochwald und der damalige Leiter der Frankfurter Forschungsbibliothek Hartmut Müller beteiligt. 1992 ist daraus dann der Verbund „Fachinformationssystem Bildung“ entstanden. Das Comenius-Institut war also wirklich von Anfang an dabei.

Welches Segment an Fachliteratur deckt das Comenius-Institut ab?

An die FIS Bildung-Datenbank liefern wir unsere Datensätze der religionspädagogischen Fachliteratur. Wir werten rund dreihundert Zeitschriften aus. Der Bereich der Religionspädagogik wird vollständig abgedeckt und natürlich bearbeiten wir auch noch allgemein die Bereiche Pädagogik, Soziologie und Psychologie. Die Lieferungen aus diesen Disziplinen übernehmen aber die Partner, deren Fachgebiet das ist.

Was verbinden Sie nach der über 25jährigen währenden Zusammenarbeit mit FIS Bildung?

Für mich waren die Tagungen des Verbunds immer am wichtigsten. Sie finden ja ein bis zwei Mal im Jahr statt und geben jedes Mal Impulse und Anregungen für die eigene Arbeit. Ich erinnere mich noch gut an Tagungen zu Beginn der Nullerjahre als die FIS-Kolleginnen und -Kollegen die automatische Indexierung von Schlagworten vorstellten. Sie kamen damals zum Ergebnis, dass dieses Verfahren die intellektuelle Erschließung nicht ersetzen würde. Für uns war das ein sehr wichtiger Hinweis, denn wir hatten lange überlegt, die automatische Erschließung einzusetzen, es daraufhin aber als Option ausgeschlossen. Von solchen fachlich fundierten Einschätzungen haben wir immer wieder profitiert. Andere für mich wichtige Themen waren die Nutzerorientierung in Fachportalen: Welche sind sinnvoll, welche nicht? Auch die Frage wie Informationsportale sinnvoll evaluiert werden können – und natürlich die Idee des „Open Access“. Wir haben recht früh damit begonnen, unsere wissenschaftlichen und anwendungsbezogenen Publikationen als frei verfügbare Volltexte auf unserem Server bereit zu stellen, auch gegen die anfängliche Skepsis manches Kollegen, dass dies auf Kosten der Printmedien gehen würde. Eine Sorge, die sich nicht bewahrheitet hat, weil sich beide Veröffentlichungswege oft ergänzen.

Wichtig ist also die informations- oder bibliothekswissenschaftliche Expertise im Verbund?

Ja, denn kleine Institute haben weder Zeit noch Personal, um solches Wissen zu erarbeiten oder aufbauen zu können. Neben dem engen Kontakt und Austausch mit dem FIS-Team war und ist aber auch der Erfahrungsaustausch innerhalb des FIS-Verbunds ganz wichtig. Als Dokumentationsstelle haben wir davon sehr profitiert, weil wir mit den kirchlichen Bibliotheken auch in Verbünden gearbeitet haben und unsere Erfahrungen fruchtbar umsetzen konnten. Über verschiedene Verbundstrukturen bieten wir mit unserem System und unseren Online-Angeboten rund 70 religionspädagogisch ausgerichteten Bibliotheken eine zentrale Infrastruktur. So ermöglichen wir beispielweise auch kleinen Kreis-Mediatheken Angebote, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Wir machen also im Kleinen, das was das Fachinformationssystem Bildung im Großen macht. Und ganz nebenbei, aber nicht unwichtig: Die dabei vertraglich festgelegten Vereinbarungen schützen uns bis heute vor unüberlegten Spareingriffen; wir können uns immer auf Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern berufen.

Was wünschen Sie dem FIS Bildung-Verbund für die Zukunft?

Dass im Rahmen des DIPF-Arbeitsbereichs „Wissenschaftlichen Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ auch weiterhin Projekte bearbeitet werden, die für die Arbeit von kleineren Dokumentationsstellen und Bibliotheken so wichtig sind. Denn die haben weder die Zeit noch die personellen Ressourcen sich dieses Wissen eigenständig anzueignen. Aber das machen die FIS-Kollegen ja auch weiterhin!

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Schöll!


In dieser Reihe auch veröffentlicht:

  • 25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (3): „Die FIS Bildung ist für die Erziehungswissenschaften im deutschsprachigen Raum wirklich unentbehrlich.“ FRAGEN AN Prof. Dr. Hans-Christoph Koller, den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE).
  • 25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (1): „Fachdatenbanken sind unerlässlich für die kritische Beobachtung der eigenen Disziplin.“ INTERVIEW mit Alexander Botte, dem langjährigen Leiter von FIS Bildung.
20Jun/17

„Die FIS Bildung ist für die Erziehungswissenschaften im deutschsprachigen Raum wirklich unentbehrlich.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (2)

Prof. Dr. Hans-Christoph Koller, Vorsitzender der DGfE


FRAGEN AN
Prof. Dr. Hans-Christoph Koller, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE). Wir sprachen mit ihm über die Bedeutung der FIS Bildung Literaturdatenbank für die Erziehungswissenschaft und was sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von dem Fachinformationssystem noch wünschen.

 

Herr Professor Koller, welchen Stellenwert hat die FIS Bildung Literaturdatenbank für Erziehungswissenschaftler/-innen?

Ich kann natürlich nicht für die komplette Disziplin sprechen. Aber für meinen Bereich – Allgemeine Erziehungswissenschaft, Bildungs- und Erziehungsphilosophie, qualitative Bildungsforschung – kann ich schon sagen, dass die FIS Bildung unstrittig die wichtigste Literaturdatenbank darstellt. Auch die Rückmeldungen meiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand der DGfE zeigen, dass die FIS Bildung Literaturdatenbank für die Erziehungswissenschaft im deutschsprachigen Raum wirklich unentbehrlich ist.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind also keine Wünsche offen?

Doch, das schon! Für uns wäre es zum Beispiel wichtig, dass alle für die Erziehungswissenschaft zentralen Zeitschriften, die einem Peer-Review-Verfahren unterliegen, automatisch erfasst werden. Für die wichtigsten, die ZfPäd, die Zeitschrift für Pädagogik, und die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (ZfE) habe ich stichprobenartig recherchiert und – das gebe ich gerne zu – keinen Artikel vermisst. Einen anderen Hinweis gab es vor einiger Zeit aus der Sozialpädagogik, hier wird die Fachliteratur wohl nicht so vollständig erfasst, wie sich die Kolleginnen und Kollegen das wünschen würden. Aber das ist eher ein strukturelles Problem, weil es sich bei der FIS Bildung Literaturdatenbank um eine Verbundstruktur vieler Partnerinstitutionen handelt, die ihre Literaturnachweise in die zentrale Datenbank einspeisen. Was noch verbessert werden könnte, wäre der Zugang zu online verfügbaren Texten. Bei einigen Nachweisen gibt es zwar Links, nur funktionieren sie nicht immer, oder aber sie führen auf Seiten mit Bezahlschranken (Anm. der Redaktion: Die Nachweise der letzten 10 Erscheinungsjahre verweisen auf 33% der Nachweise auf Volltexte).

Gibt es etwas, das Sie an dem Angebot besonders schätzen?

Dass es bei Sammelwerken Inhaltsverzeichnisse und Abstracts gibt und dass es die Verfügbarkeitsprüfung gibt. Bei Monographien wird mir zum Beispiel immer mit angezeigt, über welche Bibliothek ich sie gegebenenfalls bestellen kann. Das finde ich alles prima! Und was ich auch sehr gut finde: Über die Metasuche des Fachportal Pädagogik kann ich meine Literatursuche auf andere sozialwissenschaftliche Fachdatenbanken ausweiten. Gerade für Themen, die im Übergangsfeld zu den Nachbardisziplinen Soziologie oder Psychologie angesiedelt sind, ist das sehr interessant.

Was wäre, wenn es die FIS Bildung Literaturdatenbank nicht gäbe?

Vor einigen Tagen habe ich mal meine Studierenden gefragt, wie und wo sie nach Fachliteratur recherchieren würden. Zuerst wurde Google Scholar genannt, dann auch noch Beluga, der Katalog der Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg. Auf meine Nachfrage hin stellte sich heraus, dass auch die FIS Bildung Literaturdatenbank nicht nur bekannt ist, sondern auch genutzt wird. Da war ich dann sehr erleichtert (lacht). Also ich würde schon sagen, dass es ein deutlicher Verlust wäre, wenn es FIS Bildung nicht geben würde; die Recherche wäre deutlich erschwert.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Professor Koller!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


In dieser Reihe auch veröffentlicht:

19Jun/17

„Auf Dauer wird der Mehrwert von Open Educational Resources bei den Lehrkräften ankommen.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

 Open Educational Resources (1)

Burkhart Firgau, Landesbildungsserver Baden-Württemberg und Dr. Margret Groß-Hardt, Landesbildungsserver Rheinland-Pfalz

INTERVIEW. Schon seit ihrer Gründung stellen Landesbildungsserver Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtsmaterialien für verschiedene Fächer und Schulformen bereit. So gesehen sind sie eigentlich die natürlichen Partner für Open Educational Resources (OER) – und haben auch gemeinsam mit dem Deutschen Bildungsserver eine Selbstverpflichtung zu OER formuliert. Aber ein paar Hürden gibt es noch. Wir haben das jährliche Redaktionstreffen der Bildungsserver am 18. Mai 2017 in Frankfurt/M. genutzt, um mit Margret Groß-Hardt vom Landesbildungsserver Rheinland-Pfalz und Burkhart Firgau vom Landesbildungsserver Baden-Württemberg zu sprechen – über die Akzeptanz von OER bei Vorgesetzten und Lehrkräften, über rechtliche Widrigkeiten und Lizenzfragen und über noch unausgereiften Technologien.

Frau Groß-Hardt, Herr Firgau, Landesbildungsserver stellen Unterrichtsmaterialien für verschiedene Fächer und Schulformen bereit. Wie viele Materialien kann man auf Ihren Bildungsservern finden?

Margret Groß-Hardt: Der Großteil unseres Materials wird auf der Plattform für Mediendistribution Omega bereitgestellt und ist über eine Schnittstelle in das Angebot des Bildungsservers integriert. Das sind rund 16.000 unterschiedlich komplexe Bausteine – einzelne Arbeitsblätter, Bilder, Filme und konkrete Unterrichtsbeispiele. Die von uns erarbeiteten Materialien machen nur einen Bruchteil aus. Auf dem Bildungsserver werden zusätzlich ca. 14.000 Seiten durch Redakteurinnen und Redakteuren aus dem Pädagogischen Landesinstitut und dem Bildungsministerium gepflegt. Hierbei handelt es sich nicht nur um Unterrichtsmaterial. Es werden vielfältige Informationen, Beratungs- und Fortbildungsangebote zu allen pädagogischen Themen auf unserem Bildungsserver dargestellt. Die Anzahl der reinen Unterrichtsmaterialien ist hier schwer zu schätzen.

Burkhart Firgau: In Baden-Württemberg gibt es drei Instanzen, die Materialien produzieren: Der Lehrerfortbildungsserver, das Landesmedienzentrum und der Landesbildungsserver. Der besteht aus einem Team von 40 Lehrerinnen und Lehrern, die jeweils für ein gewisses Stundendeputat freigestellt sind, um Unterrichtsmaterialien/OER zu erarbeiten. Insgesamt haben wir etwa 60.000 Seiten, das ist aber nicht gleichzusetzen mit der Anzahl der Materialien. Ein Unterrichtsmaterial kann ein kurzer Infotext mit Bild sein, aber auch eine komplette Unterrichtssequenz mit 20 weiteren Unterordnern. Grob geschätzt kommen wir beim Landesbildungsserver auf 10.000 Materialien.

Und wie viele davon kann man als Open Educational Resources bezeichnen?

Burkhart Firgau: Bei uns auf dem Landesbildungsserver ist eigentlich alles OER; sämtliche Materialien können übrigens auch über ELIXIER, dem gemeinsamen Ressourcenpool der Bildungsserver für Lehr-/Lernmaterialien für den Schulunterricht aufgerufen werden. Unser Lehrerfortbildungsserver, der ausschließlich Materialien zur Lehrerfortbildung anbietet, , veröffentlicht inzwischen auch unter CC-BY SA. Nur das Landesmedienzentrum, das sich um die Distribution von Medien kümmert, kämpft sehr mit den Lizenzen und ist noch weit weg davon, OER anbieten zu können.

Margret Groß-Hardt: Wir beteiligen uns ebenfalls an ELIXIER. Einerseits ist ELIXIER eine Quelle für Materialien, die Lehrkräfte über unsere Mediendistributionsplattform OMEGA recherchieren können und andererseits stellen wir unsere Metadaten von Materialien, die bisher noch nicht über ELIXIER erschlossen wurden, auch wieder dort ein. Die vom Pädagogischen Landesinstitut bereitgestellten Unterrichtsmaterialien sind bisher zwar noch keine OER, wir haben jedoch damit begonnen, eine Lizenzempfehlung für die Materialerstellung im Haus zu entwickeln. Mit unserem Projekt OER@RLP im Rahmen der Förderlinie OERinfo haben wir zudem eine bildungsbereichsübergreifende Initiative gestartet, die OER eine stärkere Aufmerksamkeit und Präsenz im Bildungsalltag verleihen soll. Neben der Schule haben wir hier auch die Weiterbildung und die Hochschulen in Rheinland-Pfalz im Blick. Außer uns gibt es noch einen weiteren Landesbildungsserver, der an der Förderlinie OERinfo beteiligt ist: Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg mit dem Projekt OSM@BB – OER für die schulbezogene Medienbildung.

Nochmal zum Verständnis: Worin unterscheiden sich denn Open Educational Resources von den bisherigen Unterrichtsmaterialien?

Margret Groß-Hardt: Durch die Lizenzen und die Möglichkeit sie weiter zu bearbeiten. Copyright-geschützte Handreichungen mit konkreten Beispielen können im Unterricht nur so genutzt werden wie sie zur Verfügung gestellt wurden; individuelle Anpassungen zum Beispiel auf ein aktuelles Schwerpunktthema sind nicht möglich. Auch wenn ich Material an eine Kollegin oder einen Kollegen weitergebe, befinde ich mich in einer rechtlichen Grauzone. Mit der Vergabe von Lizenzen ist das jetzt kein Problem mehr, die rechtliche Unsicherheit schwindet, zumindest weitgehend. Deshalb kam die Creative Commons-Diskussion für uns genau richtig. Unter den CC-Lizenzen gibt es zwei, drei Varianten, die für Open Educational Resources gut geeignet sind.

Die Frage nach Rechten und Lizenzen scheint untrennbar mit dem Thema OER verbunden zu sein?

Burkhart Firgau: Die Rechtefrage wird dann relevant, wenn diese Materialien weiter publiziert werden. Deshalb müssen wir die Sensibilität bei den Lehrkräften wecken, ihr Material mit einer CC-Lizenz zu versehen und versuchen, ihre Haltung zu ändern. Wir haben mal einen Moodle-Kurs erstellt, den Lehrkräfte in ihre eigenen Kurse integrieren können. Auf Wunsch haben  wir das Ganze noch einmal größer angelegt, mit dem Ergebnis, dass Bilder wieder einfach aus Schulbüchern oder aus anderen Kontexten hochgeladen wurden, ohne dass Quellen- oder Rechteangaben dokumentiert oder geprüft worden wären. Als wir dann aber im Rahmen eines Wettbewerbs Moodle-Kurse nach festen Kriterien erarbeiten ließen  konnten wir 10 bis 15 mit einer cc-Lizenz versehenen Kurse auf einer Moodle-Plattform bereitstellen. Man muss den richtigen Dreh finden, das ist nicht ganz einfach.

Stellen eigentlich viele Lehrkräfte ihr eigenes Unterrichtsmaterial in die Bildungsserver ein?

Burkhart Firgau: Das ist eher die Ausnahme als die Regel. Es zeigt sich leider immer wieder, dass Lehrer Einzelkämpfer sind und auch so ausgebildet werden. Manche haben auch Sorge, sich der Kritik der Kollegen auszusetzen. Die Kultur des Teilens ist einfach noch nicht sehr stark ausgeprägt, das muss stärker gefördert werden.

Margret Groß-Hardt: Neben den Bildungsservern gibt es ja auch noch viele andere, meist fachspezifisch ausgerichtete Portale, die auch OER oder Unterrichtsmaterialien bereitstellen. Im Geschichtsbereich ist dafür die Lernplattform für offenen Geschichtsunterricht „segu“ ein Beispiel, oder das Chemiewiki. Engagierte Fachlehrer stellen ihr Material dort ein – oder bei Portalen wie Lehrerfreund, die für eine Veröffentlichung Honorare zahlen. Aktuell bieten wir unseren Lehrkräften noch keine Möglichkeit, ihren „Content“ bei uns einzustellen. Wir sind aber dabei, dies zu ändern und werden künftig ein Repository anbieten, auf welchem Materialien abgelegt und geteilt werden können.

Inwieweit unterstützen eigentlich die Schulverwaltungen Open Educational Resources?

Margret Groß-Hardt: Die Aufmerksamkeit dafür, Unterrichtsmaterialien so zu erstellen, dass sie in den Schulen auch genutzt und weiterbearbeitet werden können – also mit offenen Lizenzen zu arbeiten – ist bei uns im Haus und auch im Ministerium da. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die Möglichkeiten von OER auch in den Aufsichts- und Dienstleistungsdirektionen (ADD) gesehen werden. Mit unserem Projekt OER@RLP wollen wir deshalb auch an diese herantreten, dort und im Ministerium sind bspw. die regionalen Fachberater für die Schulen verortet. Seitens des Ministeriums wird das Thema OER grundsätzlich unterstützt. Damit Lehrkräfte jedoch aktiv OER-Material erstellen, veröffentlichen und teilen, wünsche ich mir, dass auch über Anreizsysteme diskutiert wird.

Burkhart Firgau: Beim Landesbildungsserver Baden-Württemberg publizieren wir ja offiziell OER, also mit ordentlichen Lizenzen versehene Materialien. Die Schulverwaltungen tragen das aber nicht weiter, oft wissen sie gar nicht, was das ist. Das betrifft weniger das Landesinstitut für Schulentwicklung oder das Kultusministerium als das Regierungspräsidium oder die staatlichen Schulämter. Bei denen ist das Thema noch nicht wirklich angekommen.

Angesichts der vielen Anforderungen an Lehrkräfte – haben die überhaupt noch Zeit und Lust sich mit den Möglichkeiten der digitalen Unterrichtsgestaltung auseinanderzusetzen?

Margret Groß-Hardt: Sie müssen! Das Thema Digitalisierung wird in der Schule und im Unterricht einiges ändern. Sicherlich ist das ein Prozess, aber ich gehe davon aus, dass der Mehrwert und die Möglichkeit bei den Lehrkräften ankommen. Und wenn man sieht, dass man von Materialien der Kollegen profitieren kann, ist man eher bereit, sein eigenes Material zu teilen – bewährtes Material, das im eigenen Unterricht schon länger eingesetzt wird und das man vielleicht schon mit Kollegen geteilt hat.

Burkhart Firgau: Das sehe ich genauso. Jetzt braucht es erst mal die Infrastruktur, wie zum Beispiel die diversen Bildungsclouds, die in den Ländern konzeptionell Form annehmen. Sobald es dann eine gut funktionierende Plattform gibt, wird deutlich werden, wie das Material der Anderen die eigene Arbeit erleichtert. Dann ist auch die Hürde, das eigene Material zur Verfügung zu stellen, nicht mehr so groß. Und natürlich muss das auch von der Bildungsadministration gewollt sein, sie muss Lehrkräften eine unterstützende Umgebung anbieten.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Frau Groß-Hardt, lieber Herr Firgau!


Auch zu empfehlen

Praktische Infos und Tipps zu OER hier:

19Jun/17

„Fachdatenbanken sind unerlässlich für die kritische Beobachtung der eigenen Disziplin.“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

 25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (1)

Alexander Botte, langjähriger Leiter der FIS Bildung Literaturdatenbank


INTERVIEW
Alexander Botte kann man getrost als „Vater“ des Fachinformationssystems Bildung, kurz FIS Bildung bezeichnen. Er leitete schon den Modellversuch FIS Bildung ab Januar 1992, bevor die Koordinierungsstelle FIS Bildung 1997 zur Daueraufgabe des DIPF wurde. Seit 2005 ist die Datenbank zentraler Bestandteil des Fachportals Pädagogik. Das Fachportal Pädagogik ist der kostenfreie und zentrale Einstieg in die wissenschaftliche Fachinformation – Literaturdatenbanken, Forschungsdatenquellen und umfassende Informationssammlungen – für Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und pädagogische Praxis.

 

 

 

Herr Botte, die FIS Bildung Literaturdatenbank kann man als Herz des Fachportals Pädagogik bezeichnen, oder?

Ja, das kann man wirklich so sagen. Und das aus verschiedenen Gründen: Die FIS Bildung ist schon bedeutend älter als das Fachportal Pädagogik und bildete den Kern, um den herum dann die ergänzenden Angebote des Fachportals Pädagogik entwickelt wurden. Wenn es um die Beschaffung von Literatur oder um vertiefende Begleitinformationen zu einem relevanten Titel geht, übernimmt heute die FIS Bildung eine zentrale Verteilungsfunktion für die anderen Angebote. Normalerweise beginnt der Nutzer mit einer Recherche in FIS, um dann über die Trefferliste immer wieder mal auf pedocs, den Fachinformationsdienst (FID) – und künftig auch auf Forschungsdaten – verwiesen zu werden. Das zeigen auch die Nutzungszahlen: Lange Zeit entfielen 90% der Fachportal-Nutzerinnen und Nutzer auf die FIS Bildung. Als 2008 dann der Dokumentenserver „pedocs“ hinzukam, hatte er zwar die größeren Steigerungsraten in der Nutzung – weil er proportional gesehen auch größere Steigerungszahlen bei der Anzahl der nachgewiesenen Volltexte aufweist – aber mit zurzeit fast eine Mio. Literaturnachweisen und ca. 20.000 Neuzugängen pro Jahr liegt die FIS Bildung Literaturdatenbank schon rein quantitativ uneinholbar voraus. Sie gehört zu den größten sozialwissenschaftlichen Publikationsdatenbanken im deutschen Sprachraum.

 Was ist das Charakteristische an der FIS Bildung?

Ohne Zweifel die große Anzahl der fachspezifischen Partner, die der Datenbank Literaturnachweise zu liefern. Die Größe unseres Verbunds mit seinen 25 bis 30 Partnern dürfte einmalig sein. Und wir sind stolz darauf, dass dieser Partnerverbund auch nach über 25 Jahren so lebendig und effizient ist. Natürlich gab es Fluktuation, zum Beispiel wenn unsere Partnereinrichtungen – übrigens durchweg öffentlich-rechtliche Institutionen – aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ihre dokumentarische oder auch ihre gesamte Tätigkeit einstellen mussten. Aber es ist uns immer wieder gelungen, neue Partner hinzu zu gewinnen oder die Aufgaben neu zu verteilen. In jüngster Zeit haben wir auch öfter mal „outgesourct“, also Aufträge an kommerzielle Dienstleister vergeben, um Lücken wieder zu schließen. Eine Möglichkeit übrigens, die uns erst durch die Förderung im Rahmen des Fachportals Pädagogik eröffnet wurde.

Es sind also die Partnereinrichtungen, die die Literatur erschließen und sie an die FIS Bildung liefern?

Zentrale Themen des FIS Bildung Literaturdatenbank

Ja, die verteilte Erschließung hat den großen Vorteil, dass die Fachliteratur eng am Bedarf der Community ausgewählt wird, also aus der Sicht der Klientel der Partnereinrichtungen in Schulbildung, Weiterbildung, Beruflicher Bildung oder auch pädagogischer Psychologie. Eine zentrale Stelle könnte das für all die verzweigten Teilbereiche der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung gar nicht mit der gleichen Kompetenz bewerkstelligen. Die Datenbank hat ja den Anspruch, alle Bildungsbereiche zu bedienen und dabei auch praxisnahe Publikationen von akademischer Relevanz einzubeziehen. Es ist bestimmt auch diese subdisziplinäre Expertise, die die überwiegend aus dem akademischen Bereich stammenden Nutzer so sehr an der FIS Bildung Literaturdatenbank schätzen.

Ist eine Publikationsdatenbank heute noch zeitgemäß?

Im Gegensatz zu Google-Scholar, das sehr schnell ganz aktuelle Literatur nachweisen kann, basieren unsere Prozesse auf der verteilten intellektuellen Erschließung und sind dadurch naturgemäß langsamer. Dennoch wählen viele Nutzer für die thematische Suche unsere Fachdatenbank, einfach weil sie die fachlich relevante Literatur präziser in den Vordergrund stellt. Allerdings nutzen die meisten ohnehin kein Google-Scholar, sondern „googeln“ einfach, und da fällt bei einer thematischen Suche jedem sehr schnell auf, wo er oder sie fachlich einschlägige Literatur in zeitlich sortierter Reihenfolge schneller finden kann. Man darf auch nicht übersehen, dass Google als Wirtschaftsunternehmen die Reihenfolge der Trefferanzeigen und die Auswahl von Literaturnachweisen auf Basis von kommerziellen Entscheidungen gestaltet.

Die FIS Bildung steht also außerhalb der Konkurrenz und wird gut genutzt?

Literaturdatenbanken werden für die Nutzung erstellt und solange die nicht nachlässt, rechtfertigt der Bedarf ihre Existenz. Hinzu kommt aber noch die zentrale Bedeutung von Publikationen für die akademische Welt. Forschung und Lehre fokussieren weiterhin ihre Ergebnisse in Publikationen, ob gedruckt oder digital. Sie sind Dreh- und Angelpunkt für die Verbreitung und für die Rezeption von Forschungsergebnissen und –daten; sie bieten jedem Fach einen Spiegel seiner Produktivität und sind die besten Datenquellen für eine Beobachtung der Entwicklung einer Disziplin. Zum Beispiel wäre der von uns (DIPF) maßgeblich mitverantwortete Review Bildungsforschung in Deutschland ohne die FIS Bildung Literaturdatenbank so nicht möglich gewesen. Das gilt auch für zentrale Kapitel der alle vier Jahre erscheinenden Reihe Datenreport Erziehungswissenschaft. Insofern haben Fachdatenbanken auch eine wichtige Funktion für die Selbstdarstellung und natürlich auch für die kritische Beobachtung der einzelnen Disziplinen.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Botte!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

10Mai/17

„Wir leisten einen wichtigen Transfer unserer wissenschaftlichen Ergebnisse in die Bildungspraxis“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Open Access in der Bildungsforschung (3)

Dr. Simon Rettelbach, Leiter der Frankfurter Forschungsbibliothek

FRAGEN AN Dr. Simon Rettelbach, Leiter der Frankfurter Forschungsbibliothek, in der das institutionelle Repositorium DIPFdocs verwaltet und gepflegt wird. Wir fragten ihn nach der Akzeptanz von Open Access-Publikationen unter den DIPF-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sprachen darüber, wie viel an Auseinandersetzung mit urheberrechtlichen Fragen man von ihnen erwarten kann, und wo der ganz praktische Nutzen eines institutseigenen Repositoriums liegt.

 

Herr Rettelbach, das DIPF hat mit pedocs bereits ein Open Access-Repositorium. Warum gibt es mit DIPFdocs noch ein weiteres?

pedocs ist ein fachliches Repositorium, das nur Titel aus der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft sowie verwandter Bereiche wie etwa der Entwicklungspsychologie enthält. Weil wir am DIPF aber ein größeres wissenschaftliches Spektrum haben, zum Beispiel unsere informationswissenschaftliche Forschung oder die IT-Forschung bei TBA, dem Zentrum für technologiebasiertes Testen, haben wir das institutionelle Repositorium DIPFdocs aufgebaut. Im Grunde ist es die natürliche Ergänzung unserer Publikationsliste bzw. Publikationsdatenbank, in der wir nun wo immer möglich die bibliographischen Nachweise um den Zugriff auf die digitalen Volltexte ergänzen.

Das DIPF verpflichtet sich ja ausdrücklich zu Open Access. Wie ist denn die Akzeptanz bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern?

Die Idee, freien Zugang zu Publikationen zu gewährleisten, die aus öffentlich finanzierter Forschung entstehen, findet bei uns im Institut sehr große Unterstützung. Allerdings ist die praktische Umsetzung mit allerlei Tücken behaftet: Zum einen gibt es sehr unterschiedliche und wenig transparente Verlagsregelungen, zum anderen wurde im Januar 2014 zwar ein neues Zweitverwertungsrecht im Urheberrechtsgesetz verankert, dieses ist aber sehr restriktiv und lässt eine ganze Reihe von Fragen der konkreten Umsetzung offen.

Open Access findet prinzipiell große Zustimmung, aber die Gesetzeslage ist noch kompliziert.

Grundsätzlich garantiert die neue Regelung jedem Wissenschaftler für die Publikation eines Zeitschriftenbeitrags ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht. Allerdings darf dieses erst nach einer Embargofrist von 12 Monaten nach der Erstveröffentlichung wahrgenommen werden, und die Publikation darf nicht im Verlagslayout erfolgen. Das ist vor allem deshalb nachteilig, weil die Originalpaginierung nicht enthalten ist, die für die Zitation benötigt wird. Aber man kann auch diese, meist als „Postprint“ bezeichnete Version über die Url oder den DOI (Digital Object Identifier) zitieren und auf die dortige Paginierung  verweisen.

Das Zweitverwertungsrecht macht es den Wissenschaftlern also nicht unbedingt leichter?

Es gibt schon sehr viele Restriktionen. Deshalb tun wir uns auch schwer, den neuen Paragrafen flächendeckend anzuwenden. Bei ausländischen Verlagen, wie z.B.  „Sage“ mit seinem Sitz in den USA, ist neben dem Urheberrecht auch das Vertragsrecht zu berücksichtigen – und da gilt für die Autorenverträge immer das Recht des Sitzlands des Verlags. Eine weitere Restriktion ist, dass das Zweitveröffentlichungsrecht nur für Forschung gilt, die mindestens zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde. Ergebnisse aus stiftungsfinanzierten Projekten – bei uns kämen dafür die Mercatorstiftung, die Bertelsmannstiftung oder die Robert-Bosch-Stiftung in Frage – fallen nicht darunter.

Und solche Details müssen die DIPF-Forscher kennen, bevor sie sich an die OA-Veröffentlichung wagen?

Gottseidank nicht! Anfangs sind wir noch davon ausgegangen, dass Open Access-Publikationen Selbstläufer sind und sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst darum kümmern würden. Aber das war eine Fehleinschätzung – die Komplexität der Regelungen ist dafür einfach zu hoch. Mittlerweile haben wir als Bibliothek deswegen einen Rundum-Service aufgebaut und sind dazu übergegangen, die Wissenschaftler aktiv „abzuholen“.

Die Wissenschaftler müssen sich selbst um kaum etwas kümmern.

Der Weg ist so: Der oder die Wissenschaftler/in trägt die Publikation in unser Publikationssystem ein und lädt seinen Text in der Postprint-Version auf unsere Plattform. Unsere Open Access-Beauftragte prüft dann, inwiefern eine Zweitveröffentlichung möglich ist – ob das Zweitveröffentlichungsrecht greift, oder ob der Verlag sie nach einer bestimmten Frist zulässt, oder ob wir Lizenzverträge haben, die Open Access-Veröffentlichungen beinhalten. Dann schreiben wir den oder die Wissenschaftler/in an und bitten um die Genehmigung für die Zweitveröffentlichung in unserem Open Access Repositorium. Um den Rest bis zur Freischaltung des Beitrags nach 12 Monaten kümmert sich dann die Bibliothek.

Das DIPF geht also den Grünen Weg des Open Access?

Als Institut der Leibniz-Gemeinschaft sind wir ganz klar aufgefordert, freien Zugang zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschung zu gewährleisten, und das machen wir in erster Linie über den so genannten Grünen Weg. Vom Goldenen Weg spricht man, wenn bereits die Erstveröffentlichung im Open Access erfolgt. Konkret sieht das so aus, dass der oder die Autorin dem Verlag einmalig eine Gebühr bezahlt, die so genannte Article processing charge, damit der Beitrag sofort Open Access veröffentlicht wird. Natürlich steht das DIPF auch diesem Weg offen gegenüber, allerdings wird er in unseren Forschungsdisziplinen noch nicht von vielen Verlagen angeboten. Im STM-Bereich (Anm. der Redaktion: STM ist ein Sammelbegriff für Science, Technology, Medicine) sind die großen internationalen Verlage da progressiver, Erziehungswissenschaftler publizieren aber häufig bei kleineren, eher national ausgerichteten Verlagen.

Gibt es neben dem freien Zugang noch einen weiteren Mehrwert von Open Access?

Ja! Studien haben zum Beispiel nachgewiesen, dass im Open Access veröffentlichte Literatur deutlich besser rezipiert und zitiert wird als Publikationen, die nur per Abonnement zugänglich sind (Anm. der Redaktion: Das Open Citation Project verzeichnet solche Studien). Ein weiterer Aspekt ist der „Impact in die Gesellschaft“, den sich die Leibniz-Gemeinschaft auf die Fahne geschrieben hat. Wenn wir als DIPF die Ergebnisse unserer Forschung über Publikationen im Internet frei verfügbar machen, es also Eltern, Lehrern, Schulleitern und Pädagogen ermöglichen, sie einfach über eine Google-Recherche zu finden, ist das natürlich ein wichtiger Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in die Gesellschaft. Und das ist es, was wir über unsere wissenschaftliche Infrastruktur leisten!

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Rettelbach!

———————————————————-

Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

28Apr/17

„Bald werden nur noch die Texte rezipiert, die direkt auf dem Bildschirm landen“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Open Access in der Bildungsforschung (2)

Dr. Ute Paulokat

Dr. Ute Paulokat

 

FRAGEN AN Dr. Ute Paulokat, die den Dokumentenserver pedocs von Anfang an mit aufgebaut hat und ihn seit sechs Jahren koordiniert.
Für sie ist die erhöhte Sichtbarkeit einer Publikation das gewichtigste Argument für eine Open-Access-Veröffentlichung über pedocs.

 

 

 

 

Frau Paulokat, was bringt es einem Wissenschaftler Aufsätze über pedocs zu publizieren?

In erster Linie eine erhöhte Sichtbarkeit, denn pedocs ist direkt mit der FIS Bildung Literaturdatenbank verbunden und auch für die Google-Suche optimiert. Egal, ob bei Google oder Google Scholar, pedocs-Treffer werden in der pedocs-LogoRegel in der Ergebnisliste ganz oben aufgeführt. Hier eingestellte Texte werden mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit gefunden, als wenn sie nur auf Verlagsseiten oder Institutshomepages erreichbar wären. Mit der erhöhten Sichtbarkeit steigt natürlich die Rezeption der Texte und auch die Zitationsrate – ein hohes Gut in der Wissenschaft. Und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass künftig nur noch das wahrgenommen und wissenschaftlich genutzt wird, was man sich ohne Aufwand und Zeitverzug direkt auf den Computer laden kann. Da haben Open-Access-Veröffentlichungen natürlich einen großen Vorteil.

Wie gut wird pedocs genutzt? Haben Sie ein paar Zahlen für uns?

Mit Nutzungsstatistiken ist das so eine Sache! Je nach verwendetem Analyse-Tool oder Anbieter variieren die Zahlen zuweilen ja erheblich, Gesamtzahlen haben deshalb wenig Aussagekraft. Als Vergleichsbasis ziehen wir deshalb das Fachportal Pädagogik heran. Pedocs hat mit seinen 10.000 Einträgen zum Beispiel nur 50% Seitenaufrufe weniger als die sehr viel bekanntere FIS Bildung Literaturdatenbank mit ihren knapp 900.000 Einträgen. Das ist für uns eine sehr gute Note!

Und woher kommen die Nutzer?

50 bis 60 Prozent der Nutzer kommen über Google oder Google Scholar zu uns. Aber wir haben immerhin 20 Prozent Direktzugriffe; das weist darauf hin, dass wir als Open-Access-Portal für die Bildungsforschung gut bekannt sind. Die restlichen 30 Prozent kommen vor allem über unsere anderen Informationsportale wie den Deutschen Bildungsserver und natürlich aus den Discovery-Systemen der Universitäts- und Hochschulbibliotheken, die pedocs mit eingebunden haben.

Wie viele Publikationen gibt es derzeit in pedocs?

Aktuell haben wir etwas mehr als 10.000 Publikationen. Davon gut 1.000 Monographien, 6.600 Zeitschriftenaufsätze und 2.630 Sammelwerksbeiträge. Unsere Zuwachsraten sind in den letzten Jahren sehr konstant. Das liegt daran, dass wir derzeit noch jeden Eintrag händisch bearbeiten; im Durchschnitt können wir etwa 1.300 Datensätze im Jahr prozessieren.

Und aus welchen Zeitschriften stammen die Aufsätze?

Als wir mit pedocs 2008 gestartet sind, haben wir natürlich alle relevanten Zeitschriften in den Erziehungswissenschaften angeschrieben und sehr viele für unser Open-Access-Modell gewinnen können, darunter größere und kleinere Zeitschriftenverlage. Natürlich haben wir uns sehr gefreut, dass wir die „Zeitschrift für Pädagogik“ oder das Journal for Educational Research Online ins Boot holen konnten. Dann sind neu entstandene Onlinezeitschriften dazu gekommen, auch einige mit Peer-Review-Verfahren, die ihre Sichtbarkeit steigern und pedocs als zusätzliche Distributionsschiene nutzen wollen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Verlagen?

Die läuft ziemlich gut. Wir waren von Anfang an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Verlagen interessiert und sind sehr darauf bedacht, für alle eine Win-Win-Situation oder zumindest einen guten Kompromiss zu finden. Wir wollen es den Verlagen einfach machen, uns Inhalte zur Verfügung zu stellen, ohne ihr Geschäftsmodell in Gefahr zu bringen. Am beliebtesten ist dabei das Modell, bei dem Zeitschriftenartikel erst nach einer zuvor vereinbarten Frist von ein bis zwei Jahren über pedocs verfügbar gemacht werden (Anm. der Redaktion: Der so genannte Grüne Weg des Open Access). Bei Sammelwerken hat es sich bewährt, von jeder Neuerscheinung einen exemplarischen Beitrag einzustellen und mit diesem das gesamte Werk zu bewerben. So erhalten die Leserinnen und Leser einen Eindruck, ob sich die Anschaffung für sie lohnt. Verlage sind auch häufig froh, dass wir ihnen die Möglichkeit bieten, Werke, für die sich ein Neudruck nicht lohnt, über pedocs wieder einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen.

Und wie sieht die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern aus?

Die Zahl der Wissenschaftler, die selbst ihre Veröffentlichungen in pedocs eintragen, steigt kontinuierlich. Das ist sehr erfreulich! Allerdings machen diese Selbsteinträge nur einen sehr kleinen Anteil unserer Publikationen aus. Flyer pedocsUnd man muss realistisch bleiben: Kaum ein Wissenschaftler hat ausreichend Zeit und Muße, sich nach einer erfolgreichen Publikation auch noch selbst darum zu kümmern sie Open Access zu stellen – wenngleich der Aufwand dafür gar nicht so groß ist. Zum Glück übernehmen das in den wissenschaftlichen Einrichtungen oft die Bibliotheken. Über sie und über die Verlagskooperationen kommt der meiste Content in pedocs.

Das Ganze gilt ja vor allem für Zweitveröffentlichungen von Verlagspublikationen auf pedocs, also den sogenannten Grünen Weg des Open Access. Wie sieht es mit Open Access Gold aus? Welche Möglichkeiten der Finanzierung gibt es für Publikationen, die unmittelbar frei verfügbar erscheinen sollen?

Verschiedene. Als Wissenschaftler/in kann man – analog zu den bisherigen Druckkostenzuschüssen – z.B. entweder bereits in seinem Projektantrag eine gewisse Summe für die Veröffentlichung ausweisen, oder man beantragt bei einem Open Access-Publikationsfond die notwendigen Mittel. Solche Zuschüsse werden aber meist nur für Aufsätze bzw. Zeitschriftenbeiträge gewährt. Das ist in der stark monographisch geprägten Publikationspraxis der gesamten Geistes- und Sozialwissenschaften ein Problem. Im AK Open Access der Leibniz-Gemeinschaft wird deshalb schon seit längerem diskutiert, ob die Mittel aus dem bisherigen Publikationsfond eigentlich gerecht über die Sektionen verteilt sind.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

In den nächsten Jahren wollen wir unseren Suchraum erweitern. Unser Ziel ist es, möglichst viele fachlich relevante Open Access-Publikationen über pedocs auffindbar zu machen und so eine größere Abdeckung von dem, was es in unserer Disziplin Open Access gibt, zu erreichen. Wir können ja nicht alles selbst hosten! Dazu müssen wir die Universitäten, Bibliotheken, Institute ausfindig machen, die Publikationen Open Access bereitstellen und diese Angebote dann bei uns verlinken. Wichtig dabei ist allerdings, dass die einzubindenden Quellen genauso vertrauenswürdig sind, genauso stabile Adressen haben und genauso gut dokumentarisch aufbereitet sind wie unsere Angebote.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Frau Paulokat!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


Lesen Sie auch

24Apr/17

„Die AERA bietet einfach gute Gelegenheiten, mit Bildungsforschern aus anderen Ländern ins Gespräch zu kommen“

Quelle: bildungsserver Blog Autor: Schumann

Vom 27. April bis 1. Mai findet in San Antonio die AERA 2017 statt, das „Branchentreffen“ der amerikanischen Bildungsforschung. Die Servicestelle „International Cooperation in Education“ (ice) ist dort bereits zum 5. Mal präsent – dieses Mal mit einer „International Session” zum Thema „Societal Challenges and Educational Research“.
ice berät und unterstützt empirische Bildungsinstitutionen und Bildungsforscher/-innen aus Deutschland in der Aufnahme und Vertiefung von internationalen Kontakten und Kooperationen.

Dr. Annika Wilmers organisiert mit dem ice-Team eine "International Session" bei der AERA 2017

Dr. Annika Wilmers organisiert mit dem ice-Team eine International Session“ bei der AERA 2017.

 

FRAGEN AN Dr. Annika Wilmers von der Servicestelle International Cooperation in Education (ice). Wir sprachen mit ihr über die internationale Bedeutung der jährlichen Konferenzen der AERA und darüber, was es bedeutet dort eine „International Session” mit Bildungsforschern aus den USA, Deutschland und anderen Nationen zu organisieren.

 

 

 

 

 

Frau Wilmers, was macht die AERA so interessant für die deutsche Bildungsforschung?

Die AERA (American Educational Research Association) ist der Berufsverband der amerikanischen Erziehungswissenschaftler/-innen mit mehr als 25.000 Mitgliedern, in etwa vergleichbar mit der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE) bei uns in Deutschland. Ihre „Annual Meetings“, die jedes Jahr an wechselnden Orten in den USA und Kanada stattfinden, sind das „Branchentreffen“ der USA – alle Bildungsforscher treffen sich dort. Aber auch Bildungspraktiker und Vertreter von Verlagen und Förderorganisationen finden sich in vielen Veranstaltungen und Gesprächen zusammen. Das macht die Konferenz noch viel größer als es das eigentliche Programm mit den Vorträgen und Workshops nahelegen würde. Bei uns in Deutschland ist das sehr viel dezentraler organisiert.

Unter welchem Motto steht die AERA 2017?

Das Thema ist „Knowledge to Action. Achieving the promise of equal education opportunity“ – es geht also im weitesten Sinne um Chancengleichheit. Das ist ein typisches AERA-Thema, weil es sich an der Schnittstelle von Bildungsforschung, Bildungspraxis und Bildungspolitik bewegt. AERA2017Bei den Konferenzen geht es immer auch darum, wie man mit Forschung etwas in der Praxis bewirken kann. Die AERA reagiert zudem auf das tagespolitische Geschehen, das hat sich erst jetzt wieder gezeigt: Anlässlich der von Präsident Trump im Februar erlassenen Einreisebestimmungen hat die AERA eine Presseerklärung veröffentlicht und nun eine der Key-Lectures mit einem sehr renommierten Migrationsforscher besetzt. Die Organisatoren fordern zudem die vom „Einreiseverbot“ betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, sich bei ihnen zu melden, wenn sie Schwierigkeiten haben an der Konferenz teilzunehmen. Ihnen werden die Anmeldegebühren erstattet, und es wird geprüft, welche alternativen Präsentationsformen ihnen angeboten werden können.

Bei der AERA trifft sich also nicht nur die US-amerikanische Bildungsforschung?

Das Interesse, sich international zusammenzutun, hat auch in den USA stark zugenommen. Bei den Jahreskonferenzen sind viele verschiedene Länder vertreten, natürlich England und Australien, aber aus Europa zum Beispiel auch skandinavische Länder oder eben Deutschland. Allerdings sind es meist die wohlhabenderen Nationen, die präsent sind. Das International Relations-Committee der AERA, mit dem wir in Kontakt stehen, betont immer wieder, wie wichtig internationale Sessions sind, wie wir sie anbieten.

Und was genau bietet die Servicestelle ice bei der AERA 2017?

Wir haben eine halbtägige internationale Session zum Thema „Societal Challenges and Educational Research“ organisiert. Als Einführung ins Thema gibt es einen Dialog zwischen Rose Ylimaki von der University of Arizona und Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg zu den Herausforderungen, denen sich die Bildungsforschung in den nächsten Jahren stellen muss; moderiert wird das Gespräch von Joann Halpern, der Direktorin des „German Center for Research and Innovation“ in New York. Daran anschließend bieten wir fünf Roundtables, an denen die Wissenschaftler ihre Arbeit kurz präsentieren und sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen austauschen können.Logo International Cooperation in Education Die Themen reichen von „Instructional Leadership“ über „Migrants and refugees“ und „Digital education“ bis zum bildungspolitischen Nutzen von Datenbeständen aus Large-Scale-Assessment-Studien und einem methodologischen Workshop. Besetzt sind die Tische mit einer internationalen Mischung aus jungen Wissenschaftlern und erfahreneren Professoren. Gerade auch die Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist uns sehr wichtig!

Wie sind Sie auf das Format gekommen?

Angefangen haben wir vor fünf Jahren mit einem Messestand, an dem deutsche Wissenschaftler zu Posterpräsentationen eingeladen waren. Das Session-Format hat sich in den letzten drei Jahren entwickelt und wird sowohl von den Teilnehmenden als auch vom International Relations-Committee sehr gut angenommen. Es bietet einfach eine gute Gelegenheit, zu seinem Forschungsthema direkt mit Kollegen aus anderen Ländern ins Gespräch zu kommen. Unser Angebot hat außerdem den Vorteil, dass es außerhalb des Review-Prozesses steht, in dem die normalen AERA-Sessions zusammengestellt werden.

Wie muss man sich den Weg von der Themenfindung bis zum Angebot selbst vorstellen?

Das ist ein Prozess, der sich aus verschiedenen Quellen speist: Wir orientieren uns am allgemeinen Konferenzthema und beobachten die aktuellen Diskussionen in Deutschland, zu denen es teilweise Parallelen in den USA gibt. Oft signalisieren uns auch die Wissenschaftler selbst – deutsche und amerikanische – Interesse an bestimmten Themen, oder wir greifen auf Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zurück. Sobald sich ein Themenkomplex herauskristallisiert hat, stimmen wir uns intern ab. Und wenn der Call for paper von Seiten der AERA abgeschlossen ist, also nach der Sommerpause, beginnen wir mit unseren Recherchen und fragen ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, ob sie sich eine Teilnahme an einer Session bei uns vorstellen könnten. Das kann sich über Wochen und Monate hinziehen, weil die Kontaktierten zum Beispiel Interesse äußern, aber selbst nicht teilnehmen können oder wollen, dafür aber jemand anderen empfehlen. Und dann müssen die Teilnehmenden natürlich auch noch die Finanzierung der Konferenzteilnahme klären.

Viel Erfolg und herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Frau Wilmers!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver